Prozess gegen ehemalige Wirtin: "Die Hütte abfackeln war die Lösung", sagt Staatsanwältin
SCHÖNAU. Hat sie das Feuer in ihrem als Asylquartier genutzten ehemaligen Gasthaus gelegt oder nicht? Dieser Frage versuchte am Freitag ein Schöffensenat am Landesgericht Linz auf den Grund zu gehen. Angeklagt war die Besitzerin des Gebäudes (40). Sie bekannte sich nicht schuldig. Die Verhandlung wurde zur Ladung weiterer Zeugen vertagt.
Für die Staatsanwältin liegt der Fall klar auf der Hand: Rund 700.000 Euro Schulden haben die ehemalige Gastwirtin (für sie gilt die Unschuldvermutung) und fünffache Mutter zu der Verzeiflungstat getrieben. Das Gebäude, 2019 um 360.000 Euro erworben, sei auf rund sechs Millionen Euro versichert gewesen - ein Versicherungsbetrug steht im Raum.
„Es war sonst keiner dort außer Sie“
Die Lösung sei gewesen, „die Hütte abzufackeln,wie es auf gut Mühlviertlerisch heißt. Wir haben jeden Stein umgedreht, es war sonst keiner dort außer Sie“, sagt die Staatsanwältin. Das lässt Verteidiger Hartmut Gräf nicht unkommentiert stehen: Er verweist auf die 16 Asylwerber und einen österreichischen Hausbewohner und Freund der Besitzerfamilie, die ebenfalls Gelegenheit gehabt hätten, den Brand zu legen. Auch Hausfremde hätten sich Zutritt verschaffen können.
Wie berichtet, waren in der Nacht von 9. auf 10. September 2024 an mehreren Stellen in der früheren Gaststube in der Schönauer Ortschaft Oberndorf WC-Papier, Müll und eine Schaumstoffmatratze in Brand gesteckt worden. In Windeseile brannte das Gebäude vom Erdgeschoß bis zum Dach lichterloh. Die Hausbewohneraus Afghanistan, Somalia und der Türkei sowie der Freund der Familie konnten sich in letzter Minute vor den Flammen retten. Sechs Männer kamen mit Rauchgasvergiftung ins Spital.
Den Ermittlern gelang es, das Geschehen aufgrund von Handydaten und Stromabschaltungen minutiös zu rekonstruieren. Die Beschuldigte soll sich demnach in der Tatnacht gut eine halbe Stunde im Gebäude aufgehalten haben. Die Hausbesitzerin räumte von Anfang an ein, in der Brandnacht in Oberndorf gewesen zu sein, allerdings nur, um nach der häufig defekten Heizung zu sehen. Für Verteidiger Gräf ein eindeutiger Beweis für die Unschuld seiner Mandantin. Für ihn sei von finanziellen Problemen auch keine Rede. „Die Bank hat den Kredit vom Hauskauf nie fällig gestellt.“
„Selbst zur Verdächtigen Nr. 1 gemacht“
Außerdem habe sie ihr Handy dabeigehabt und ihr Auto deutlich sichtbar auf dem Parkplatz vor dem Gebäude geparkt. „Meine Mandantin hätte sich so ja selbst zur Verdächtigen Nummer 1 gemacht.“ Als entlastendes Argument führte Gräf weiters an, dass auf der Kleidung der Beschuldigten keinerlei Spuren von Ruß zu finden gewesen seien. Auf die Frage der Richterin, warum sie zu so später Stunde ihre Kinder alleine daheim gelassen hatte und nach Oberndorf gefahren war, obwohl es an betreffendem Tag keine Beschwerden über einen Defekt der Heizung gegeben hatte, blieb die Frau eine schlüssige Antwort schuldig. Stattdessen betonte sie ihre Bemühungen, durch Deutschunterricht die Integration der Flüchtlinge gefördert und sich gut um sie gekümmert zu haben. Der Ehemann der Beschuldigten entschlug sich der Aussage.
Mäuseplage bis zum Schluss
Dass es neben der häufig defekten Heizung eine große Mäuseplage im Haus gegeben hatte, kam bei der Vernehmung eines der ehemaligen Hausbewohner aus Afghanistan zur Sprache. „Es gab immer viele Mäuse, bis zum Schluss“, sagte der junge Mann aus. Auch das Polizeiprotokoll führt ungewöhnlich viele tote Mäuse nach dem Brand auf. Die Nager und andere Mängel sollen auch der Grund dafür gewesen sein, dass dem Asylquartier angeblich die Schließung und damit der finanzielle Ruin der Betreiberin drohte.
„Irgendwie gespielt gewirkt“
Auch der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Oberndorf schilderte vor Gericht das Geschehen. Er war bereits wenige Minuten nach der Alarmierung am Brandort. Als die Hausbesitzerin mit ihrem Vater eintraf und das Ausmaß des Feuers bemerkte, „war sie schon entsetzt. Aber irgendwie hat das ein bisschen gespielt gewirkt.“
Akut in Lebensgefahr
„Durch die Rauchgase hat den Hausbewohnern akute Lebensgefahr gedroht, man erstickt da sehr schnell“, erkärte der Brandsachverständige. Er sprach von Brandstiftung mit mehreren Zündquellen, zwei davon erloschen von selbst wieder. Die weiteren Brandherde, vor allem im Bereich des Stammtisches in der Gaststube, entwickelten sich jedoch in Minutenschnelle zu einem Großfeuer, das sich durch die Holzdecke in den Schlaf- und Aufenthaltssaal im ersten Stock durchfraß. Durch die Fensteröffnungen breiteten sich die Flammen über die Fassade bis hin zum Dach aus.
Immer wieder waren bei der Verhandlung die Brandmelder im Haus ein Thema. „Die Asylwerber haben sie immer wieder abmontiert und die Batterien entfernt, damit sie in den Zimmern rauchen konnten, wir haben sie dann wieder angebracht“, sagt die Hausbesitzerin. Tatsache ist, dass kein einziger der vernetzten Brandmelder in der Brandnacht anschlug.
Die Verhandlung wurde zur Ladung weiterer Zeugen, unter anderem eines Vertreters der kreditgebenden Bank, auf 21. November vertagt.
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