Vom Wildwasser über Hardcore Punk ins eigene Tattoo-Studio

Margareta Pittl Online Redaktion, 25.08.2019 19:14 Uhr

YBBS. Ötzi hatte schon vor 5.000 Jahren eines. Heute ist die Haut eines jeden vierten Österreichers tätowiert. Man kann getrost sagen: „Peckerl“ sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Angekommen ist auch der Ybbser Tattoo-Künstler Chrisoph Eplinger. Er betreibt seit vier Jahren sein eigenes Tattoo-Studio in Ybbs. Tips hat mit ihm über Arschgeweihe, seinen Werdegang und eine ganz besondere Leberkässemmel gesprochen.

„Ich hab mir mein erstes einen Tag nach meinem 18. Geburtstag stechen lassen“, erinnert sich Christoph Eplinger auf der Couch seines Studios in der Ybbser Innenstadt und deutet auf seine linke Armbeuge. Zu sehen ist dort eine schwarze Sonne, die Zeichnung ist an das Logo eines Kajak-Herstellers angelehnt. Vor 18 hätten es die Eltern nicht erlaubt, merkt er an. Heute ist er 32 und von Kopf bis Fuß tätowiert, zumindest fast. „Aber das wird alles noch vollgemacht“, erklärt er und zeigt auf ein paar unbemalte Hautstellen. Eplinger ist gelernter Drucktechniker, war x-facher Staatsmeister im Wildwasser-Kajak und passionierter Hardcore Punk-Musiker. Vor allem als letzterer wurden die ersten zarten Bande zur Peckerl-Liebe geknüpft. „In der Hardcore Punk-Szene sind viele tätowiert und das Gestalterische, das ist mir immer schon gelegen. Ich habe damals für meine Bands viele Plakate und Logos entworfen“, blickt der 32-Jährige zurück. Im Erlaufer Tattoo-Studio Herm absolvierte er seine „Lehrjahre“ – eine klassische Lehrausbildung zum Tattoo-Künstler gibt es nicht – bis er seine Befähigungsprüfung bei der Wirtschaftskammer ablegte und sich selbstständig machte.

„Begeistert waren sie nicht“

Seit 2015 gibt es nun schon seinen Ybbs City Tattoo-Laden. Und das Geschäft läuft gut. Jeder vierte Österreicher ist mittlerweile tätowiert, das Randgruppenphänomen Tattoo ist zum Mainstream geworden. Ab 16 darf man sich hierzulande mit schriftlicher Einwilligung der Erziehungsberechtigten von Eplinger und seinen Kollegen stechen lassen. Ab 18 dann ohne. „Begeistert waren sie damals nicht“, antwortet der Ybbser auf die Frage, was die Eltern damals zum exotischen Berufswunsch meinten. „Aber inzwischen wollen sie selbst schon ein Tattoo“, fügt er grinsend an. Wie viele Kunstwerke Eplingers Körper inzwischen zählt, bleibt ungewiss. „30, 40 oder 50, 60 – ich weiß es nicht“, ist sich der Tattoo-Künstler im Unklaren, der in Jugendtagen fast eine Profi-Sportkarriere als Kajakfahrer gemacht hätte. Eine ganze Reihe an Staatsmeistertiteln holte er im Wildwasser und ein elfter Platz in der Weltrangliste steht zu Buche. Zum Beruf hat er schließlich mit der Tattoo-Kunst ein anderes Hobby gemacht. „Du kannst damit Menschen eine lebenslange Freude bereiten und deine Kunst verwirklichen. In jedem Werk steckt ein Stück von dir selbst, das du den Kunden mitgibst. Man macht jeden Tag etwas Neues, es wird einfach nicht fad. Selbst wenn du den 100. Löwen (Löwen zählen zu den beliebtesten Motiven; Anm.) zeichnest, ist jeder anders“, schwärmt der 32-Jährige.

Leberkäs und Schwechater

Sein favorisierter Stil sind sogenannte New School Motive, sie sind meist bunt, comicähnlich und perspektivisch. „Aber ich kann und mach auch anderes“, merkt er an. Auch Tattoos sind Moden und Trends unterworfen. „Zuletzt war die Infinity-Schleife (Unendlichkeitszeichen; Anm.) recht beliebt. Auch Daten sind sehr gefragt.“ Und Arschgeweihe? „Die lässt eigentlich keiner machen, ich hab zumindest noch keines gestochen“, erklärt der Ybbser lachend. Ungewöhnliche Motivwünsche gebe es immer wieder mal, ein prinzipielles No-Go nicht. „Außer Rassistenscheiß, den mach ich nicht.“ Das Skurrilste, das Eplinger jemals auf einer Haut verewigt hat? „Hm, ich hab mal einem Wiener eine Leberkässemmel auf den Fuß tätowiert. Das war schon ziemlich kurios“, erzählt Eplinger und zeigt zum Beweis ein Foto. Und wirklich: Zu sehen ist eine Wade, die von einer Leberkässemmel mit Senf und einem Schwechater Bier geziert wird.

Ohne Reue, viel Geschichte

Von den zig Tätowierungen, die Eplinger hat, bereut er kein einziges. „Ich würde manche heute vielleicht anderes machen.“ Sie deshalb zu covern oder wegmachen zu lassen, komme aber nicht in Frage. Sie seien Teil seiner Geschichte. So etwa eben auch die schwarze Sonne auf der linken Armbeuge, die an Kajak-Zeiten erinnert.

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