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WELS/IZMIR. Sie sei Mitglied einer terroristischen Organisation und Obfrau der PKK in Österreich – mit dieser Begründung wurde die Welserin Hülya Ylmaz 71 Tage lang in der Türkei festgehalten. Unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Thomas Rammerstorfer lud zu einer Pressekonferenz mit der in der Türkei inhaftierten Welserin Hülya Yilmaz.

Die 48-Jährige, die seit 1993 in Österreich lebt und seit 2003 die Staatsbürgerschaft besitzt, war am 12. August zu ihrer kranken Mutter nach Izmir gereist. „In der Türkei ist es üblich, Angehörige im Krankenhaus zu begleiten“, erklärt Ylmaz, dass sie ihre Zeit nur im Krankenhaus verbracht hat. Bei der Heimreise wurde sie am Flughafen von zivilen Polizisten festgenommen. Die türkische Polizei habe am 5. September einen Anruf aus Wels mit den Anschuldigungen erhalten. Drei Tage war Ylmaz in U-Haft, wurde verhört und befragt, ob sie während ihres Aufenthaltes Geld für die PKK gesammelt habe. Ylmaz Töchter durften ausreisen. 

„Eine große Terroristin“

Tatsächlich glaubten die türkischen Behörden, einen großen Fang gemacht zu haben. Acht Personen waren bei der Welserin in der Zelle. „Die waren richtig glücklich, dass sie so eine große Terroristin gefangen hatten“, berichtet Thomas Rammerstorfer von den Welser Grünen, der bei einer Pressekonferenz über die Ereignisse informierte. „Manche Polizisten waren sogar von anderen Dienststellen gekommen, um sie zu sehen“, erzählt Rammerstorfer für Ylmaz. 

Einzelhaft und Handschellen

Nach ihrer vermeintlichen Freilassung ging es allerdings nicht wie erwartet zum Flughafen, sondern für sechs Monate in ein Rückführungszentrum, wo die Türkei Ausländer inhaftiert, die sie abschieben will. Die Bedingungen dort sind bedeutend schlechter als in normalen, türkischen Gefängnissen. Mit 1.200 Personen war das Zentrum heillose überfüllt.

„Es gibt dort keine Hygiene“, erzählt Ylmaz, die kurdische Wurzeln hat. „Ich hatte keine Bettdecke, nur eine schmutzige Matratze. Es gibt keine Medikamente, kein warmes Wasser und keine Milch für die Kinder“, berichtet die Frau, die gerade erst Krebs hatte und selbst dringend Medikamente benötigt hätte. Zwei Mal war sie ein paar Tage in Einzelhaft, von den Handschellen hatte sie geschwollene Hände und Entzündungen.

Ein Anwalt, den ihre Eltern besorgt hatten, setzte sich für die Welserin ein. Von der österreichischen Botschaft gab es keinen Versuch der Kontaktaufnahme. Erst nach ihrer Entlassung, die völlig überraschend vorzeitig nach 71 Tagen kam.

Nicht politisch engagiert

Doch vorbei war der Alptraum für die Kindergartenhelferin auch in der Heimat nicht. Kurz nach ihrer Rückkehr wurde Ylmaz vom Landesamt Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung 3,5 Stunden einvernommen. Vorwurf: Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. – Ein Verdacht, der in keinster Weise bestätigt wurde.

„Es war kein Unterschied zwischen den türkischen und österreichischen Polizisten. Sie haben genau dieselben Fragen gestellt“, bedauert Ylmaz die sich noch nie politisch betätigt hat. „Ich bin überall dort, wo es um Menschenrechte und Rechte für Frauen geht“, erklärt die gezeichnete Welserin, die gelegentlich den mesopotamischen Kulturverein besucht. Bei Demonstrationen gegen den türkischen Präsidenten Erdogan war sie zwar, allerdings immer als Ordner, „weil ich keinen Streit will“.

Ein Jahr lang darf die Welserin nun nicht in die Türkei einreisen – will sie aber auch nicht, außer sie muss zu ihren Eltern, aber: „Es ist ganz gefährlich, man weiß nicht, was wann passiert“.

Rammerstorfer unterstützt Ylmaz

Rammerstorfer kennt Ylmaz seit langem und unterstützt sie. Über die Geschehnisse ist er entsetzt: „Nicht einmal die türkischen Behörden haben etwas gefunden. Den Kriminalisierungsversuch der österreichischen Behörden finde ich zutiefst widerwärtig“, so Rammerstorfer. Auch, dass sich - trotz mehrerer österreichischer Konsulate in der Türkei - niemand von der österreichischen Vertretung um die Welserin gekümmert hat, wundert den Autor des Buches „Graue Wölfe: Türkische Rechtsextreme und ihr Einfluss in Deutschland und Österreich“. 

Ylmaz leidet nach ihrer Freilassung Ende November noch sichtlich unter den Folgen und kann auch nur eingeschränkt arbeiten. Nachdem sie einen Termin beim Psychologen erst Ende Jänner bekommt, wird sie vorerst mit der Krisenhilfe versuchen, das Erlebte aufzuarbeiten. 

Fünf Österreicher in der Türkei in Haft

Während ihrer Zeit im türkischen Gefängnis hat die Welserin auch andere in der Türkei inhaftierte Österreicher gesehen. Derzeit befinden sich fünf österreichische Staatsbürger aus politischen Gründen in der Türkei in Haft. Neben dem Journalisten Max Zirngast, sind das eine Mutter und ihre beiden Töchter aus Wien, sowie ein Linzer Unternehmer.  

Mindestens ein weiterer Österreicher ist von einem Ausreiseverbot betroffen. Zahlreiche haben Einreiseverbot. 

Aus dem deutlich größeren Deutschland sind ebenfalls fünf Staatsbürger in türkischer Haft.  


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