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THALHEIM/OŚWIĘCIM. Dorian Schiffer hat vergangenes Jahr am BG/BRG Brucknerstraße maturiert und sich statt des Wehrdiensts für den Auslandsdienst entschieden.

Dorian Schiffer beim March of the Living mit dem Ehepaar FeingoldFoto: privat
Dorian Schiffer beim March of the Living mit dem Ehepaar FeingoldFoto: privat

Die vergangenen zehn Monate hat der Thalheimer im polnischen 40.000-Einwohner-Städtchen Oświęcim verbracht – in Auschwitz, wie wir hierzulande sagen würden. Aber die Differenzierung ist ganz wichtig, betont Schiffer, denn Stadt und Vernichtungslager, das muss man getrennt sehen.

Täglich konfrontiert

Oświęcim hat Schiffer ganz bewusst für seinen Zivilersatzdienst gewählt, denn „Gedenkdienst – wo sonst?“. „Natürlich kann ich auch Gedenkdienst in New York machen, aber das ist weit weg von dem, worum es wirklich geht“, erklärt der 19-Jährige. „Hier vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht mit dem Geschehenen auseinandersetzen muss.“

Notwendig, zurückzublicken

Der Grund, warum er sich dem stellen will, ist kein persönlicher. „Ich habe keine Opfer und keine Täter in der Familie. Es ist eher ein ideelles Verpflichtungsgefühl“, erklärt Schiffer. Eigentlich glaube er sogar, „dass jeder Österreicher einen persönlichen Hintergrund hat. Es gibt eine kollektive Verantwortung“, ist Schiffer überzeugt und gerade angesichts des aktuellen politischen Klimas sei es notwendig, noch einmal zurückzublicken.

Auschwitz Jewish Center

Der Gedenkdiener tut das seit September tagtäglich bei seiner Arbeit im Auschwitz Jewish Center. Hier will man den Besuchern das Leben der jüdischen Bevölkerung in Oświęcim vor dem Zweiten Weltkrieg begreiflich machen und an die lange jüdische Geschichte von Auschwitz erinnern. Schiffer arbeitet an der Rezeption, der Touristeninformation, im kleinen Café, das zum Museum gehört, und er hält Führungen, die vom Museum und der dazugehörigen Synagoge auch mal zum jüdischen Friedhof und durch die ganze Stadt führen. „Ich bin ein leidenschaftlicher Tourguide geworden“, ist der Thalheimer begeistert, „es gefällt mir, Sachverhalte zu erörtern.“

„Zu wenige Österreicher“

Hauptsächlich tut er das für deutsche Schülergruppen, aber auch Polen. „Es ist komisch, dass so wenige Österreicher kommen“, bedauert der 19-Jährige. „Wien ist nur fünf bis sechs Stunden entfernt und mit einem polnischen Bus kostet das nur zehn Euro.“ Die Begründung, man habe ja Mauthausen, lässt er nicht gelten.

Ungläubiges Staunen

„In Auschwitz ist die Dimension ganz anders, absurd groß“, erzählt Schiffer. Am Anfang habe das alles auch eine morbide Faszination an sich. „Das Stammlager Auschwitz, das kann man gar nicht in Worte fassen. Es ist extrem unwirklich. Es ist ein ungläubiges Staunen“, erinnert sich der Gedenkdiener an seine ersten Eindrücke. „Und wenn man im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ist, wird einem ganz anders. Da ist Stacheldraht bis zum Horizont.“ Rund zwei Millionen Menschen besuchen die Lager jährlich, und Schiffer selbst kann an zwei Händen gar nicht mehr abzählen, wie oft er schon dort war: „Es gibt so viel zu sehen! Man kann Tage dort verbringen.“

Kein Geschichte-Studium

Schiffers Tage in Oświęcim allerdings sind schon gezählt. Am 13. Juli endet seine Wehrpflicht. „Ein, zwei Wochen werde ich noch dortbleiben. Dann Urlaub machen und im Herbst Physik und Philosophie studieren“, lacht Schiffer. Nicht Geschichte – „aber die wird mich sicher nie loslassen!“

Interesse am Auslandsdienst?

Info zum Thema Auslandsdienst unter www.auslandsdienst.at


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