Verein Filmzuckerl präsentiert "Inland"
WAIDHOFEN/YBBS. Der Verein Filmzuckerl zeigt in Kooperation mit den mundART-tagen am Dienstag, 17. September, um 19.30 Uhr „Inland“.

Der Dokumentarfilm begleitet drei FPÖ-Fans vor und nach der Nationalratswahl 2017 in Österreich: Eine Kellnerin, einen Arbeitslosen und einen kleinen Beamten. In roten Arbeiterfamilien sozialisiert, setzen sie jetzt ihre Hoffnungen auf die FPÖ. Alle drei haben großes Unbehagen gegenüber „den Ausländern“. Gleichzeitig sehnen sie sich nach einem besseren Leben für „die kleinen Leute“. Der neue Film von Ulli Gladik (“Global Shopping Village“) gibt intime Einblicke in ihre Probleme, Ängste und Gesinnungen und zeichnet so ein Bild einer sich im Umbruch befindenden Gesellschaft.
Regiestatement von Gladik
„Im Herbst 2015 besuchte ich für eine Reportage für den Augustin die Wiener Wahlsprengel mit der höchsten FPÖ-Wählerschaft und der höchsten Grün-Wählerschaft. Mich interessierte vor allem die Frage, welche Themen es sind, die bei Menschen die Bereitschaft erzeugen, einer Partei ihre Stimme zu geben. Durch diese Gespräche wurden mir die kulturellen und ökonomischen Unterschiede in Wien bewusst. Vor allem jene Gesprächspartner, die angaben, die FPÖ zuwählen, hatten ein starkes Misstrauen gegenüber Politik. Das Thema Flucht und Migration stand für sie im Vordergrund. Erzählt wurde dabei oft nicht aus persönlicher Erfahrung, sondern von Berichten aus den Medien. Spannender dabei war aber vor allem, wenn meine Gesprächspartner von ihrer persönlichen Situation erzählten: Von Geldnöten, der Angst den Job zu verlieren, der Angst vor gesellschaftlichem Abstieg, psychischen oder physischen Belastungen und Erkrankungen, (familiären) Gewalterfahrungen, Diskriminierungserfahrungen, Stress und Druck am Arbeitsplatz, mangelnder Solidarität und Nachbarschaftshilfe und der sich für sie viel zu rasch verändernden Gesellschaft. Natürlich war es nicht immer so, dass Menschen, die unter beschriebenen Problemen leiden, automatisch die FPÖ wählen. Selbstverständlich sind ökonomische und soziale Probleme nicht zwingend Voraussetzung für eine Affinität zu einer rechten Partei. Ich fand aber immer wieder ähnliche Problemlagen, die verbunden mit bestimmten Denkmustern eine gewisse Bereitschaft zu schaffen scheinen, einer autoritär agierenden Partei zu folgen. Ich fasste schließlich den Entschluss, mich in meinem neuen Dokumentarfilm Sympathisanten der FPÖ zu widmen. Ausschlaggebend dafür war die Bundespräsidentschaftswahl im Jahr 2016, die Österreich in zwei Lager zu spalten schien. Meine Intention war es, diese Spaltung zu überwinden und Menschen auf Augenhöhe und mit Respekt zu begegnen, um mit ihnen über ihr Leben und ihre Sicht auf Politik und Gesellschaft zu sprechen. Die Dreharbeiten fanden von Mai 2017 bis Oktober 2018 in Wien statt.“
Kritiken und Meinungen
„Ein Diskurs auf Augenhöhe – das ist die große Kunst von Ulli Gladiks 'Inland', einem Highlight der diesjährigen Diagonale“, meint FM4. “Ein tiefer Blick in die Seele der Enttäuschten“, schreibt die Kleine Zeitung. “Eine aufschlussreiche Zustandsbeschreibung der österreichischen Gesellschaft und ein wertvoller Beitrag zum Verständnis populistischer Mechanismen. Ein Höhepunkt der Diagonale“, sagte Film Plus Kritik. “Es lohnte sich für manchen SPÖ-Funktionär, sich diesen Film nicht nur anzuschauen, sondern auch zu Herzen zu nehmen“, findet Drehpunkt Kultur.


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