Bäuerliche Unternehmerin gekürt - zweiter Platz für Windhaagerin
BEZIRK FREISTADT/OÖ. Frauen, die in den bäuerlichen Familienbetrieben neue Einkommensstandbeine entwickeln und umsetzen, werden seit 2009 von der Landwirtschaftskammer OÖ mit dem Titel „Bäuerliche Unternehmerin“ ausgezeichnet. Bei der Rieder Messe wurden heute die Preisträgerinnen gekürt. Als Siegerin ging Maria Schrattenecker aus Mehrnbach, Bezirk Ried, hervor. Sie hat das erste österreichische Popcorn vom Bauernhof erfolgreich auf den Markt gebracht, die Innpopis. Der zweite Platz ging an Franziska Friesenecker aus Windhaag.

„Mit dem Titel ,Bäuerliche Unternehmerin“ wollen wir innovative Projekte und Erwerbskombinationen auf den heimischen bäuerlichen Betrieben vor den Vorhang holen. 49 Prozent der Bauernhöfe in Oberösterreich werden von Frauen geführt – entweder alleine oder gemeinsam mit ihrem Partner. Daher ist es uns ein großes Anliegen, die Rolle der Bäuerin am Hof in den Vordergrund zu rücken“, sagt LK-Präsident Franz Reisecker bei der Titel-Verleihung.
Zweiter Platz: Franziska Friesenecker – Pieberschlag/Windhaag
Die ehemalige EDV-Unternehmerin aus der Steiermark hat auf einen klassischen Bio-Milchviehbetrieb eingeheiratet. Sie erzählt oft, dass sie nicht wusste, dass Kühe zweimal täglich gemolken werden müssen, als sie ihren „Mann mit Landwirtschaft“ kennenlernte. Im Laufe der Jahre stellte sie fest, dass sie die Mengen- oder Größensteigerung nicht mitmachen möchte. Die Befassung mit der Betriebsentwicklung brachte sie und ihren Mann auf die ursprüngliche Aufgabe der Landwirtschaft zurück: die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln, die in der Region erzeugt werden. Also entwickelte die Familie den Betrieb weg vom ausschließlichen, spezialisierten Milchviehbetrieb hin zu einem Biobauernhof mit Vielfalt. Das Projekt hat den Titel „Natürlich Biberhof“. Am Hof helfen auch die zwei Kinder aus der früheren Beziehung ihres Mannes mit. Eine Tochter ist Lehrerin und Imkerin, die andere Tochter bringt sich mit Fotografie und Marketingarbeit ein, soweit es das Studium erlaubt.
Viele Ideen für den Betrieb
Am Betrieb gibt es Weideochsen, Freilandschweine, Hühner, Ölfrüchte wie Lein, Leindotter oder Hanf, gepresst zu Speiseöl, Kräuter, alte Getreidesorten, Anbau von Senf und Herstellung von vier Senfsorten, Erdäpfel, Kräuter und seit neuestem auch Bioerdbeeren zum Selberpflücken. „In Abstimmung mit den Konsumenten wollen wir auch Selbsternteflächen anbieten bzw. das Modell ,solidarische Landwirtschaft“ angehen“, erläutert Franziska Friesenecker. Ihre Aufgabe sieht sie in der Veredelung der Produkte, im Marketing und dem Managen der Vielfalt. Beispielhaft ist die Senfherstellung aus heimischen, eigenen Rohstoffen, die in Oberösterreich eine Innovation ist. Franziska Friesenecker maturierte an der Handelsakademie und war einige Jahre im eigenen EDV-Unternehmen für die Administration zuständig. Dort lernte sie das Leben als Unternehmerin kennen. Sie war für 18 Mitarbeiter und deren Familien verantwortlich, bevor sie nach einer privaten Veränderung ihren Mann kennenlernte. Sie ist Mutter eines Sohnes.
Daten zum Vollerwerbs-Biobetrieb: Milcherzeugung als Betriebsschwerpunkt und Entwicklung einer großen Vielfalt am Hof, sowohl im tierischen Bereich als auch durch eine abwechslungsreiche Fruchtfolge auf den Feldern; Direktvermarktung dieser „Vielfalt“


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