Stadtmuseum Steyr erinnert an Marianne Kautsch
STEYR. Der Name Marianne Kautsch ist nur wenigen Steyrern ein Begriff. Die Lebensgeschichte dieser Frau weicht von den geschlechtsbezogenen Konventionen des 19. Jahrhunderts ab und hätte es wohl verdient, mehr beachtet zu werden.

Marianne Kautsch war geschieden, wiederverheiratet, forschte, reiste, schrieb für regionale Zeitungen, fuhr als eine der ersten Frauen in Steyr mit dem Fahrrad und zählt zu den Gründern des Stadtmuseums Steyr.
Von Linz nach Steyr
Geboren in Linz als Maria Anna Sidonia Wilhelmina von Braunendal heiratete sie als 19-Jährige den Artilleriemajor Johann Rapp-Dobry und bekam zwei Töchter. Sie dürfte in dieser Ehe jedoch unglücklich gewesen sein und es kommt 1870 zur Scheidung „nach Tisch und Bett“. Das heißt die eheliche Lebensgemeinschaft wurde aufgehoben, das rechtliche Band der Ehe blieb bestehen. Aber Marianne kannte bereits einen anderen Mann, mit dem sie zusammenleben wollte: Jakob Kautsch. Das Paar nahm einiges auf sich, um diese zweite Ehe durchzusetzen. Als Jakob Kautsch 1874 Bankdirektor in Steyr wird, übersiedelt die Familie hierher.
Kultur als großes Anliegen
Ebenfalls 1874 wurde Sohn Maximilian geboren. Marianne Kautsch führte aufgrund ihrer soliden finanziellen Situation und hohen Bildung ein privilegiertes Leben. Sie war eine leidenschaftliche Sammlerin und stöberte auf Dachböden und Bauernhöfen herum. Eine Begebenheit, bei der sie irrtümlich verhaftet und in den Gemeindekotter gesperrt wurde, bringt ihr sogar den Titel „Die unverwüstliche Marianne“ ein. Sie setzte sich sehr engagiert für die Sammlung und Erhaltung von regional wichtigen Kulturgütern ein und zählt zu den Gründern des Stadtmuseums Steyr. Ihre Leistung wurde in zeitgenössischen Berichten gewürdigt, gerät danach allerdings in Vergessenheit.
Einblick in ihr Leben
„Es ist mir wichtig, diese außergewöhnliche Frau, die bereits damals ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führte, wieder bekannt zu machen. Mit ihrem unbeirrbaren und mutigen Wesen kann sie uns noch heute ein Vorbild sein“, sagt Katrin Auer (SPÖ), Stadträtin für Kultur und Frauenangelegenheiten. Ein Fund von mehr als 1.600 Fotografien gibt nun Einblick in das spannende Leben des Ehepaars Kautsch sowie ihrer Nachfahren. Die Bilder beleuchten das berufliche und private Umfeld, die Gründung des Steyrer Stadtmuseums, die Errichtung der Waldbahn Reichraming, aber auch Radpartien, Ausflüge und Reisen bis nach Jerusalem.
Neben den individuellen Lebenswegen der Familienmitglieder dokumentiert dieser Fund somit auch soziale Kontinuitäten, Wandel und Umbrüche der Zeit zwischen 1860 und 1950. Christina Schmid, Leiterin der Sammlung Landeskunde am OÖ. Landesmuseum hat diesen Nachlass aufgearbeitet und präsentiert ihn am Freitag, 18. November, unter dem Titel „Marianne Kautsch und ihre Familie in bisher unbekannten Bildern“. Stadtmuseum Steyr, 18.30 Uhr; Eintritt: 5 Euro (Ermäßigt: 3 Euro)


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