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„Eigentlich wäre es richtig, wenn sich Vereine wie wir, rasch auflösen“

Gerald Nowak, 31.12.2022 06:30

WELS. Erwin Hehenberger ist Pragmatiker und ein zutiefst sozial eingestellter Mensch. So wunderte sich auch niemand, als er die Welser Tafel 2008 ins Leben rief. In der Neustadt neben der Kirche begann die Geschichte. Der Name Wels ist aus dem Namen gestrichen und der Verein baute das Angebot aus. Es gibt den Zusatz OÖ. und der Verein hat seit Jahresbeginn eine Dependance in Rohrbach.

Team der OÖ. Tafel in Wels (Foto: Tips)
Team der OÖ. Tafel in Wels (Foto: Tips)

Kurz vor dem Jahreswechsel zu Besuch in der Neustadt am Flotzingerplatz. Die Vorbereitungen für den Mittagsbetrieb laufen auf Hochtouren. Einige Besucher nehmen noch einen Kaffee und einen Happen zum Frühstück. Im Welser Outlet werden die hochwertigen Second Hand Waren sortiert für den Verkauf. Die Helfer betreuen die Regale im Sozialmarkt und in der Sozialberatungsstelle herrscht Kommen und Gehen. „So war das nicht zu erwarten“, erinnert sich Hehenberger zurück. 2008 begann alles mit einem Raum und der Möglichkeit Bedürftigen ein warmes Essen und Raum für Kommunikation zu geben. Lange machte dies der Vereins-Obmann nebenberuflich.

Die Entscheidung den Sprung in das Hauptberufliche zu wagen, reifte mit der Zeit. Das Angebot wuchs um Sozialmarkt und Second-Hand Geschäft. Es kam wenig später Sozialberatung dazu. „Eigentlich wäre es richtig, wenn sich solche Vereine wie wir, rasch auflösen. Das würde bedeuten, dass sie nicht notwendig sind. Es ist das Gegenteil der Fall“, sagt Hehenberger. Derzeit arbeiten zehn Personen hauptberuflich bei der Einrichtung: „Im Beamtendeutsch sind es genau 7,7 Vollzeit-Äquivalente“, grinst Hehenberger. Rund 50 Ehrenamtliche und drei Zivildiener helfen ebenfalls. Es herrscht Hochbetrieb bei der Beratung. Die Zeiten sind schwieriger geworden. Das Thema Delogierungen wird akuter. „Hier geht es uns wie allen Einrichtungen. Die Menschen kommen, wenn es schon fast zu spät ist“, konstatiert der Obmann. Eine Scheu oder Scham von den Menschen sich zu melden, kann er nicht mehr erkennen: „Das war vielleicht am Anfang. Doch jetzt wissen viele nicht mehr wohin und wenden sich schnell an uns. Sie können nicht mehr“.

Hilfe, wo sie notwendig ist

Es hat sich immer alles ergeben, weil der Verein dort hingeht und hinschaut, wo andere wegsehen. Die soziale Schere ist noch weiter aufgegangen. Viele können sich den normalen Alltag nicht mehr leisten. Sie werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Und mit den Teuerungen in den vergangenen Monaten ist die Situation noch prekärer geworden: „In den Beratungen geht es hauptsächlich um Strom, Heizungen und auch Miete. Die Menschen suchen kleinere Wohnungen, können sich aber die Kaution nicht leisten, weil es sich hinten und vorne nicht mehr ausgeht“, erzählt der Helfer mit Herz aus dem Alltag. Denn die Teuerungen verschlimmern die Situation derzeit in der unteren Mittelschicht enorm.

Die Anfragen zu Hilfe steigen und steigen. Aber auch bei anderen Sozialfällen sehen die die Mitarbeiter der „OÖ. Tafel“ hin. Sozialromantik ist aber nicht angesagt. Sie helfen dort, wo die Hilfe auch angenommen und gewollt ist. „Wir versuchen uns genug Zeit für die Menschen zu nehmen und wollen ihnen ein offenes Ohr schenken. Jetzt erst recht ist Zeit für Menschlichkeit, wenn man sich die Schlagzeilen und die Gesellschaft so ansieht“, ist der Tenor unter den Helfern.

Der Verein hat ein Tiefkühllager sowie weitere Möglichkeiten zum Einlagern auf 1.000 Quadratmeter angemietet. 400 Tonnen Lebensmittel werden pro Jahr umgesetzt, sei es in der Küche oder im Sozialmarkt. Egal ob Männer oder Frauen, Familien mit Kindern, alleinerziehende Mütter, Langzeitarbeitslose, Mindestpensionisten, chronisch Kranke oder Haftentlassene – als einziger Richtwert für einen Anspruch gilt die bedarfsorientierte Mindestsicherung. Ziel ist es, Menschen in Not zu helfen und die Lebensqualität zu verbessern, schreibt der Verein. Rund 930 Bezugsberechtigte für den Sozialmarkt gibt es. Alle zwei Jahre muss diese Karte erneuert werden. Im persönlichen Gespräch werden die Dokumente eingefordert und die Situation analysiert. Damit man auch sieht, wie sich alles entwickelt. In den vergangenen zwölf Monaten sind 400 Berechtigungen ausgestellt worden. Das zeigt auch wie die Spirale nach unten sich immer schneller dreht.

Wunsch für die Zukunft

Der größte Wunsch ist, dass sich die Situation entspannt. Doch gleich dahinter wäre es, dass die OÖ. Tafel Sozialökonomische Betrieb wird. „Wir stehen in Verhandlungen. Das wäre aber ein großer Schritt für uns“, meint Hehenberger. An dritter Stelle kommt dann, dass die Hilfe von Spendern egal ob aus dem privaten oder wirtschaftlichen Bereich nicht abreißt. 

Die OÖ Tafel
Flotzingerplatz 6, 4600 Wels
Tel.: +43 7242 310818
E-Mail: office@dieooetafel.at
www.dieooetafel.at

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