Krisenmanager aus Steyr im Interview: „Hotline 1450 wird weiter ausgebaut“

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Angelika Mitterhauser Angelika Mitterhauser, Tips Redaktion, 28.07.2020 13:52 Uhr

STEYR/OÖ. Als Leiter des Rettungs- und Katastrophenhilfsdienstes beim Roten Kreuz OÖ ist der Steyrer Markus Brunner seit Monaten am Brennpunkt der Coronakrise im Einsatz. Tips bat den 39-Jährigen zum Gespräch.

Tips: Hatten Sie seit Mitte März schon Gelegenheit, ein wenig durchzuatmen und aufzutanken?

Markus Brunner: Ja, immer wieder. Nach der Geburt unseres Sohnes Anfang Mai konnte ich zwei Wochen zu Hause bleiben. Glücklicherweise war zu dieser Zeit der Einsatz größtenteils in seiner Endphase bzw. liefen viele Maßnahmen bereits standardisiert. Zeit mit meiner Familie, Gespräche mit guten Freunden und Heimwerken sind für mich die wichtigsten „Tankstellen“. Es ist aber auch die Gewissheit, mit einem ausgesprochen guten Team zusammenarbeiten zu dürfen.

Was waren bisher die größten Herausforderungen der Krise?

Das waren das Umsetzen einer völlig neuen Tätigkeit für unsere Rettungssanitäter – die Probenabnahme –, teils massiv schwankende Anruferzahlen, die daraus entstandenen Lastspitzen in der Gesundheitsberatung und in den Rettungsleitstellen sowie zu Beginn die Knappheit bzw. die Lieferengpässe bei der Schutzausrüstung. Durch die hervorragende Arbeit unserer Mitarbeiter konnten wir das bewältigen. Der unglaubliche Zusammenhalt und der starke Wille der Rotkreuz-Familie ist hier einmal mehr spürbar.

Sie selbst waren am Aufbau der Gesundheitsnummer 1450 wesentlich beteiligt.

Genau. Mit dem Aufbau haben wir im Jahr 2018 begonnen, seit 2019 steht diese Dienstleistung rund um die Uhr zur Verfügung. Tatsächlich hat die Ausrichtung der Gesundheitsberatung einen derartigen Fall nicht vorgesehen. Wir konnten aber schnell reagieren und die Verarbeitung von 350 Telefonaten pro Tag auf bis zu 2.000 erhöhen. Dennoch kam es gerade am Höhepunkt der Pandemie vor, dass es mehrere Versuche brauchte, um mit einer Mitarbeiterin sprechen zu können. Für Herbst werden wir die Anzahl der verarbeitbaren Anrufe weiter erhöhen. Da wir aber von Beginn an beobachten, dass sich die Anrufe auf zwei relativ enge Zeitfenster – den Morgen und Abend – konzentrieren, kann es auch im Herbst vorkommen, dass alle Leitungen zu diesen Spitzenzeiten belegt sind.

In diesem Zusammenhang gab es sicher wiederholt auch Unverständnis. Was ist Ihnen wichtig, dass die Bevölkerung weiß?

Ich finde es schade, wenn unsere Mitarbeiter, die momentan Großartiges leisten, am Telefon immer wieder zum Prellbock gemacht und manchmal auch beschimpft werden. Mir ist bewusst, dass eine mögliche Erkrankung Sorge und Unsicherheit mit sich bringt. Um im Herbst so vielen wie möglich am Telefon helfen zu können, braucht es die Unterstützung der Bevölkerung. Es ist wichtig, dass die Gesundheitsberatung nur von Personen angerufen wird, die einen gesundheitlichen Grund, einen Auftrag eines Arztes oder einen Kontakt mit einer positiv getesteten Person hatten. Derzeit entsprechen rund die Hälfte der Anrufe keinem dieser drei Gründe. Die Mitarbeiter der Gesundheitsberatung können leider beispielsweise hinsichtlich Testergebnisse, Quarantäne, Krankmeldungen etc. nicht helfen. Testergebnisse werden von der Bezirksverwaltungsbehörde kommuniziert und für viele Fragen bietet die Webseite des Gesundheitsministeriums gute und umfassende Informationen.

Mit welchen Vorkehrungen geht das Landesrettungskommando sonst noch in den Herbst?

Wir haben unter anderem eine Software mitentwickelt, die den Prozess vom Anruf über die Probenabnahme bis hin zur Übergabe der Patientendaten ans Labor und die Bezirksverwaltungsbehörde begleitet. Unsere Telefonanlage wird dahingehend optimiert, dass wir rasch zusätzliche Telefon-Mitarbeiter aktivieren können. Wir suchen laufend Verstärkung – vor allem für die Probenabnahme und das Callcenter. Wir können aber auch viele gute Erfahrungen und Lösungsansätze aus dem bisherigen Einsatz mitnehmen. Neben dem Covid-Selbstcheck (covid.o.roteskreuz.at) oder der Online-Information für unsere Mitarbeiter sind es vor allem in der Praxis intensiv erprobte Dinge wie der Covid-SEW – ein Rettungswagen, bei dem ein Großteil des Innenraums abgeklebt und so eine rasche Desinfektion nach einem Transport möglich ist. Oder der Covid-Händ, der gemeinsam mit der Ärztekammer umgesetzte hausärztliche Notdienst speziell für Covid-19-Erkrankte. Auch der sorgsame, aber konsequente Umgang mit Schutzausrüstung wird uns im Herbst begleiten. Hier evaluieren wir derzeit auch wiederaufbereitbare Artikel. Die mittlerweile hochoptimierte Probenabnahme können wir bereits flächendeckend mit enormen Kapazitäten (1.000 Abnahmen pro Tag für OÖ) und sehr flexibel anbieten.

Ihre Familie freut sich schon, wenn Sie einmal wieder öfter zuhause sind?

Ich habe das Glück, tolle und verständnisvolle Kinder und eine wunderbare Partnerin zu haben. Wenn ich zu Hause bin, versuche ich diese Zeit intensiv zu nutzen. Aber ich freue mich auch schon auf ruhigere Zeiten.

 

STECKBRIEF

Markus Brunner (39), Matura an der Bakip, Studium für Prozessmanagement Gesundheit an der Fachhochschule Steyr, Zivildienst beim Roten Kreuz. Seit 1999 freiwillig, seit 2011 beruflich beim Roten Kreuz, 6 Jahre als RK-Bezirksgeschäftsleiter in Steyr, seit 2018 im Landessekretariat und Leiter der Sparte Rettungs- und Katastrophenhilfsdienst.

Brunner hat drei Kinder (17 Jahre, 10 Jahre und 3 Monate) und lebt mit seiner Familie in Steyr.

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