PICHL. Schafe sind im Raum Wels ein seltener Anblick geworden. Manch einer hält die genügsamen Tiere als natürliche Rasenmäher im Baumgarten und für den Eigenbedarf. Jasmin Mühringer hingegen ist die Einzige, die im Bezirk noch Milchschafe in größerem Stil hält.

Jasmin Mühringer lebt mit ihrem Mann Robert und den drei Kindern beim „Kranzl“ in Oedt 2. Nach dem zweiten Kind stellte sich die Frage, ob sie wieder arbeiten gehen sollte, oder ob sie doch daheim bleibt „und wir etwas machen, womit wir Geld lukrieren können“, erzählt die 41-Jährige. Man entschied sich für Zweiteres und startete 2007 mit drei Lamperln und der Produktion von Käse.
Käse-Kurse
„Wir haben dann laufend aufgestockt und haben jetzt im Durchschnitt 20 ostfriesische Milchschafe“, so Mühringer. Nebenbei machte die Landwirtin auch verschiedene Kurse zur Verarbeitung der Milch, „damit man es auch wirklich kann“, lacht die Landwirtin. Mittlerweile kann sie es natürlich wirklich gut: Jasmin Mühringer macht die beliebten Frischkäsegupferl, Frischkäseschnitten natur, mit Kräutern oder scharfer Gewürzmischung, Bällchen eingelegt in Öl oder Würferl in Öl für den Salat und natürlich Joghurt, vor allem natur, aber hin und wieder auch mit Fruchtmus.
Zwei Lamperl pro Schaf
Milch zu verarbeiten gibt es von März bis Oktober, dann wenn die Schafe das saftige Gras auf der Weide genießen können und wenn die Lämmer zur Welt gekommen sind. Durchschnittlich zwei Lamperl wirft ein Mutterschaf im Februar, danach geben sie im Schnitt zwei Liter Milch pro Tag. „Wir haben uns selbst einen Melkstand für sechs Tiere gebaut, wo in der Früh und am Abend mit Melkmaschinen gemolken wird“, erklärt die Bäuerin. Danach kommt die Milch in die Kühlung und in die Verarbeitung. Hauptsächlich macht die Pichlerin Frischkäse, rund 50 Kilogramm pro Woche.
Der Klassiker: die Gupferl
Jeden zweiten, dritten Tag wird beim Kranzl gekäst. Dazu wird für die Gupferl die Milch erwärmt, ein Säurewecker (Milchsäurebakterien) beigefügt und dann eine Stunde gewartet. Jetzt ist die Milch eingelabt und kann in Formen abgefüllt werden. Nach rund 20 Stunden hat sich der Käse schließlich in den Formen abgesetzt und kann in Molke schwimmend verkauft werden.
Ab Hof-Verkauf
Abnehmer hat die Hofkäserei Mühringer in den Gasthäusern, den umliegenden Lebensmittelmärkten und natürlich in den Kunden im eigenen Hofladen, der freitags von 8 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 12 Uhr geöffnet ist. Dort gibt es auch Eier der hofeigenen Hühner und auf Wunsch Schafmilch. „Vorwiegend für Leute, die keine Kuhmilch vertragen“, weiß Mühringer. Sie und ihre Familie verwenden natürlich ausschließlich Schafmilch, für den Kaffee genauso wie für Kakao oder den Pudding.
Fleisch ist ganz mager
Auch das Fleisch ihrer Tiere verwerten sie. Da es sich um Milchschafe handelt, die nach rund sieben Jahren ausgemustert und geschlachtet werden, haben sie nicht ganz so viel Fleisch, „aber wir essen es sehr gerne, es ist relativ mager“, erklärt die Bäuerin.
Wolle zum Dämmen
Und selbstverständlich wird auch die Wolle gut verwertet. Im Mai erledigt der Schafscherer seine Arbeit und die Wolle kommt zur großen Wollsammlung in der Messehalle in Wels, wird zu Rundballen gepresst und später zu Dämmstoff verarbeitet.


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