Gemeinderat: Jugendzentrum entfachte Debatte
STEYR. Mit 1. Juli soll in der Damberggasse 2 ein Jugendzentrum zur Entschärfung des problembehafteten Hotspots Bahnhof entstehen. Ehe es zum Beschluss kam, erhitzte das Thema bei der jüngsten Gemeinderatssitzung die Gemüter.

Eigentlich herrschte über die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung weitgehend Einigkeit. Allein die FPÖ-Fraktion stemmte sich mit einer Reihe von Einwänden gegen den neuen betreuten Jugend-Treffpunkt und brach damit ein Wortgefecht vom Zaun.
Das neue Jugendzentrum mache unnötige Kosten und man fürchte eine kontraproduktive Entwicklung, sollten auch Jugendliche, die nicht aus der Problemzone rund um den Bahnhof kommen, künftig ihre Freizeit dort verbringen, brachte etwa FP-Gemeinderat Wolfgang Zöttl gegen die geplante Einrichtung vor. Man solle bestehende Angebote verbessern, so seine Forderung.
FP-Stadtrat Mario Ritter sprach von „bildungsfremden, fast nicht mehr sozialisierbaren Jugendlichen“, für die ein Rückzugs- und „Wohlfühlort“ geschaffen werde und warf die Frage auf, ob man die Anrainer der ihmnach ohnehin nicht sehr begehrten Wohngegend dazu befragt hätte. Davor kritisierte er den Mietvertrag und die zu hohen Kosten.
„Law & Order verlagert nur das Problem“
Kontra dazu gab es zahlreiche: Stadtrat Gunter Mayrhofer (VP-Bürgerforum) meinte: „Unsere Aufgabe ist es, Viertel mit Strukturen zu schaffen, wo man gerne wohnt. Wir müssen versuchen, die jungen Menschen dort abzuholen, wo sie jetzt sind – Law & Order löst hier das Problem nicht.“ Die Miete von 7,20 Euro pro Quadratmeter hält der VP-Stadtrat zudem für akzeptabel. Parteikollege Markus Spöck ergänzte, dass sich die neue stadteigene Einrichtung einer Zielgruppe widme, die mit dem bisherigen JUZ-Angebot in Steyr nicht abgedeckt sei, nämlich durch Sozialbetreuung.
Neos-Gemeinderat Pit Freiseis sieht die Lage ähnlich: „Das neue Jugendzentrum ist ein Werkzeug der Stadt, um auf Hotspots einwirken zu können.“ Birgit Schörkhuber von der SPÖ betonte: „Es ist eine notwendige Ergänzung zur bestehenden Jugendarbeit. Wir wissen: Bekommen Jugendliche keinen Platz, verschaffen sie ihn sich. Der Standort im Bahnhofsviertel ist ideal. Menschen, die dort arbeiten, berichten uns: Die Situation – seien es Drogen oder Arbeitslosigkeit – verschärft sich.“
Auch die Grünen begrüßen das Vorhaben: „Es geht nicht nur darum, Vandalismus und unangenehme Situationen für Passanten vermeiden zu helfen, sondern auch darum, Jugendlichen in kritischen Lebensphasen Zukunftsperspektiven zu ermöglichen“, so Stadtrat Reinhard Kaufmann.
Breite Zustimmung
Am Ende der Diskussion wurde das Jugendzentrum vom Gemeinderat beschlossen, die FPÖ stimmte dagegen. Drei sozialpädagogische Betreuer sollen künftig für die Jugendlichen im Bahnhofsbereich da sein. Den Zwölf- bis 18-Jährigen stehen insgesamt 250 m2 mit einer Außenfläche von 90 m2 zur Verfügung. Das Projekt eines niederschwelligen Jugendzentrums erwuchs laut Sozialstadtrat Michael Schodermayr (SP) aus einem runden Tisch zum Hotspot Bahnhof. Im Gespräch mit Vertretern aus Politik, Jugendexperten und der Exekutive wurde der Bedarf an einer solchen Einrichtung deutlich.


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