Zuerst fragst du dich noch, ob das mit den großen E-SUV´s wirklich der richtige Weg ist. Und dann zoomt dich der Polestar 3 in 4,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Zahlen haben das Potential zu beeindrucken, je nach Kontext müssen sie dafür nicht einmal großartig hoch sein. Bei der Anzahl von Radarstrafen an einem Tag ist zum Beispiel eine Drei schon ziemlich beeindruckend. Im automobilen Bereich hat nicht zuletzt die E-Mobilität die Aufmerksamkeitsschwelle kräftig nach oben gedreht. Von dem her würde es uns nicht verwundern, wenn die genannten 4,7 Sekunden jetzt auch keine offen stehende Münder zur Folge haben.
Die 517 PS und 910 Newtonmeter des Polestar 3 Long Range Dual Motor inklusive „Performance“-Paket haben vielleicht schon mehr Potential. Wenn nicht, auch egal, das Wesentliche, das was wirklich hängen bleibt, ist eh das ganzheitliche Erlebnis. Es ist die lautlose Leichtigkeit, mit welcher hier über 2,6 Tonnen derart spektakulär beschleunigt werden, dass einem spätestens nach der ersten Ausfahrt dann doch die Kinnlade nach unten kippt. Die grundsätzliche Erhabenheit eines Big-Size SUV ist dann noch die Kirsche auf der Torte.
Man kann da jetzt natürlich die Sinn-Frage stellen, darüber philosophieren, inwiefern im Performance-Paket inkludierte geschmiedete 22-Zoll Felgen auf Pirelli P-Zero Gummis und eigens entwickelte Fahrwerksabstimmung in einem Fahrzeug dieser Statur notwendig sind. Muss man aber nicht. Polestar hievt den 3er derart zugespitzt in die Top-Liga der Premium-SUV´s, ganz einfach, weil sie es können. Zudem sei erwähnt, dass im genannten Paket eh ein Fahrmodus zur Reichweitenoptimierung auch enthalten ist. Ob diesen je jemand aktiviert, sei mal dahin gestellt.
Die Reichweite ist ohnehin kein großes Thema. 560 WLTP-Kilometer stehen am Papier, angesichts von Masse mal Beschleunigung entscheidet mehr als üblich das eigene Fahrverhalten darüber, was im echten Leben davon übrig bleibt. Trotz nicht mehr ganz taufrischer 400-Volt Technik generiert der Schwede eine maximale Ladeleistung von 250 kW, der netto 107 kWh große Akku wird damit in 30 Minuten von 10 auf 80% geladen. Via Frühling und Vorkonditionierung konnte der Polestar bei der Ladeperformance dann auch in echt überzeugen.
Wann welche Ladestation wo am Meisten Sinn macht, kann man dabei getrost dem Google-Infotainment überlassen. Zieleingabe via Sprachsteuerung, mehr braucht es hier nicht. Aufwendiger sind dafür vermeintlich einfachere Bedienschritte wie Spiegel verstellen oder Handschuhfach öffnen. Läuft tatsächlich alles über den Touchscreen, was trotz klarer Bilder, großem Format und prinzipiell logischer Strukturierung nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Vorteil: Keine Taste stört den Anmut des coolen Interieurs oder lenkt von den fein verarbeiteten nachhaltigen Materialien ab.
Man residiert wie in einem Designer-Loft, entdeckt enorme Platzverhältnisse und die Freude an der Leichtigkeit des Seins. Das serienmäßige Luftfahrwerk kann ganz sanft sein, während das Bowers&Wilkins Soundsystem via Dolby Atmos 3D Surround Sound Konzertsaal und/oder Festivalbühne ins Auto holt. Die Türen schließen via soft-close, alles bis hin zu den Scheibenwischerblättern ist beheizt und die opulente Zahl an Assistenzsystemen arbeitet souverän und unauffällig. Mehr Ruhe vereint mit mehr Kraft gibt es sonst kaum wo, der Ab-Preis von 93.400,00 EUR passt somit.
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Echt lässig: Premium abseits der üblichen Verdächtigen.
Echt stressig: Die stete Versuchung der 910 Newtonmeter.
Echt fett: Bis zu 2.200 Kilogramm Anhängelast.
Echt schade: Für Vollausstattung braucht es drei Extra-Pakete.
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Daten Polestar 3 LR Dual Motor Performance
Motor: 107 kWh Akku (Netto)
Spitzenleistung: 517 PS
Max. Drehmoment: 910 Nm
Reichweite: ca. 450 km
Vmax: 210 km/h
0 auf 100 km/h: 4,7 Sek
Preis ab 93.400,00 EUR










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