Yoga ist mein Leben
WAIDHOFEN/THAYA. Heike-Marie Tuider liebt Yoga. Seit Jahren praktiziert und übt sie für sich selbst und gibt ihre Erfahrungen und ihr Wissen auch an andere Menschen weiter. Tips erhielt einen interessanten Einblick in eine uralte Lebensphilosophie, die auch ein moderner Lebensweg sein kann.
von ERICH SCHACHERL

Mit einem strahlenden Lächeln öffnet Heike-Marie Tuider die Haustür und bittet mich hinein. Sie führt mich in einen stimmungsvollen Raum, wo wir uns über ihre Leidenschaft Yoga unterhalten. Heike wirkt entspannt und ruhig, ganz in ihrer Mitte und bei sich selbst. Eben erst nach einem Aufenthalt in Indien nach Österreich zurückgekehrt, spürt sie die Nachwirkungen der langen Reise zwar noch ein wenig, aber sie hat drei Wochen intensives Praktizieren von Yoga in einem spirituellen Zentrum in Indien hinter sich und ist deshalb richtig gut drauf.
Yoga ist zu ihr gekommen
Vor etwa zehn Jahren hat ihr Weg zum Yoga begonnen. In einer schwierigen Lebenssituation „ist irgendwie ein Buch über Yoga zu mir gekommen“, erinnert sie sich. Heike begann darin zu lesen, die eine oder andere Körperübung auszuprobieren und näherte sich so dem Thema langsam an. „Hin und wieder hab` ich ein bisserl Yoga gemacht“, schildert sie, nicht sehr intensiv, aber zumindest soviel, dass sie bald schon merkte, dass ihr die Körperübungen, das bewusste Atmen und die Meditation gut tun. „So habe ich entdeckt, dass Yoga mir hilft, wenn es mir nicht gut geht, dass es mich zu mir selbst bringt, mir Kraft und Energie gibt“, erzählt sie. In Heike entstand der Wunsch, tiefer einzutauchen: „Ich wollte einen Kurs besuchen, Yoga ordentlich und unter Anleitung eines Trainers lernen“. Die erste Kurserfahrung war dann allerdings nicht so positiv: „Ich habe mich damals irgendwie nicht wohlgefühlt. Die Anleitungen haben in der Form scheinbar für mich nicht gepasst.“ Sie machte vorerst bei sich Daheim alleine weiter.
Gemeinsam mit ihrem Mann
Erst durch ihren Mann Ronald kam die Inspiration, regelmäßig Yoga zu üben und noch mehr darüber zu erfahren. So kam es, dass die beiden eineinhalb Jahre lang gemeinsam praktizierten, sie nahmen erste Stunden bei einer Yoga-Lehrerin und fuhren nach Deutschland in einen Ashram (Meditationszentrum). „Das war wirklich sehr intensiv“, denkt Heike freudig an diese Zeit zurück. Dann schlug Ronald vor, doch eine Ausbildung zum Yoga-Lehrer zu machen, „nicht mit dem vorrangigen Ziel, Yoga an andere zu vermitteln, sondern die eigene Praxis zu stärken und mit mehr Wissen richtig vorzugehen“. Die Idee gefiel Heike, es folgte ein Jahr Ausbildung in einem Yogazentrum in Wien.
Ganzheitliche Lehre
Ein Lehrbuch beschreibt Yoga als indische, philosphische Lehre, die eine Reihe körperlicher und geistiger Übungen umfasst. Es geht um die Vereinigung des Körpers mit der Seele zur Sammlung und Konzentration bzw. um das Einswerden mit dem Bewusstsein. Yoga ist ein Weg der Selbsterkenntnis. In Heikes Worten wird klarer, was damit gemeint ist: „Ziel von Yoga ist es, Körper, Geist und Seele zu verbinden, zur Einheit zu führen und das Egobewusstsein mit all seinen Begrenzungen aufzulösen. Der Geist soll konzentriert und bewußt gesteuert werden und nicht aus eigener Laune heraus von Gedanke zu Gedanke springen. Für mich ist Yoga aber nicht nur Körperübungen, Atemübungen und Meditation, sondern auch wie ich lebe, mich ernähre, auf mich schaue und so weiter. Es ist eine Lebenseinstellung“.
„Integrales Yoga“ wie es Heike praktiziert und in Kursen oder Einzelsitzungen anbietet, ist eine Verknüpfung verschiedener Yogalehren. Heike klärt auf: „Yoga ist ja nur ein Überbegriff. Es gibt viele Yogarichtungen. Ich habe beispielsweise mit dem „Sivananda-Yoga“ begonnen, später dann weitere Richtungen wie etwa „Yin-Yoga“ oder „Flow-Yoga“ für mich entdeckt. Ich hole für mein Yoga aus unterschiedlichen Wegen das heraus, was passt, daraus wird für mich mein ganzheitliches Yoga“.
