Buch über Hintergründe des „Tanzlehrerinnenmordes “ von Gmunden
ZELL AM MOOS/GMUNDEN. Mit seinem neuen Buch will der renommierte Publizist Norbert Blaichinger (64) aus Zell am Moos aufzeigen, warum die Verurteilung im Fall des Tanzlehrerinnenmordes im Jahr 2013 in Gmunden einer dringenden Neuaufnahme des Prozesses bedarf.

Blaichinger hatte zuletzt in seinem Buch „Die Tote im Mondsee“ über die 1986 ermordete Martina Posch für Aufsehen gesorgt. Jetzt wurde er vom Personenkomitee des Verurteilten engagiert, um allen Ungereimtheiten bei den polizeilichen und bei dessen gerichtlicher Verurteilung nachzugehen. „Im Prinzip ist es ein Fall, der geradezu nach einer Wiederaufnahme schreit“, sagt Blaichinger. Er will sich in die Sache vertiefen, „soweit es nur irgendwie möglich ist“. Er will nach neuen Zeugen suchen, auch jene nochmals befragen, deren Aussagen nicht bei Gericht gelandet sind. „Ich will nicht sagen, dass Helmut S. unschuldig ist, aber viele Ungereimtheiten sprechen eindeutig für seine Unschuld. Und das sollte die Bevölkerung wissen“, so der Zell am Mooser.
Versäumnisse
Publizist Blaichinger geht davon aus, dass seine Recherchen auf breites Interesse in der Bevölkerung stoßen wird. „Das beginnt bei dem Umstand, dass die Tatwaffe der Pokal war und nicht ein oder zwei Schläge gegen den Körper der Frau S, dass etliche positive Zeugenaussagen zugunsten des Helmut S. dem Gericht nicht vorgelegt wurden bis hin zur Missinterpretation des Tagebuches der Frau S. und der mangelnden Beachtung einer Aussage des behandelnden Arztes der Frau S., der keine Vergewaltigungsspuren feststellen konnte.“
S. wurde wegen Vergewaltigung und versuchten Mordes durch Unterlassung der Hilfeleistung zu 20 Jahren Haft verurteilt. Insgesamt handle es sich um einen Prozess, der unbedingt einer Wiederholung bedarf, weil er für den Beobachter nicht als fair qualifiziert werden kann, meint Blaichinger. Sein neues Buch soll im Juni 2022 erscheinen.
Rückblick
Der Mordfall sorgte österreichweit für Entsetzen: In der Nacht auf den 7. Juli 2013 waren das spätere Opfer und der Täter im Tennisklub bei einer Feier. Zwei Tage später wurde die Frau schwer verletzt in ihrem Garten gefunden. Sie starb wenige Tage später an den schweren Schädelverletzungen, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Rasch verhaftete die Polizei den Tatverdächtigen. Dieser gab an, das spätere Opfer von einer Feier des Tennisclubs nach Hause gebracht und mit ihr einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, leugnete aber den Mord.


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