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"Die Bürgerinitiativen formulieren das Thema Verkehr und Lärm als drängendes Problem“

Gerald Nowak, 18.07.2017 12:57

WELS. In der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause ging es um einen Beschluss für das Modellprojekt Lärmschutz Wels. Der Grüne Gemeinderat Peter Sönser hat dieses Projekt erheblich mitgetragen.

Der Grüne Gemeinderat Peter Sönser
Der Grüne Gemeinderat Peter Sönser

Tips: In der Juli-Gemeinderatssitzung gab es eine Resolution unter dem Begriff „Modellprojekt Lärmschutz Wels“. Ist das der 14. Masterplan in der Stadt, der rasch in einer Schublade verschwindet und dort Schimmel ansetzt?

Sönser: Nein. Derzeit sind viele Welser Haushalte vom Verkehrslärm durch die Autobahn betroffen. Puchberg, Oberthan, Wimpassing – das sind Gegenden, wo sich nicht umsonst in den letzten Jahren Bürgerinitiativen gebildet haben. Sie alle formulieren das Thema Verkehr und Lärm als drängendes Problem. Mit dieser Resolution hat sich der Gemeinderat der Stadt auf Initiative der Bürgerschaft geschlossen für Lärmschutz ausgesprochen, ganz im Sinne der Bürger. Und mehr noch: Die Stadt tritt konkret über das zuständige Verkehrsministerium an den Straßenerhalter ASFINAG heran, um in einem „Modellprojekt Lärmschutz Wels“ den Verkehrslärm für die Bewohner durch Maßnahmen am aktuellen Stand der Technik weiter zu reduzieren.

 

Tips: Ausganspunkt der Resolution war ja die Schlägerung des Grünstreifens neben der Autobahn in Wels. Welche Folgen befürchten Sie konkret für die Menschen?

Sönser: Hier wird durch eine generelle Maßnahme ohne die fachlich erforderliche raumbezogene und auswirkungsorientierte Betrachtung der betroffenen Schutzgüter Lebensraum verändert. Damit entsteht bei den Menschen nicht nur subjektiv der Eindruck von Beeinträchtigung. Kurzfristig sind die sichtbaren Auswirkungen evident. Mittel- und Langfristig geht es allerdings darum, gemeinsam fachliche Standards durch ein Bündel von geplanten Maßnahmen zu schaffen.  Ökonomische und ökologische Auswirkungen sind in ein vertretbares Gleichgewicht zu bringen. Das ist zum Beispiel bei einer Umweltverträglichkeitsprüfung die Voraussetzung für die Genehmigung von Projekten. Da darf es nicht um „Gutachteritis“ gehen, sondern um „konkreten Gesundheitsschutz“! Es freut mich sehr, dass dies der Gemeinderat der Stadt Wels einhellig im Interesse der Bürgerschaft erkannt hat. Gemessen wird dies dann an der konkreten Umsetzung von Projekten.

Tips: Lärm, Straßenverkehr, Emissionen und daneben die Bevölkerung. Wie kann man alles unter einen Hut bringen, damit jeder leben kann?

Sönser: Zentral ist eine schutzgüter- und auswirkungsorientierte sowie kooperative Planung und Umsetzung von Projekten. Das heißt, das Schutzgut Mensch steht im Mittelpunkt und davon ausgehend werden alle weiteren Auswirkungen, wie zum Beispiel Verkehr oder Lärm, betrachtet. Verkehr ist per se nichts Schlechtes. Die entscheidende Frage ist, wie muss sich ein Projekt gestalten, um für die betroffene Bürgerschaft nicht überwiegend negative Folge­erscheinungen zu produzieren.

Tips: Bei Projekten wird immer Bürgerbeteiligung eingefordert. Wie muss die konkret aussehen?

Sönser: Bürgerbeteiligung muss konkret und unmittelbar umsetzungsorientiert organisiert sein. Sie muss zu Beginn eines Projektes möglich sein, sodass entwickelte Lösungen sich im jeweiligen Projekt niederschlagen und nicht erst durch Widerstand Berücksichtigung finden. Es geht darum, gemeinsame Zukunftsbilder mit der Bürgerschaft zu schaffen und zu entwickeln.


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