Ein versöhnlicher Zugang zum Begriff Corona
THALHEIM. Kein Lebensbereich blieb oder bleibt von der Corona-Krise verschont. Auch nicht die Musikschulen. In den letzten Wochen versuchten auch hier die Pädagogen, ihren Schülern per Video und Whatsapp zu lernen, wie man Klavier und Co spielt.

Thalheims Musikschuldirektor Wolfgang Reifeneder erkennt als Musiker aber auch eine positive Seite am Begriff Corona. Denn hier gibt es das Ruhezeichen Fermate, früher Corona oder Cornata genannt.
Ein Gastkommentar
„Es ist gar nicht so leicht dem momentan alles dominierenden Begriff Corona zu entfliehen. Und am allerwenigsten in der Öffentlichkeit. Maskierte Menschen prägen das Gesellschaftsbild. Der ohnedies angeordnete Rückzug in seine eigenen vier Wände scheint noch das wirksamste Mittel, wenn man nicht gleich den Fernseher aufdreht. Kurioserweise ist der Begriff Corona in der Musik recht passend für das was uns gerade widerfährt.
Entschleunigung
Corona ist in der italienischen Sprache gleichbedeutend mit ´Fermata` und das ist bekanntlich die Haltestelle. Es gebietet die Musiker zum Anhalten und zwar solange bis jemand das Zeichen zum Weiterspielen gibt. Kaum eine bedeutende Komposition kommt ohne sie aus und sei es auch nur der Schlussakkord. Zufall oder Teil einer übernatürlichen Komposition die wir 2020 noch nicht verstehen? Penibel auskomponiertes Warten? Musiker sagen gern ´das Schwierigste in der Musik sind die Pausen`.
Pausen erzeugen Spannung
Tatsächlich erzeugen Pausen Spannung und Neugier auf das was noch kommt. Und selbst mir als ausgewiesenem Berufsrhythmiker mit pulsierendem Vorleben ist manchmal das Innehalten durchaus sympathisch, mit zunehmendem Alter sogar noch mehr. Stillstand, Klang, Entschleunigung, heraus aus dem Alltagsrhythmus, warten auf den nächsten Einsatz...vielleicht ´meno mosso mit accelerando`?Auch unser sorgsam geplantes Fest anlässlich 30 Jahre Landesmusikschule Thalheim wird heuer von dieser ausgiebigen Fermate mit dem Namen Corona zum Innehalten gezwungen und fast 400 Schüler sowie 21 Lehrer warten geduldig bis jemand den Einsatz gibt. Aber eines ist gewiss, ein Schlussakkord ist das noch lange nicht!“


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