Manuel Stolz: „EU muss Zukunftsperspektiven schaffen“
BEZIRK KIRCHDORF/OÖ/BRÜSSEL. Manuel Stolz, SPÖ-Gemeinderat in Steinbach an der Steyr und aktiver Jugendvertreter, spricht im Tips-Interview über seine Tätigkeit im europäischen Jugendforum und erklärt, was sich die Jugend seiner Ansicht nach wirklich von Europa wünscht.

Tips: Herr Stolz, Sie sind einer von zwei ehrenamtlichen Jugendvertretern, die für ein Jahr im europäischen Jugendforum mitarbeiten dürfen. Was sind Ihre Hauptaufgaben in dieser Funktion?
Stolz: Für mich ist es wichtig, Themen, die den österreichischen Jugendlichen unter den Fingernägeln brennen, aufs Tablett zu bringen. Viele junge Menschen erwarten sich Veränderungen von der EU – es ist unsere Aufgabe, diese zu formulieren und an den entsprechenden Stellen einzubringen. Zu den allgemeinen Hauptaufgaben zählt die Vorbereitung und Teilnahme am europäischen Jugendforum-Vernetzungstreffen, welches zweimal jährlich stattfindet. Gleichzeitig gibt es eine ständige Vernetzung mit Jugendorganisationen und Politikern. Darüber hinaus bin ich in der Arbeitsgruppe Lehrlingsausbildung vertreten.
Wie sieht das europäische Jugendforum konkret aus und welchen Einfluss hat es?
Das Jugendforum setzt sich aus fixen Jugendvertretern aller Mitgliedsstaaten, Vertretern von europäischen Jugendorganisationen und dem Vorstand zusammen. Wir sind in Arbeitsgruppen der EU vertreten und bringen dort Vorschläge, die im Sinne der Jugend sind, ein. Beschlüsse, die das Jugendforum getätigt hat, werden an den Rat der europäischen Union weitergeleitet und müssen dort verbindlich behandelt werden.
Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich während ihrer einjährigen Tätigkeit eingehender?
Neben der Tätigkeit im Jugendforum habe ich zwei konkrete Projekte, an denen ich momentan arbeite. Seit April gibt es erstmals eine Arbeitsgruppe zum Thema Lehrlingsausbildung, die direkt mit der EU-Kommission zusammenarbeitet, in dieser bin ich Mitglied.
Ein weiteres Projekt, das ich auch gemeinsam mit anderen Jugendlichen erarbeitet habe, beschäftigt sich mit dem Thema „Fake-News“ im Internet. Vor allem durch die intensive Nutzung von Social-Media-Plattformen ist das zu einem wirklich großen Thema geworden. Der konkrete Ansatz dazu: Gemeinsam mit dem Familienministerium sind wir im Gespräch, eine Plattform im Internet ins Leben zu rufen, die sich Falschmeldungen widmet, Richtigstellungen veröffentlicht und Präventionsarbeit leistet.
Welche Verbesserungen braucht es Ihrer Ansicht nach für die Jugend in Europa?
Wenn über die EU diskutiert wird, kommt oft das Argument des Friedensprojektes, was auch stimmt. Es muss aber klar sein, dass diese Ansage alleine zu wenig für die Jugend ist. Für junge Menschen geht es um konkrete Zukunftsperspektiven in Form von guten Ausbildungs- und Jobangeboten, den Wunsch nach einer finanzierbaren Existenzgründung oder das Recht auf mehr Mitbestimmung.
Da waren jetzt einige Kritikpunkte dabei: Wie stehen Sie zur EU?
Ich glaube, wer ernsthaft Europa nach vorne bringen will, muss die Probleme, die es zweifellos gibt, offen ansprechen. Nur wenn wir versuchen die EU weiterzuentwickeln, kann dieses Projekt auch in Zukunft erfolgreich sein. Meine Kritik ist aber eine sachliche, die Veränderungen im Visier hat und unterscheidet sich ganz klar von all jenen, die aus der EU austreten wollen oder sich gar ein Scheitern der EU wünschen. Das ist ein großer Unterschied.


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