Freibad Amstetten: Badezone an der Ybbs für SPÖ „ökologische Katastrophe“

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Bernhard Wagner, SP-Stadtrat für Bauangelegenheiten, am Ybbsufer  Foto: SPÖ
Bernhard Wagner, SP-Stadtrat für Bauangelegenheiten, am Ybbsufer Foto: SPÖ
Michaela Aichinger Michaela Aichinger, Tips Redaktion, 11.05.2021 19:46 Uhr

AMSTETTEN. Das Freibad-Konzept der türkis-grünen Stadtregierung sieht eine Badezone an der Ybbs vor. Die SPÖ befürchtet „fatale Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt“. Umweltstadtrat Dominic Hörlezeder (Die Grünen) beschwichtigt.

„ÖVP und Grüne wollen uns die Ybbs als Alternative für die Becken im Freibad verkaufen. Wenn man die hunderten Menschen, die im Sommer täglich im Freibad sind, wirklich an die Ybbs lotsen will, dann steht uns eine ökologische Katastrophe bevor. Die Folgen für das gesamte Ökosystem Ybbs, für alle Pflanzen und Tiere, wären nicht absehbar. Eine ökologisch derart unvernünftige Vorgehensweise muss unbedingt verhindert werden“, schildert SP-Stadtrat Bernhard Wagner.

„Schädlich für Umwelt“

Auch SP-Umweltsprecherin Birgit Kern schlägt in dieselbe Kerbe: „Ein Freibad wegzureißen und die Menschen mitten ins Natura-2000 Schutzgebiet zum Baden zu schicken, ist wirklich gedankenlos. Jeder, der schon einmal an einem schönen Sommertag am Ybbsuferweg unterwegs war, weiß außerdem, dass schon jetzt viele Menschen an der Ybbs ihre Zeit verbringen. Wenn man nun zusätzlich hunderte Menschen dorthin schickt, ist mit hohen Umweltbelastungen und vermehrter Verschmutzung zu rechnen. Das Abriss-Projekt für das Freibad ist also nicht nur für die Freizeitqualität, sondern auch für die Umwelt in Amstetten schädlich.“

Kritik an Grünen

Besonders sauer stößt es der Stadt-SPÖ auf, dass das neue Bäder-Konzept mit Badezone an der Ybbs von den Grünen unterstützt werde. „Die Planungen stehen den Ideen der Ybbs-Renaturierung diametral entgegen. Das Life-Projekt an der Ybbs ist die größte Umweltschutzaktion in der Region. Die Renaturierung und weitreichende Umweltschutzmaßnahmen haben dafür gesorgt, dass sich zahlreiche, teils gefährdete, Tierarten an der Ybbs angesiedelt haben“, so Wagner. Seit einigen Jahren lebe etwa eine Graugans-Kolonie genau dort, wo nun die Badeplätze geplant seien. Auch zahlreiche weitere Vogelarten und Fische seien an und in der Ybbs heimisch.

„Alle an einen Tisch“

„Außerdem ist die Ybbs selbst mittlerweile glasklar. All das würde wohl durch die neuen Pläne für das Bad vernichtet werden. Wie eine angebliche Ökopartei wie die Grünen ein drohendes Umwelt-Chaos unterstützen kann, ist wirklich unverständlich“, sagt Wagner. Deswegen fordere man einen Stopp der Planungen in dieser Form. Stattdessen sollten alle – von Badegästen über Vereine bis hin zu Schulen und Naturschutzorganisationen – an einen Tisch geholt werden, um über die Pläne zu sprechen.

Hörlezeder: „Keine Verschlechterung für Flora und Fauna“

„Selbstverständlich haben wir uns im Vorfeld detailliert Gedanken darüber gemacht, wie das Außenareal des Amstettner Bades in Zukunft aussehen und im Gesamten funktionieren soll. Dass es zu keiner Verschlechterung für Flora und Fauna an der Ybbs kommen darf und wird, ist für uns eine Selbstverständlichkeit“, reagiert Umweltstadtrat Dominic Hörlezeder von den Grünen. Es werde entlang der Ybbs zu keinen baulichen Veränderungen kommen und „klarerweise werde nichts gemacht, was im Widerspruch zu den Zielen des Life-Projektes steht“.

„Kein Umwelt-Chaos“

„Im Gegenteil, das Konzept wird die derzeit teils unkontrollierte Situation entlang des Ybbsufers wesentlich verbessern. Dafür sollen sowohl ein durchdachtes Abfallkonzept als auch das nötige Personal zur Kontrolle sorgen, das es derzeit nicht gibt. Das von der SPÖ heraufbeschworene Umwelt-Chaos wird also definitiv ausbleiben“ kontert Hörlezeder. Ein nachhaltiger Schutz der Umwelt sei nur dann sichergestellt, „wenn man bei den Menschen für das nötige Bewusstsein sorgt“. „Das erreicht man nicht, indem man ihnen die Vorzüge einer intakten Umwelt verwehrt“, so der Umweltstadtrat.

