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Leserbrief: Die einen und die anderen Kinder - Schulbusdrama in "Schilda" oder anderswo

Leserartikel Eva Leutgeb, 31.10.2019 09:25

WALDVIERTEL. Nicht nur die neuen Fahrzeiten durch die Übernahme der VOR bringen Unverständnis hervor, sondern auch Schulbusfahrten, wo Asylwerber eine Sondergenehmigung zum Mitfahren benötigen. Dazu erreichte Tips ein Leserbrief von Elisabeth Wappelshammer und Christine Weissenberg.

Schilda lässt grüßen: Auch wenn Plätze leer sind, dürfen nicht alle Schulkinder mitfahren. Foto: Hurst Photo/Shutterstock.com

WALDVIERTEL. Erfahrungen von Menschen auf der Flucht erinnern oft an die grotesken Probleme der Stadt Schilda. Das trifft ganz besonders auf Fahrten mit dem Schulbus zu. Wenn Kinder von Asylwerbern Schulbusse benutzen wollen, müssen ganz spezielle Formulare ausgefüllt und über die ORS Service GmbH (Organisation für Regie- und Spezialaufträge) beim Bundesministerium für Inneres zur Genehmigung eingereicht werden.

In einer kleinen Waldviertler Gemeinde war sogar der zuständige Betreuungsdienst damit überfordert, die richtigen Formulare auszufüllen, damit zwei irakische Volksschulkinder mit dem Schulbus fahren können. Prompt erhielt die Familie unbrauchbare Fahrkarten für regionale Linienbusse. Erst nach Schulbeginn schickten Nachbarinnen der Familie die richtigen Formulare. Mittlerweile waren alle Plätze im Schulbus vergeben. Das Paradoxe an der Situation ist, dass der Bus weniger Kinder transportiert als Plätze vorhanden sind.

Hier spielt sich etwas Ähnliches wie in Thermen ab: Alle Liegen sind mit Handtüchern belegt, während deren Besitzer schwimmen gehen. Die Plätze im Schulbus sind sicherheitshalber belegt, falls der private PKW einer Familie ausfällt. Wie erklärt man einer irakischen Familie, dass in einem augenscheinlich halbleeren Bus alle Plätze besetzt sind? Das Busunternehmen transportiert die Kinder eine Weile aus freien Stücken am Morgen zur Schule, kann aber die Plätze regulär nicht doppelt vergeben.

Eines Tages fordert eine Lehrerin alle Kinder der betreffenden Katastralgemeinde auf, in den Schulbus zu steigen. Auch der kleine Ali (Name geändert) folgt freudig überrascht dieser Anweisung. Der Busfahrer wirft ihn aber sofort wieder hinaus, vor dessen Vater und anderen Eltern. Der Vater weiß, dass sein Sohn nicht mitfahren darf und holt ihn deshalb auch ab. Die Vorgangsweise erlebt er aber als rüde und stellt den Busfahrer deshalb zur Rede, aus der Sicht des Busfahrers in unangemessener Weise. Das Busunternehmen verweigert nun jeglichen Transport der Kinder und meldet sie bei der ORS gänzlich vom Schulbus ab. Die frustrierten Eltern wollen die Kinder nun am liebsten gar nicht mehr in die Schule schicken. Nachbarinnen beruhigen diese Eskalation in langen Gesprächen und fahren die Kinder unentgeltlich privat mit dem PKW.

Nun liegt der Ball bei der Politik von Gemeinde und Land, um zwei kleinen Kindern den langen und zum Teil auch gefährlichen Fußmarsch zu ersparen. In Schilda würde man vielleicht Attrappen auf die unbesetzten Plätze des Schulbusses setzen, im Waldviertel wird hoffentlich eine Sonderlösung für den Transport der irakischen Kinder gefunden. Zugleich bleiben die Volksschulkinder säuberlich getrennt, nämlich in die einen und die anderen.


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