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Pflegende Angehörige: „Bei den Treffpunkten darf alles seinen Platz haben“

Robert Hofer, 25.12.2023 13:12

STEYR. Mit 2024 leitet Martina Stollnberger den Caritas-Treffpunkt für pflegende Angehörige im Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum (PEK) Steyr.

Treffpunktleiterin Martina Stollnberger (Foto: privat)
Treffpunktleiterin Martina Stollnberger (Foto: privat)

Die angehende Diplomierte Lebens- und Sozialberaterin hat selbst drei Angehörige insgesamt sieben Jahre lang gepflegt: „Heute würde ich manche Sachen früher initiieren, mehr Unterstützung annehmen und meine Auszeiten viel bewusster nehmen. Und: Man muss es nicht allen recht machen.“ Wer in vertraulicher Runde die Möglichkeit zum Reden, Zuhören und gegenseitigen Stärken nutzen möchte, ist beim nächsten Treffpunkt am Donnerstag, 11. Jänner von 17 bis 18.30 Uhr Im Haus 10 des PEK herzlich willkommen. Nähere Infos unter 0676 8776 2447

Die dreifache Mutter Martina Stollnberger hat ihren Opa (81 Jahre), ihre Oma (83 Jahre) und ihre Tante (59 Jahre) gepflegt. „Die Pflege ging ineinander. Mein Opa war dement, Oma und Tante hatten Krebs“, erzählt Stollnberger, die auch ausgebildete Fach-Sozialbetreuerin in der Altenarbeit ist. Das Verhalten ihres an Demenz erkrankten Großvaters war äußerst herausfordernd. Sie hat trotzdem nie gezögert, mit ihm durch alle Phasen der Demenz zu gehen und ihn bis zu seinem Lebensende zuhause zu begleiten.

An Grenzen gestoßen

Obwohl Stollnberger schon lange Zeit vorher in der professionellen Pflege und Betreuung tätig war, stieß sie als pflegende Angehörige immer wieder an ihre Grenzen – sowohl körperlich als auch psychisch. „Heute weiß ich, dass es wichtig ist, die Balance zu halten und darauf zu achten, wo die Grenze für mich und für die anderen ist. Im Beruf ist mir das leichter gefallen. Zuhause verschwimmen die Grenzen schneller. Es hätten oft 80 Prozent gereicht, ich habe immer über 100 Prozent gegeben.“

Ein großes Thema war für sie auch das „Nein“ sagen beziehungsweise ein „Ja“ zu sagen, wenn man selbst Hilfe braucht. Heute hätte sie beispielsweise ihren Großvater schon viel früher vom Besuch einer Tagesbetreuung überzeugt. Damals nutzte sie das Angebot erst spät, um diese Zeit für sich nutzen zu können. Trotz der vielen Herausforderungen möchte sie die Jahre nicht missen und hat die Pflege als Bereicherung erlebt. Auch ihren Kindern zu ermöglichen, mit den Ur-Großeltern aufwachsen zu dürfen, war eine Zeit, die ihnen viel Empathie beigebracht hat: „Sie waren bis zum Sterben dabei - komplett im Lebensfluss, das war richtig schön mitzubekommen.“

Bei den Treffpunkten legt Stollnberger deshalb Wert auf das Zuhören. Alles darf seinen Platz haben – an Gefühlen und an Geschichten, ohne dass es gleich zu einer Bewertung kommt. „Denn eine Bewertung erleben pflegende Angehörige leider oft genug.“

Caritas hilft

Wer lieber eine kostenlose persönliche Beratung in Anspruch nehmen will, kann einen Termin für eine Einzelberatung bei Caritas-Mitarbeiterin Birgit Freidhager unter Tel 0676 87762447vereinbaren. Zusätzlich finden jährlich Erholungstage für pflegende und betreuende Angehörige statt. Zu den aktuellen Kursen und Veranstaltungen kann man sich auf der Homepage www.caritas-ooe.at/pang informieren

Treffpunkt-Themenimpulse im PEK Steyr, Haus 10; jeweils von 17 bis 18.30 Uhr

Donnerstag, 11. Jänner: „Meinen Körper spüren - einfache Wahrnehmungsübungen“

Donnerstag, 8. Februar: „In meine Kraft kommen - positive Gedanken fördern“

Donnerstag, 7. März: „Gestärkt durch den Alltag“

Donnerstag, 4. April: „Mit Humor geht vieles leichter“

Donnerstag, 2. Mai: „Wenn’s mal nicht so leicht geht“

Donnerstag, 6. Juni: „Durchatmen und Kraft tanken in der Natur“

 


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