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Leserbrief: Gedanken eines Teilnehmers an der Steyrer Klimaschutzstrategie

Online Redaktion, 13.02.2024 10:07

STEYR. „Ich wurde letzte Woche im Umweltausschuss maßlos enttäuscht“, sagt Roland Mayr. Er spricht von zähen Bremsern in der Politik, die parteitaktische Überlegungen vor das Wohl der Allgemeinheit stellen.

 (Foto: Tips)
(Foto: Tips)

Vor einem Jahr begann das Projekt „Klimaneutralitätsfahrplan Steyr 2040“ mit dem ersten Workshoptag. Eine Gruppe von anfangs rund 30 Menschen, bestehend aus den neun Mitgliedern des Umweltausschusses, mehreren leitenden Beamten des Magistrats, den Beiräten des Umweltausschusses, den Moderatoren und auch externen Experten kam zusammen, um über ein Thema zu beraten, dass die Menschen in Steyr in Zukunft ständig begleiten wird, das uns nie mehr loslassen wird:

Wie können wir in Steyr die überlebensnotwendigen Transformationen (Energiewende, Mobilitätswende, etc.) mit konkreten Maßnahmen auf den Weg bringen, um auch in Steyr unseren regionalen Beitrag im Kampf gegen die drohende globale Klimakatastrophe zu leisten?

Große Motivation

Als vom Alpenverein Steyr entsandter Beirat durfte ich an diesem Prozess teilnehmen. Anfangs war die Motivation unter den Teilnehmern sehr groß, alle waren mit großem Engagement bei der Sache. Es wurden alle relevanten Themen sehr offen angesprochen und diskutiert, auch von den anwesenden Politikern, es gab keine Tabuthemen.

Die Themen Entsiegelung und Begrünung von Straßen und Parkplätzen, Erstellung klimaneutraler Wärmeversorgungskonzepte für alle Stadtteile, Schaffung von attraktiven und kindergerechten Radwegachsen quer durch die Stadt, Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs, autofreier Stadtplatz möchte ich hier explizit nennen, stellvertretend für die Breite der Palette der angesprochenen Themen.

Am vierten und letzten Workshoptag im Dezember 2023 sollten plangemäß konkrete Maßnahmen festgelegt werden, leider war schon dieser letzte Workshoptag eine große Enttäuschung. Die Zahl der Teilnehmer war erschreckend geschrumpft, es waren nur 12 oder 13 Personen anwesend, konkrete Maßnahmen und Projekte wurden an diesem Tag nicht festgelegt.

Alleingang der SPÖ

Das Arbeitspapier der Klimaschutzstrategie, das heißt das Ergebnis von 40 Stunden konsequenter Arbeit im Workshop, habe ich und die anderen Beiräte, aber auch die Vertreter der ÖVP, NEOS und FPÖ bis heute nicht erhalten. Es wurde seit dem zweiten Workshoptag unter Verschluss gehalten und ich weiß als Beirat bis heute nicht, was in diesem Papier steht, obwohl ich daran mitgearbeitet habe.

Alle beim Workshop Anwesenden haben mit viel Herzblut, Leidenschaft, aber auch viel Fachwissen um die Klimakrise, diskutiert, konstruktiv „gestritten“, um Formulierungen gerungen, im vermeintlichen Glauben, dass mit diesem Klimaschutzfahrplan etwas innovatives, zukunftsweisendes für Steyr im Entstehen ist.

Wir wurden, ich wurde letzte Woche im Umweltausschuss jedoch maßlos enttäuscht. Eine substantielle Klimaschutzstrategie für Steyr droht zu scheitern, weil die SPÖ die Diskussion verschlafen hat und daher intern keine Einigung erzielen könnte. Die Klimaschutzstrategie soll nun SPÖ-intern, unter Ausschluss der Beiräte und der anderen Parteien überarbeitet werden.

Zähe Bremser

Umweltschutzstadträtin Katrin Auer (SPÖ), und das möchte ich hier betonen, hat mit großer Leidenschaft an den Workshoptagen mitgearbeitet. So wie ich Frau Auer im Workshop erlebt habe, bin ich mir sicher, dass sie hinter diesem Projekt steht.

Leider gibt es in der SPÖ aber offensichtlich noch immer zähe Bremser, welche die wissenschaftlichen Fakten und die immer deutlicheren Zeichen der Klimakrise nicht wahrhaben wollen und verdrängen.

Da ich annehme, dass vom ambitionierten „Klimaschutzfahrplan Steyr 2040“ nach der Zensur durch die restliche SPÖ-Fraktion nicht viel Substantielles überbleiben wird, möchte ich schon jetzt anmerken:

Liebe SPÖ-Mandatare: Beim Klimathema geht es nicht um Parteipolitik, und es geht auch nicht um das übliche sinnentleerte Parteihickhack. Beim Klimathema geht es schlichtweg um unser aller Überleben auf diesem schönen Planeten. Und das sage nicht ich, das sagen tausende Klimaforscher weltweit, der Weltklimarat (IPCC) und in Österreich unter anderem die Professoren Helga Kromp-Kolb, Reinhard Steurer und Hans-Joachim Schellnhuber, um nur drei zu nennen.

Dem Klimathema stellen

Lassen sie das Klimathema an sich heran, informieren sie sich über den Stand der Klimaforschung, reden sie mit Klimaforschern, verlassen sie ihre ausgetretenen Pfade des Verdrängens, schauen sie über den Tellerrand der Parteigrenzen hinweg und stellen sie sich dem Klimathema.

Wenn nicht sofort entschlossen gehandelt wird, wenn zum Beispiel der CO²-Ausstoß bis 2030 nicht um mindestens 50 Prozent reduziert wird, dann werden auch ihre Kinder und Enkelkinder aufgrund der Erderhitzung in 20 bis 30 Jahren eine dystopische Welt erleben, eine Welt, die für den Menschen nicht mehr lebenswert ist.

Und das sage wieder nicht ich, das sagen wiederum die oben genannten Wissenschaftler.

von Roland Mayr, Steyr

 

 

 


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