Einfühlungsvermögen
Noch während der Ausbildung in der Stadt erhielt Heike einen Wink vom Leben. Ihre Ausbildnerin bot ihr an, im Yogastudio in Wien zu unterrichten, weil sie das besondere Talent von Heike erkannte. „ Ich habe das Angebot angenommen. Prinzipiell glaube ich, dass Dinge ins Leben eines Menschen kommen, wenn sie wichtig sind und gebraucht werden“, erzählt sie. Nicht nur in Wien startete sie damit, andere Menschen Yoga näher zu bringen, auch in Waidhofen. Ihr Talent liegt darin, dass sie sich gut in Gruppen einfühlen kann und spürt, was die Menschen brauchen. Heike dazu: „Mir ist sehr wichtig, dass meine Yoga-Schüler zuerst bei sich ankommen, dass sie sich spüren, dass alles im Außen unwichtig wird, dass es nur um sie selbst geht“. Das vermittelt sie neben den Körperübungen (Asanas), Atemübungen (Pranayama) und unterschiedlichen Entspannungs- und Meditationstechniken. Sie fügt hinzu: „Ich versuche die Menschen auch dazu zu animieren, Yoga Zuhause zu praktizieren. Das kann jeder tun. Oder auch während der Arbeit sich kurz Zeit zu nehmen, inne zu halten und bewusst einige Atemzüge zu nehmen. Es geht um Bewusstwerdung, um Achtsamkeit jederzeit für sich selbst“.
Wirkungsweise
Yoga wirkt auf allen Ebenen (körperlich, seelisch, geistig, emotionell), „Yoga wirkt sogar, wenn man nicht daran glaubt“, ergänzt Heike lächelnd. Und spricht weiter mit Begeisterung darüber, was durch die regelmäßige Praxis möglich ist: „Körperlich kann Yoga zur Verbesserung der Widerstandskraft und des Allgemeinbefindens führen, chronische Erkrankungen können vermindert werden, das Körperbewusstsein erhöht sich, Kraft und Beweglichkeit werden verbessert, der Energiefluss im Körper wird verbessert und es hilft die Fähigkeit zu entwickeln, loszulassen und zu entspannen. Auf der geistigen Ebene verbessert sich die Konzentrationsfähigkeit, die Merkfähigkeit, das Denken wird klarer und strukturierter, man wird achtsamer und aufmerksamer. Psychisch bringt Yoga ein besseres Selbstbewusstsein, der Umgang mit Stress wird lockerer, man wird gelassener und ausgeglichener, innerer Frieden und innere Harmonie entwickeln sich“. Und noch mehr.
Yoga kann auch praktiziert werden, wenn man körperlich nicht ganz fit ist. Heike: „Natürlich geht das. Bei akuten Beschwerden wie etwa nach einem Bandscheibenvorfall oder kurz nach einer Operation sind Yoga-Asanas nicht anzuraten. Da braucht der Körper einfach den Heilungsprozess. Aber bei Beschwerden wie etwa leichten Wirbelsäulenproblemen, kann Yoga gut helfen. Da haben wir in der Gruppe und im Einzelunterricht miteinander schon sehr gute Resultate erarbeitet“.
Yoga ist gut für alle
Die Besucher ihrer Yogastunden kommen aus fast allen Altersgruppen, vom Jugendlichen bis zum Pensionisten. Heike ist sich sicher, dass jeder Mensch Yoga praktizieren kann und zwar auf seine ganz persönliche Art und Weise. Wer ausreichend lang regelmäßig praktiziert, dem kann es bald schon so ergehen, wie der Trainerin, die jeden Tag am Morgen ihre tägliche Einheit Yoga genießt: „Das ist meine Zeit, meine Kraftquelle, das brauche ich“, schwärmt sie begeistert.
Yoga ist an keine Religion gebunden
Wichtig ist ihr auch, mit einem weit verbreiteten falschen Wissen aufzuräumen: „Viele Leute glauben, dass Yoga Buddhismus oder Hinduismus ist, weil es traditionell aus Indien stammt. Dabei ist Yoga an keine Religion gebunden, es wird auf der ganzen Welt von Menschen aller Glaubensrichtungen und auch Menschen ohne den Glauben an eine Religion praktiziert“.
Web: www.yogaimpulse.at


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