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SCHÖRFLING/A. Kürzlich verstarb Günter Brus (1938-2024). Er war einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler Österreichs. Petra Seiser von der gleichnamigen Galerie in Schörfling kannte Brus gut und zeigte erst 2023 Werke von ihm. Sie beschreibt Brus als eine herausragende Persönlichkeit, die die Kunstgeschichte maßgeblich mitgeprägt hat.

Werk von Günter Brus: 2. Abendlied aus „Die vier Abendlieder", 1978, Mischtechnik auf Papier, 5-seitige Bild-Dichtung (Ausschnitt) (Foto: Galerie Seiser)

„Günter Brus war ein Künstler mit großer, obsessiver Intensität, ohne Begrenzung und außerhalb von Normen. Für mich war es Inspiration und vor allem ein Geschenk, jahrelang mit ihm zusammen zu arbeiten“, so Petra Seiser. Günter Brus gilt als Pionier der Bodyart, er begründete die radikale Körperform, in Aktionen wie die „Selbstbemalung“ bis hin zur „Selbstverstrickung“. Im „Wiener Spaziergang“ wird er zum lebendigen Bild. Brus bezeichnet 1965 die Selbstbemalung mit weißer Farbe als „Selbstentleibung“, als „Selbstentfleckung - bewältigte Selbstverstümmelung“, seinen Körper als „Absicht, als Ereignis, als Ergebnis.“ Er löst sich von der Leinwand, sein Körper wird zum Material. Die erste Aktion „Ana“ fand 1965 statt, die letzte, die „Zerreissprobe“ 1970 in München.

Tabuthemen mit Konfliktpotential

Günter Brus wird 1938 in der Steiermark geboren, er besucht die Kunstgewerbeschule in Graz und anschließend die Klasse für Gebrauchtgrafik an der Akademie für angewandte Kunst in Wien. Beeinflusst wurde er durch die österreichische Kunst der Jahrhundertwende, wie Richard Gerstl, Egon Schiele und Oskar Kokoschka, die auch Tabuthemen aufgriffen und dadurch in Konflikt mit dem staatlichen System kamen. Es gab in Österreich 1968 keine Demonstrationen, keine Studentenbewegungen, umso intensiver waren die künstlerischen Proteste. Der Wiener Aktionismus ist eine der bedeutendsten Kunstrichtungen ab 1945. Durch den Einbezug des menschlichen Körpers wurde er eine sehr radikale Bewegung. Für Günter Brus war die „Univerkelei“ von 1968 aber mehr ein Protest, als künstlerische Aktion. Er sieht sich zehn Jahre später selbst als Opfer, als Opfer des österreichischen Staates, des Systems. Zu dieser Zeit lebte er unter schwierigsten Bedingungen im deutschen Exil und kämpfte um Anerkennung, auch als Künstler.

Erst in den frühen 1980er Jahren kam es zu einem gesellschaftlichen Umdenken, auch zu einer Anbindung der österreichischen Kunstszene zum internationalen Kulturbetrieb. Zu einem gewissen Teil hat der Wiener Aktionismus auch zu einem gesellschaftlichen Umdenken in Österreich geführt. Diese neue Offenheit hat einen Wertewandel bewirkt. In den Nachkriegsjahren gab es keine intensive Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit in Österreich, einige Künstler hatten auch persönliche Verflechtungen und Schicksale in dieser Hinsicht. Günter Brus war sieben Jahre lang Aktivist und über Jahrzehnte Bild-Dichter, Zeichner, er hat ein sehr poetisches Werk hinterlassen. Günter Brus hat die europäische Kunstgeschichte beeinflusst.

Spätwerk war am Attersee zu sehen

Petra Seiser: „In der Corona Pandemie ist ein großartiges Spätwerk entstanden, Tuschearbeiten auf Papier, Einzelblätter, Bild-Dichtungen, die auch in der aktuellen, sehr guten Ausstellung im Kunsthaus Bregenz zu sehen sind. In der Galerie am Attersee zeigte ich im Frühjahr 2023 einige dieser Werke, Roman Grabner, der Leiter des Bruseum in Graz hat die Ausstellung eröffnet, Günter Brus war mit seiner Familie anwesend.“

 


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