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WELS. Es gibt ein Doppeljubiläum zu feiern. „30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention“ und „30 Jahre Gesetzliches Gewaltverbot in der Erziehung“. Für die Geschäftsführerin des Kinderschutzzentrums Tandem Silvia Neubauer ein triftiger Grund, Kinderrechte wieder ins Bewusstsein zu rücken.

In Wels im Einsatz Foto: privat
In Wels im Einsatz Foto: privat

Rund 90 Prozent der Eltern streben eine gewaltfreie Erziehung an – dennoch werden Ohrfeigen immer noch von fast der Hälfte aller österreichischen Eltern als Erziehungsmaßnahme eingesetzt. Daraus lässt sich schließen, dass Ohrfeigen von vielen Eltern nicht mehr als legitime Erziehungsmaßnahme erlebt werden, sondern Situationen von Überforderung und Überlastung in dieser Weise eskalieren. Dies entspricht auch den Erfahrungen die die österreichischen Kinderschutzzentren mit Müttern und Vätern machen, die aus diesem Grund Hilfe suchen, erklärt Neubauer.

Gesetzlich verankert

1989 wurde in Österreich das Gewaltverbot in der Erziehung gesetzlich verankert. Damals nahm Österreich eine Vorreiterrolle ein, denn es war nach Schweden, Finnland und Norwegen das vierte Land weltweit, in dem „die Anwendung von Gewalt und die Zufügung körperlichen oder seelischen Leides“ für unzulässig erklärt wurden. Im gleichen Jahr (am 20. November) wurde von der Vollversammlung der Vereinten Nationen (UNO) die Kinderrechtskonvention einstimmig angenommen. Sie trat hierzulande 1992 in Kraft und Österreich verpflichtet sich damit, Rechte für Kinder wie „Recht auf Bildung“, „Schutz vor Gewaltanwendung und Misshandlung“ oder „Recht auf Ruhe, Freizeit und Spiel“ zu garantieren. 2011 wurde in Österreich ein eigenes Verfassungsgesetz über die Rechte der Kinder beschlossen, womit einzelne Kinderrechte sogar in Verfassungsrang erhoben wurden.

Einstellungswandel

Das gesetzlich verankerte Bekenntnis zur Gewaltfreiheit in der Erziehung hat zu einem Einstellungswandel und einem veränderten Erziehungsverhalten beigetragen. Zahlreiche Elternbildungsangebote und Familienberatungsstellen unterstützen Eltern. Studien zeigen, dass physische Gewalt in der Erziehung in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen ist. Zugenommen hat hingegen die psychische Gewalt gegenüber Kindern. Hoch ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die sexualisierter Gewalt im Internet ausgesetzt sind.


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