„Polizei ist in Linz-Land besonders gefordert“
LINZ-LAND. Entsprechend dem Landestrend ist auch Linz-Land ein sicherer Bezirk. Das zeigt auch die aktuelle Kriminalitätsstatistik in vielen Bereichen sehr deutlich. Dennoch birgt der Bezirk deutlich mehr Gefahren als andere, sind sich Experten sicher.

Definitiv rückläufig waren im Bezirk laut Wolfgang Höllhuber (Leiter des Referates Kriminaldienst Linz-Land) die Einbrüche in Wohnungen und Wohnhäuser, wohingegen die sonstigen Einbruchszahlen nahezu gleich blieben. Suchtgiftdelikte im Bezirk stiegen im Vergleich zum Vorjahr an. Insgesamt waren im Bezirk Linz-Land im Jahr 2016 um 1,7 Prozent mehr angezeigte Delikte zu verzeichnen. Dem gegenüber steht eine deutliche Steigerung bei der Aufklärung aller Delikte um 13,8 Prozent. Auch den Vergleich zu anderen Bezirken braucht Linz-Land nicht zu scheuen: „Die Aufklärungsquote gehört zu den höchsten im Bundesland und ist unter anderem auf eine hervorragende Tatortarbeit und Spurensicherung zurückzuführen“, so Höllhuber.
Präventionsmaßnahmen
Zudem würden laut Höllhuber zur Sicherheit im Bezirk ebenfalls die zahlreichen Präventionstätigkeiten speziell geschulter Beamter beitragen. 2016 waren es 223 Vorträge und Beratungen für die Bereiche Eigentum, Gewalt, Suchtgift und Gewalt in der Familie. Unterstützt werden die Maßnahmen vom Land OÖ. „Sensibilisierungsmaßnahmen in den Gemeinden kosten nicht allzuviel Geld, führen aber zu erhöhter Aufmerksamkeit“, so Sicherheitssprecher und Bezirksparteiobmann Wolfgang Stanek (ÖVP).
Polizei klagt über Personalmangel
Dennoch, so Stanek, lässt sich die derzeit angespannte Situation nicht schönreden: „Der akute Personalmangel bei der Polizei stellt enorme Sicherheitseinschränkungen dar. Doch gerade im Bezirk Linz-Land ist die Polizei besonders gefordert. Wir haben nach Linz die meisten Einwohner im Bezirk und haben zudem eine sehr günstige Verkehrsanbindung, was leider auch zu einem erhöhten Kriminalitätsaufkommen führt“, beklagt der Landtagsabgeordnete. Stanek setzt sich schon lange für einen Karenz-Pool bei der Polizei und somit für klarere Strukturen im Personalmanagement der Bundesbeamten ein.
„Zwar hat der Bund mehr Personal durch Neuaufnahmen von Polizisten zugesagt. Doch durch Abkommandierungen in ein anderes Bundesland und Beamte, die in Karenz oder in Pension gehen, fallen auch wieder welche weg. Rein rechnerisch ist es bis 2019 ein Nullsummenspiel“, so Stanek. Mehr Personal sei daher dringend notwendig. „Definitiv haben wir zu wenig Leute in unseren Polizeiinspektionen. Wir haben einen gewissen Grundauftrag und für die Beamten ist das eine extreme Mehrbelastung, zumal die Delikte insgesamt nicht weniger werden“, sagt auch Höllhuber.
Lage in ganz OÖ prekär
Nur 3111,3 Vollzeit-Polizeikräfte bei 3446 vorgesehenen Dienstposten – eine parlamentarische Anfragebeantwortung durch das Innenministerium zeigt eine klaffende Personallücke bei Oberösterreichs Polizei auf. SPÖ-Landtagsklub und Polizeigewerkschaft fordern, dass alleine heuer 200 Polizeischüler aufgenommen werden müssen. SPÖ-Sicherheitssprecher Hermann Krenn betont, dass fast in allen Bezirken des Landes Polizisten abgehen würden.
Städte wie Linz (80 fehlende Posten) oder Steyr (20) haben dabei besonders Handlungsbedarf. 350 finanzierte Dienstposten nicht besetzt – für den SPÖ-Landtagsclub ist Handlungsbedarf gegeben: „Natürlich geht die Nachbesetzung nicht von heute auf morgen, aber vor allem bei den Neuaufnahmen muss zugelegt werden, alleine in diesem Jahr müssen noch mindestens 200 Polizeischüler aufgenommen werden. Dies über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren fortzusetzen, würde die Abgänge ausgleichen und wirklich den Personalstand aufstocken“, so SPÖ-Klubvorsitzender Christian Makor und Norbert Höpoltseder von der Polizeigewerkschaft FSG.
Ein Grund für den Personalmangel ist die Polizeiarbeit selbst, die ständig im Wandel ist. „Spezialisierte Einheiten werden zunehmend benötigt, wie etwa eine neue Einheit, die in Linz mit 80 Mann im Juli starten soll. Doch diese dienstzugeteilten Spezialisten behalten in vielen Fällen den Dienstposten auf der Polizeiinspektion bei und können deshalb nicht nachbesetzt werden“, so Hermann Krenn.
Generationenwechsel
Eine ähnliche Herausforderung besteht beim nötigen Generationenwechsel: Für neu auszubildende Polizeischülerinnen und Polizeischüler gibt es keine eigenen Ausbildungsplanstellen. Diese müssen auf Basis des bestehenden Dienstpostenangebotes eingegliedert werden – auch in der Ausbildungszeit, in der sie natürlich noch nicht voll einsetzbar sind.


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