Hermi Kürner und ihr Oldie auf großer Polen-Tour
WELS. „Mein Auto öffnet mir Türen“, sagt Hermi Kürner und meint das wortwörtlich. Die rastlose Welserin war wieder einmal mit ihrem 92 Jahre alten Mercedes auf Reisen und auf ihrer Fahrt entlang der Weichsel zur Bernsteinküste ein beliebtes Fotomotiv. Für ihre eigenen Beweisfotos drücken angesichts des stattlichen Alters ihres Gefährts auch Ordnungshüter ein Auge zu und erlauben die Fahrt bis direkt vor das Brandenburger Tor oder durch die Dresdner Fußgängerzone.

„Nachdem ich im letzten Jahr schon der Donau bis ans Schwarze Meer gefolgt bin habe ich dieses Jahr bei meiner Oldtimertour wieder einen großen Fluss ins Programm genommen. Ich folgte dem über 1000 Kilometer langen und größten Fluss Polens bis an die Bernsteinküste“, erzählt die 73-jährige ehemalige Busunternehmerin.
Der Startschuss für ihre Reise fiel beim Oldtimer-Treffen in Rottenbach, von wo aus es am schnellsten Weg nach Brünn, Zlin, Cesky Tesin und schließlich in Wisla an die Weichsel und weiter nach Krakau und Warschau ging. „Dort ist alles irrsinnig eben. An der russischen Grenze hab ich tagelang nur Wald, Wiesen, Felder und Alleen gesehen. Da ist man dann schon froh, wenn man wieder Berge sieht“, schmunzelt die begeisterte Autofahrerin.
„Ein Beweis ist mir wichtig“
Und auch wenn Kürner die Natur und die Weite liebt, zieht es sie doch auch an die touristischen Hotspots. „Es ist mir wichtig, dass ich das Ziel erreiche und mir die Leute das auch glauben. Es kommt immer wieder vor, dass jemand sagt: ´Das gibt es nicht, dass du dort warst` und deshalb will ich an markanten Stellen Fotos machen. So wie zum Beispiel vor dem Brandenburger Tor in Berlin. „Ich hab auf das Nawi vertraut und stand plötzlich auf dem Alexanderplatz auf den Straßenbahnschienen.“ Die Polizei ist rasch zur Stelle, versteht ihren Wunsch nach einem Foto und weist ihr denn Weg: „Hier ist sowieso kein günstiges Motiv, fahren sie direkt hin, dort sind sie ungestört“. Beim Brandenburger Tor ist sie dann wie so oft selbst das beliebteste Fotomotiv. „Man trifft auf so viele sympathische Menschen die einfach überrascht sind, dass eine ältere Frau alleine mit einem alten Auto unterwegs ist“, spricht Kürner schon aus jahrelanger Erfahrung, die durch die Bank gut war. „Ich hab noch nie Angst gehabt. Wovor denn? Überall sind auch nur Menschen daheim und es gab in den letzten Jahren nie eine Situation wo ich dachte, es ist brenzlig“.
„Ich würde nie jemanden mitnehmen“
In Begleitung zu Reisen kommt für die resolute 73-Jährige ohnehin nicht in Frage. „Ich würde nie jemanden mitnehmen! Ich will aufstehen und essen wann ich will und mich in die Wiese legen wenn ich ein Mittagsschläfen machen will. Ich habe die große Freiheit jetzt“, genießt Kürner es unabhängig zu sein. „Außerdem hab ich obwohl ich allein unterwegs bin, viele Mitreißende“, verweist die Auto-Närrin auf ihre Follower auf Instagram und Facebook.
Auf der Heimfahrt machte der Oldtimer schlapp
Apropos unabhängig: Auf einen muss Kürner natürlich schon Rücksicht nehmen beziehungsweise sich auf ihn verlassen können - auf ihren Mercedes W 15, 170/6, Baujahr 1931. Und auch wenn ihr Oldie in der Regel sehr zuverlässig ist - kurz vor dem Ende der Rundreise hat der 92-Jährige dieses Mal doch schlapp gemacht. „Von Dresden raus hab ich schon gemerkt, dass er Zündaussetzer hat. Ich hab dann in Tschechien übernachtet aber am nächsten Tag hat er gesagt: ´Ich mag nicht mehr`.“, so die Welserin. Der Verteilerfinger hat den Geist aufgegeben. „Ein Verschleiß. Das passiert bei neuen Autos auch“, macht sich Kürner keine Sorgen, bald wieder mit ihrem treuen Begleiter auf Tour gehen zu können. „Das ist eigentlich eine ganz einfach Reparatur. Das Problem ist eher, die alten Teile zu bekommen. Aber irgendwo werde ich schon wieder was auftreiben und über den Winter reparieren“. Denn die nächste Reise wartet schon auf das Duo: Von Bahnhof zu Bahnhof auf den Spuren des Orient-Express.


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