„Steyr am Nationalpark ist ein strategischer Fehler“
STEYR. Christian Kreil spricht gerne Klartext. Der 49-jährige PR-Berater will, dass sich seine Heimatstadt Steyr neu vermarktet. Nämlich als Stadt der Innovationen.

„Mein Vater kommt aus einer Holzknechtfamilie. Ich kenne im Hintergebirge jeden Graben und habe einen starken Bezug zum Nationalpark“, unterstreicht Kreil. Der aktuelle Steyrer Werbeslogan stößt ihm dennoch sauer auf. „Steyr am Nationalpark ist ein strategischer Fehler“, sagt Kreil. Beim Blick auf den Internetauftritt steyr.at verdreht der 49-Jährige die Augen. „Da findet man ein Marken-Wirrwarr von der Romantik- über die Christkindlstadt bis zur Naturhauptstadt Europas am Fluss der Zeit.“
Nicht vom Tourismus leben
Laut Kreil kann sich eine Stadt wie Steyr nur eine „Single Issue“ Positionierung erlauben. „Es allen Interessensgruppen recht machen zu wollen, das geht immer schief“, so Kreil. Der weit hergeholte Slogan Steyr am Nationalpark sei aus seiner Sicht nicht einmal für den Tourismus sinnvoll. „Steyr ist keine Tourismusstadt und wird es auch nie werden.“
Für Aufsehen sorgen
Beim Ideen-Entwicklungsprozess „Steyr 2030“ hat Kreil sein Projekt „ReBrand Steyr“ eingebracht und dafür schon viel Lob, aber auch Kritik geerntet. Grundidee ist, dass die Stadt zur „City of Innovation“ wird. „Stadt der Innovationen ist im deutschen Sprachraum was Neues. Die meisten Städte wollen chillig, romantisch oder vielfältig sein. Daher könnten wir damit für Aufsehen sorgen“, meint Kreil. Werde ein entsprechendes Image aufgebaut, könne man in Zukunft etwa im Kampf um die besten Fachkräfte entscheidend punkten und damit den Industriestandort Steyr weiter absichern. Kreil hat schon zahlreiche Gespräche mit Spitzenvertretern von Großunternehmen geführt und dabei gute Rückmeldungen erhalten.
Politik entscheidet
Ob Steyr tatsächlich zur „City of Innovation“ wird, ist Sache der Politik. Bürgermeister Gerald Hackl (SPÖ), der Kreil bereits zu einem Gespräch empfangen hat, sieht den Vorschlag grundsätzlich positiv. Der Weg zur Umsetzung sei allerdings noch ein weiter. „Letztlich muss man alle Akteure zusammenbringen“, sagt Hackl. Aus seiner Sicht kann man das Branding der Stadt von jenem des Tourismus auch trennen und Steyr sich zum Beispiel auch weiterhin als Christkindlstadt vermarkten.


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