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Lebensmittel-Herkunftskennzeichnung: "Mauer des Schweigens beginnt zu bröckeln"

Olivia Lentschig, 31.08.2023 09:00

STEYR/OÖ. Der 1. September 2023 ist ein geschichtsträchtiger Tag, markiert er doch den Anfang vom Ende der Intransparenz bei Lebensmitteln. Weit über zwei Millionen Menschen essen jeden Tag in Kantinen, Restaurants & Co, in den allermeisten Fällen erfahren sie dabei aber nicht, was wirklich auf ihren Tellern landet. Mitunter mit katastrophalen Folgen, vor Kurzem erst ist ein Mensch an verseuchtem Import-Hühnerfleisch (Salmonellen) in Österreich gestorben.

Auf einer Fläche wie dieser fristet eine Legehenne ihr gesamtes Leben. (Foto: stock.adobe.com-Saim Sam)

„Doch auch das durch die Importe verursachte „Bauernsterben“ ist nicht zu vernachlässigen, die Anzahl der Bauernhöfe befindet sich im Sinkflug, weil Handelskonzerne massenhaft importieren. Ganz zu schweigen von den gigantischen Tierfabriken, in denen billigst und unter grausamen Bedingungen im Ausland produziert wird“, so Sebastian Bohrn Mena, Sprecher der Initiative oekoreich, „Die neue Regelung hat enormen Symbolcharakter, beginnt doch nun endlich die „Mauer des Schweigens“ zu bröckeln. Schritt für Schritt nähern wir uns der Transparenz bei Lebensmitteln und dieser Schritt kann daher nicht hoch genug bewertet werden. Wir werden genau darüber auch bei den „Konsumdialogen“ in Steyr sprechen. Die beiden zuständigen Minister, Norbert Totschnig (Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft) und Johannes Rauch (Sozial- und Gesundheitsminister) sind ja vor Ort mit dabei.“

„Konsumdialoge“ in Steyr widmen sich Lebensmittel

Die „Österreichischen Konsumdialoge: Lebensmittel“, die von 28. bis 30. September in Steyr stattfinden, widmen sich der Herkunft und Entstehungsgeschichte des Essens. Dabei treffen über 70 Experten und Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft auf über 2.000 Bürger. Mit dabei sind unter anderem die Minister Norbert Totschnig und Johannes Rauch sowie Zukunftsforscherin Hanni Rützler und AMA-Geschäftsführerin Christina Mutenthaler-Sipek.

Alle Infos dazu unter www.konsumdialoge.at/lebensmittel

Geradezu historischer Schritt

Mit der neuen Herkunftskennzeichnung müssen private wie öffentliche Großküchen künftig angeben, woher sie Fleisch, Milch und Eier beziehen. „In Krankenhäusern, Altenheimen oder Schulen werden damit das gequälte, kranke Kalb aus Holland oder die Käfigeier aus Indien sichtbar“, erklärt Bohrn Mena, „Zudem dürfen freiwillige Angaben zur Herkunft in der Gastronomie künftig nicht mehr irreführend sein.“

Auch Gastronomie muss jetzt aus „Schattenwirtschaft“ aussteigen

„Die Mauer des Schweigens zur Herkunft unserer Lebensmittel wird jetzt Stück für Stück eingerissen, die Intransparenz wird ein Ende finden. Man muss Norbert Totschnig und Johannes Rauch dankbar sein, dass sie diesen ersten Schritt und damit einen Meilenstein auf dem Weg zu voller Transparenz bei Lebensmitteln setzen. Er ist an Symbolkraft nicht zu unterschätzen“ so Sebastian Bohrn Mena.

Der Organisator des Tierschutzvolksbegehrens und damit Vertreter von über 416.000 Menschen, nimmt jetzt die Betriebe in der Gastronomie in den Fokus, die von der Regelung noch nicht umfasst sind. Hunderte Gastronomen würden durch ihre Mitgliedschaft in der „AMA-Genuss-Region“ zeigen, dass es möglich und sinnvoll ist, den Konsumenten die Wahrheit über die Herkunft der Lebensmittel zu sagen. Denn sie beziehen heimische Rohstoffe und leben Transparenz.

„Die Gastronomie muss jetzt endlich die Zeichen der Zeit erkennen und aus dieser seltsamen Form der ‚Schattenwirtschaft‘ aussteigen. Machen wir Schluss mit Fleisch, Milch und Eiern aus dubiosen Quellen auf den Tellern, hören wir auf mit diesem unwürdigen Versteckspiel. Es ist unfair den schon jetzt vorbildlich agierenden Wirten gegenüber, dass manche aus Profitgründen offenbar weiter auf Tierqual und Bauernsterben setzen wollen“, insistiert Sebastian Bohrn Mena.


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