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Facebook-Post einer jungen Welserin rüttelt auf: „Es ist demütigend“

Gerald Nowak, 30.03.2018 11:43

WELS. Der Post von Juli Martin (richtiger Name der Redaktion bekannt) ist hundertfach kommentiert und geteilt worden. Bei einer Filiale einer Kosmetikkette im Zentrum musste die Welserin dringend auf die Toilette, Mitarbeiter verweigerten ihr mangels designierter Kundentoilette jedoch den Zutritt zum Personalklo. Die Geschichte dahinter: Juli leidet unter Multipler Sklerose mit häufiger Blasenspastik und zusätzlich unter Reizdarmsyndrom.

Juli Martin sprach mit Tips Redakteur Gerald Nowak
Juli Martin sprach mit Tips Redakteur Gerald Nowak

„Ich will mit meiner Kritik für mehr Bewusstsein sorgen, dass es für manche Menschen nicht so einfach ist ihre natürlichen Bedürfnisse lange aufzuschieben. Es gibt Krankheiten, körperliche Beeinträchtigungen. Nur die Wenigsten fragen in einem Geschäft aus Spaß, ob sie auf die Toilette dürfen“. Mit dem Facebook Post hat sie ihrem Ärger Luft gemacht.

Persönliche Entschuldigung

„Ich muss mich auch ganz herzlich bei dem Regionalleiter der Kette bedanken. Er hat mich angerufen und sich persönlich bei mir entschuldigt. Der Fehler läge laut seiner Aussage ganz klar bei ihnen und die Mitarbeiter aller Filialen werden nochmals deutlich angewiesen, Kunden künftig auf die Toiletten gehen zu lassen“.

„Toilet Mapping“

Das ist eben nur eine Seite der Geschichte. Das Problem ist die Beeinträchtigung durch die MS und das Reizdarmsyndrom: „Wenn ich den Drang verspüre auf die Toilette zu gehen, dann habe ich nur wenige Minuten Zeit. Mit meiner Gehbehinderung ist es zusätzlich schwierig weite Strecken bis zur nächsten öffentlichen Toilette zu gehen“, sagt die zweifache Mutter: „Selbst unsere Familienausflüge planen wir nicht ohne vorab zu checken, ob und wo man dort auf´s Klos gehen kann - im Fachjargon „Toilet Mapping“ genannt. Wo gibt es ein öffentliches WC dort wo wir hinwollen. Wie weit muss ich gehen? Auch Reservewäsche und Inkontinenzeinlagen beruhigen nur bedingt, wer will solche Notfallvorsorge schon notwendig werden lassen?“.

Lebensmittel und Kosmetikartikel kauft Juli Martin nur in bestimmten Geschäften ein: „Ich gehe normalerweise nur noch in Geschäfte die barrierefrei sind und wo ich aus Erfahrung weiß, dass man mich im Notfall auf die Toilette lassen würde. Die meisten Dinge kaufe ich aber mittlerweile nur noch online“.

„Durch alle Branchen“

Sie schildert, dass es sehr erniedrigend und demütigend ist, wenn einem der Zugang zur Toilette verwehrt wird. „Sehr oft sind die Mitarbeiter sehr nett und helfen wenn man ein Klo braucht. Aber es gibt eben auch Situationen, wo einem nicht erlaubt wird die Personaltoilette zu nutzen, wo man einfach weggeschickt wird. Das zieht sich durch alle Branchen durch. Es geht mir bei dieser Bewusstmachung auch gar nicht so sehr nur um meine eigenen Krankheiten. Fast jeder Mensch kennt Situationen in seinem Leben wo es  schnell gehen muss: Schwangerschaften, Blasenentzündungen, akuter Magen-Darm, entzündliche Darmerkrankungen oder einfach nur eine in die Jahre gekommene Prostat Ich stelle die Frage, ob es immer erst notwendig sein muss den Mitarbeitern seine Leiden offenlegen zu müssen oder gar den Behindertenausweis zu zücken, bloß um auf´s Klo gehen zu dürfen“.

Öffentliche WC´s in Wels

Es bleibt auch die Bitte an die Politik vor allem in Wels die öffentlichen WC Anlagen zahlenmäßig aufzustocken und behindertenfreundlicher zu gestalten. Die „Euro-Keys“ funktionieren nicht und die Infrastruktur ist schlecht. „Da ist noch viel Nachholbedarf in der Stadt“. Sie will sich für das Thema einsetzen und für mehr Bewusstsein in punkto Barrierefreiheit sorgen: „Mit Rollatoren, Rollstühlen oder auch Kinderwägen ist es sehr schwierig in der Stadt und in einigen Amtsgebäuden“.

Viele Kommentare

Was bleibt ist auch sehr viel Positives: „Die hunderten Kommentare unter meinem Posting sind mir teilweise sehr ans Herz gegangen und haben mir gezeigt, dass ich mit meinem Problem nicht alleine bin, sondern es scheinbar sogar noch viel mehr Leute betrifft, als ich gedacht hätte. Daher mein Appell an alle Einzelhändler: Bitte lassen Sie die Menschen Ihre Toiletten benutzen“.


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