Leserbrief: Besuchsregeln im Altersheim oder wer kommt den überhaupt zu Besuch?
THALHEIM. Erna Prenninger hat der Tips-Redaktion einen Leserbrief geschrieben. Sie erzählt über ihre Besuche im Altersheim und stellt die These aus, ob viele, die sich über die Zugangsbeschränkungen aufregen, auch wirklich ihre Angehörigen vorher schon besucht hatten.

Da ich jetzt so oft die Beschwerden über die Regeln für Altersheime in dieser Coronazeit lese, freue ich mich sehr, dass so viele Menschen ihre Angehörigen und Bekannte besuchen wollen.
Leider musste ich vor einigen Jahren etwas ganz anderes sehen. Ich habe 10 Jahre lang meine Tante und die Schwiegermutter meines Bruders regelmäßig besucht (und noch Bekannte in verschiedenen Altenheimen) und musste damals feststellen, dass die meisten alten Leute einsam und verlassen an den Tischen saßen, oder alleine in ihren Zimmern waren.
Wir waren meistens nur drei Frauen, die regelmäßig kamen. Habe die Pflegekräfte befragt, aber es war auch an den restlichen Wochentagen nicht viel anders. (Kinder, schon gar nicht Enkelkinder - davon weit und breit nichts zu sehen). Die meisten Freunde und Bekannten der alten Leute sind schon gestorben, oder selber nicht mehr fit.
Da ich jetzt nicht mehr in ein Altersheim komme, weil in meiner Familie alle Alten schon gestorben sind und ich nun selber alt bin, kann ich nicht sagen wie es jetzt ist. Aber nach den vielen Aufschreien in den Medien, müssen sich die Besucher ja geradezu überschlagen
Darüber freue ich mich sehr für die alten Menschen, weil die haben diese Zuwendung mehr als verdient.
Wenn dann doch endlich diese Lockerungen in den Altersheimen stattfinden werden, hoffe ich sehr, dass es auch wirklich zu diesen Besuchen kommt! Es sollte sich einmal jeder selber überlegen - wie oft war ich überhaupt schon einmal in einem Altersheim und habe jemanden besucht?
Ich hoffe sehr, dass dieser dringende Wunsch, seine Angehörigen und Bekannten zu besuchen, auch nach den Coronazeiten noch so ist. (Und auch dann noch, wenn ich selber dann einmal im Altersheim bin.)
Meine Entscheidung war, meine Mutter nicht ins Altersheim zu geben und sie selber zu betreuen, da ich dann jeden Tag mit ihr beisammensein konnte. Ich weiß, das ist nur mehr in den seltensten Fällen möglich (es interessiert die Meisten aber auch nicht, wie ich feststellen musste.) Ich hoffe aber, dass dieser Besucherwunsch, so vieler Angehöriger, weiterhin bestehen bleiben wird. Sofern er überhaupt jemals stattgefunden hat!


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