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WELS. Die Forschung hat neue Erkenntnisse über  ein kurzfristig in der Stadt bestehendes Konzentrationslager im Frühjahr 1945 gebracht. In der Reichsnährstandshalle (jetzt Rotax-Halle und vormals Halle der Nationen) waren von 25. März bis 13. April 1945 2.000 Häftlinge untergebracht. In Erinnerung an die getöteten und verstorbenen Menschen wird im Frühjahr 2020 ein Gedenkstein errichtet.

Bürgermeister Andreas Rabl (FP) und Messepräsident Hermann Wimmer beim künftigen Gedenkort. Foto: Stadt

Der Park beim Eingang Tierpark/Sicherheitszentrum wird dafür genutzt. „Dieser Platz ist mehr als würdig“, sagt Messepräsident Hermann Wimmer bei einer gemeinsam Pressekonferenz mit Bürgermeister Andreas Rabl (FP): „Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass das offizielle Gedenken der Stadt dann an diesem Ort stattfinden wird. Für eine Erinnerungskultur braucht es diese offizielle Veranstaltung der Stadt und nicht die eines Vereines. Denn es ist unsere Pflicht an einem Ort wie diesen an die Geschehnisse von damals zu erinnern“.

Wissenschaftlicher Aufsatz

Neue Erkenntnisse über dieses kurzfristig im Frühjahr 1945 in Wels bestehendes KZ-Lager bringt ein Aufsatz des oberösterreichischen Historikers Univ.-Doz. Dr. Florian Freund. Der Beitrag ist Teil des im kommenden Jahr erscheinenden vierten Bandes der Buchreihe Nationalsozialismus in Wels. Über das Bestehen des Lagers II gab es keine Zweifel. Nur der Standort war nicht bekannt. Ein Zeitzeuge gab den entscheidenden Hinweis, dass es sich um die Reichsnährstandshalle handelte.

Rückblick

Am 25. März 1945 kamen 1.000 Häftlinge aus Mauthausen nach Wels und einen Tag später noch einmal 1.000 Menschen aus Ebensee. Sie mussten in Tag und Nachtschichten Aufräumarbeiten beim schwer bombardierten Bahnhof ausführen. Die Häftlinge mussten trotz des vorherrschenden nasskalten Wetters nur mit einem dünnen Anzug bekleidet Arbeiten im Freien verrichten. Der Austausch von 400 kranken durch 400 arbeitsfähige Häftlinge aus Ebensee am 6. April deutet laut Autor Freund auf die Schwere der Bedingungen hin.

Zwei jüdische Häftlinge sollen ermordet worden sein, zwei oder vier sowjetische Häftlinge (unterschiedliche Aussagen) sollen nach einem Fluchtversuch erhängt worden sein. Eine unbekannte Zahl an Inhaftierten starb an den Entbehrungen.

Am 13. April räumten die Nazis das Lager in Richtung Ebensee. Der Transport brachte viele Tote. So meldete der Lagerarzt von Ebensee insgesamt 54 Personen „aus dem Arbeitskommando Wels“ als verstorben.

Vor Mai 1945 übergab ein SS-Offizier insgesamt 180 unbekannte Tote an die Friedhofsverwaltung Wels. Da nur 1.773 der ursprünglich 2.000 Häftlinge nach Ebensee überstellt wurden, lassen sich diese Toten laut Historiker Freund dem KZ Wels II zuordnen.


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