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BAD WIMSBACH-NEYDHARTING. Der Martinstag rückt immer näher und damit auch viel Arbeit für Gänse-Bäuerin Martina Spitzbart, denn rund um den 11. November haben knusprig gebratene Ganserl Hochsaison.

120 Gänse sind bei Martina Spitzbart auf der Weide unterwegs. (Foto: derbauerhats.at)
120 Gänse sind bei Martina Spitzbart auf der Weide unterwegs. (Foto: derbauerhats.at)

Während vor Jahrzehnten Gänse auf jedem Bauernhof zu finden waren, ist das schnatternde Federvieh heutzutage eher selten auf heimischen Wiesen anzutreffen. Rund 400 Landwirte produzieren in Österreich Gänse und das stärkste Bundesland ist Oberösterreich. Auch in Wels und Wels-Land halten einige Landwirte Weidegänse. Eine davon ist Martina Spitzbart.

„Etwas Neues gesucht“

Bis 2008 lebten beim Semmelbauern in der Ortschaft Ellnkam Milchkühe und Schweine. „Als wir die Landwirtschaft 2011 von meinen Schwiegereltern übernommen haben, haben wir etwas Neues gesucht, damit der Betrieb wieder mehr abwirft“, erzählt Spitzbart von den Anfängen. Unter anderem, weil man mit Gänsen nicht das ganze Jahr über angebunden ist, entscheiden sie und ihr Mann Stefan sich für das laute Federvieh.

Die Gössel mögen´s warm

Mit 40 Stück startete die 38-jährige Landwirtin die Gänsehaltung und zieht mittlerweile 120 Gänse pro Jahr groß. Mitte Mai kommen die Ein-Tages-Gössel vom oberösterreichischen Züchter zum Semmelbauern auf den Hof, in einen Stall mit 30 Grad Raumtemperatur. Während es die Küken in den ersten Lebenswochen recht warm brauchen, wird die Temperatur im Stall mit der Zeit immer weiter abgesenkt. Fressen können die kleinen Wuserl in dieser Zeit rund um die Uhr hofeigenen Weizen und Gerste.

Achtung: Sonnenbrand

Mit drei Wochen geht es für die Küken dann auch nach draußen in die frische Luft. „Weil sie über die Sonne wichtige Vitamine aufnehmen“, erklärt Spitzbart und betont: „Aber nur ein, zwei Stunden, weil sonst bekommen sie unter ihrem gelben Flaum einen Sonnenbrand, den man später auf der Haut sieht“. Mit rund sieben Wochen sind die jungen Gänse dann ganz zugefiedert und verbringen den ganzen Tag auf der Weide. Abends geht es zum Schutz vor dem Fuchs in den mit Stroh eingestreuten Stall.

Ein Kilo Gras pro Tag

Den ganzen Tag über verspeisen die Gänse auf der Weide ein stolzes Kilo Gras und zusätzlich Fallobst, das ihnen in die Quere kommt oder auch gerne mal Salat, der in der Küche abfällt. Auf Schnecken hat das Geflügel hingegen keinen Appetit.

Im Lauf der Monate legen die Gänse so ordentlich zu, sodass sie mit sechs, sieben Monaten vier bis fünf Kilogramm auf die Waage bringen. Dann ist für viele der Zeitpunkt für die Schlachtung gekommen. Nach einer Betäubung werden die Gänse gestochen, kommen in den Brühkessel, in die Rupfmaschine und werden schließlich noch epiliert und händisch nachgerupft. Die Federn werden über den Verein Traunviertler Weidegans zu Polstern und Decken weiterverarbeitet.

Appetit auf Gänsebraten

Das Fleisch vermarktet die Bäuerin selbst. „Tatsächlich ist die Nachfrage sehr wetterabhängig“, weiß die verheiratete Mutter von drei Kindern. Wenn es noch sehr warm ist, warten die Kunden noch etwas mit dem Gänsebraten. Spätestens zu Weihnachten landet das Ganserl dann aber doch bei vielen im Backofen.

Viel zu tun

Danach kehrt im Gänsestall beim Semmelbauern bis Mai wieder Ruhe ein. Zu tun bleibt in der Landwirtschaft mit Ackerbau, Masthühnern, einer wöchentlichen Schul-Weckerl-Lieferung und vorweihnachtlichem Kekserl-Verkauf aber ohnehin das ganze Jahr über immer viel.


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