Viele offene Fragen für die Bauern
TERNBERG. Die neue Führung der Landwirtschaftskammer mit Präsidentin Michaela Langer-Weninger und Direktor Karl Dietachmair aus Waldneukirchen stellte sich in der Region vor und rief vor allem zum Zusammenhalt unter den Bauern auf.

Seit Ende Juni ist Langer-Weninger als erste Frau an der Spitze der Landwirtschaftskammer Oberösterreich im Amt, beim Informations- und Diskussionsabend im Gasthaus Mandl in Ternberg kam die 40-Jährige gut an. „Wir Bauern müssen für einander einstehen, vor allem auch am Stammtisch und in den Vereinen“, so die Mutter von drei Kindern, die mit ihrem Mann einen Bauernhof am Mondsee bewirtschaftet. Sie lieferte den rund 100 anwesenden Bauern auch etliche Argumente, um für den Berufsstand in der Öffentlichkeit punkten zu können.
Brexit und Klimawandel
Obwohl die Herausforderungen für die Landwirtschaft groß sind, war die Stimmung bei der Versammlung grundsätzlich gut. Die Auswirkungen des Brexit sind noch nicht absehbar, es drohen jedenfalls Kürzungen der EU-Förderungen. „Ohne öffentliche Gelder geht es nicht. Wenn es EU-Kürzungen gibt, erwarten wir uns einen Ausgleich auf nationaler Ebene“, betont Langer-Weninger, die von der künftigen Regierung eine „gute finanzielle Ausstattung für die Landwirtschaft“ fordert. Ein großes Thema in Ternberg war auch der Klimaschutz. „Wir sind die Ersten, die ihn spüren und müssen Teil der Lösung sein“, so die Kammerpräsidentin. Der regionale Einkauf sei der beste Klimaschutz. „Wir müssen natürlich auch schauen, was wir selbst im Einkaufswagerl haben.“
Wirtschaftliche Chance
Dass der Klimawandel aktuell in der Bevölkerung ein großes Thema ist, sei auch eine wirtschaftliche Chance für die heimische Landwirtschaft. „In Sachen Bewusstseinsbildung ist in den letzten zwei Jahren viel weitergegangen. Die Bauern sehen Klimaschutz als mögliche Einkommenschance. So muss es sein“, sagt Eierproduzent und Klimaaktivist Jürgen Hutsteiner aus Steyr. „Ich produziere gerne Lebensmittel, aber nicht um jeden Preis. Ich werde in Zukunft versuchen, beides unter einen Hut zu bringen.“
Wissen, woher es kommt
Um am freien Markt mit regionalen Lebensmitteln gut bestehen zu können, setzt man sich seitens der Landwirtschaftskammer für ganz klare Herkunftsbezeichnungen ein. „Der Konsument muss wissen, woher das Produkt kommt“, betont Langer-Weninger, die mit den Gästen auch die Themen Glyphosat-Verbot, Bio-Weidehaltung und Schädlingsbekämpfung diskutierte.
Moderne Agrarpolitik
Hauptthema von Kammerdirektor Karl Dietachmair war die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union. „Es gibt viele offene Baustellen“, so der Waldneukirchner. „Agrarpolitik findet aber nicht nur am Schreibtisch statt, deshalb gehen wir mit den Veranstaltungen in die Bezirke, um mit den Bauern ins Gespräch zu kommen.“


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