„Dringender Sanierungsbedarf“

Dass die Erneuerung des Amstettner Freibades „dringend nötig“ sei, unterstreicht die Stadtregierung in einer Aussendung:  „Ursache für den dringenden Handlungsbedarf sind vor allem die desolate Gebäudehülle des Hallenbades, schwere Mängel der Hygienebereiche, der verkeimte und defekte Naturteich und die Rutschen im Außenbereich“, so VP-Bürgermeister Christian Haberhauer.

„Gefahrenpotential Hallenbad“

Das größte unmittelbare Gefahrenpotential stelle die Statik des Hallenbades dar. Reinhard Walter, Leiter der Amstettner Bäder, erklärt: „Die Gebäudehülle ist bereits seit längerer Zeit eines der Hauptprobleme. Vor allem die Statik zwingt uns zum Handeln. Die Ursache liegt im desolaten Stahlgerüst, welches komplett erneuert werden müsste. Zusätzlich stellen uns das Flachdach, die Glaswände und die Beschattung vor Probleme.“

Sauna „stark veraltet“

Daneben seien die Umkleidekabinen im Innenbereich sowie die über 35 Jahre alte Sauna bereits „stark veraltet“ und sollten erneuert werden. Die bekannten Mängel könnten dazu führen, dass seitens der Bezirksverwaltungsbehörde eine Schließung drohe.

„Problemzone Außenbereich“

„Auch die Rutschen im Außenbereich bedürfen einer Sanierung und sind abbruchreif. Das Kinderbecken hat sich durch Erdsenkung versetzt und die Beckenrandsteine sind defekt. Da das Wasserniveau im Naturteich zu seicht ist, musste der Sprungturm bereits vor Jahren gesperrt werden“, so Bürgermeister Haberhauer.

Verkeimung des Wassers im Badeteich

Auch die Verkeimung des Wassers im Badeteich durch Entenkot und andere Einträge stelle die Verantwortlichen vor eine „große Herausforderung“. „Da in einem Naturteich keinerlei Chemie verwendet werden darf, ist die Entkeimung eines Naturteichs nahezu unmöglich“, erklärt Walter. Darüber hinaus mussten die Randbereiche beim Naturteich im Vorjahr aufgrund größerer Wasserverluste komplett erneuert werden. „Die Wasserverluste betrugen in einer Badesaison rund zwölf Millionen Liter Wasser. Auch die Rutschen sind akut sanierungsbedürftig. So hat der Wartungsdienst bereits angemerkt, dass die 1988 in Betrieb genommene, gelbe Röhrenrutsche jetzt am Ende ihrer Nutzungsdauer ist. Die Schalen sind stark abgenutzt und vor allem aufgrund der Statik besteht Handlungsbedarf“, so Walter. Auch die blaue Breitrutsche weise eine spröde Oberfläche auf. Das Kostenvolumen zur Sanierung der Rutschen sei „sehr hoch“.

SPÖ lud zu digitalem Stammtisch

Die SPÖ Amstetten lud, wie immer am ersten Donnerstag des Monats, zum digitalen Stammtisch. Dieser stand diesmal ganz im Zeichen der Pläne für das Freibad. „Die Resonanz beim digitalen Stammtisch am Donnerstag zeigt ganz klar, dass sich die Menschen beim Thema Badsanierung aktiv einbringen wollen. Sowohl Vertreter von Vereinen, als auch langjährige Saunageher und Badegäste brachten sich aktiv in die Diskussion ein und schilderten ihre Wünsche für die Badsanierung“, erklärt SP-Vizebürgermeister Gerhard Riegler.

Verschiedenste Ansätze diskutiert

Dabei seien verschiedenste Ansätze diskutiert worden, wie die vorhandenen Finanzmittel bei der Badsanierung optimal eingesetzt werden könnten. „Einige Dinge waren dabei für alle Teilnehmer klar. So waren wir uns alle schnell einig, dass ein Abriss der Rutschen und Becken im Freibad nicht in Frage kommen darf. Außerdem muss die Natur an der Ybbs geschützt werden, denn die Ybbs darf nicht als Alternative zum Bad verkauft werden“, so Riegler.

Außenbecken mit Überdachung im Winter

Besonders freue sich der Vizebürgermeister über neue Ansätze zur Badgestaltung, die verschiedene Vorteile mit sich brächten. Riegler: „So ist etwa die Idee eines zusätzlichen Außenbeckens, das im Winter mit einer Traglufthalle überdacht werden kann, aufgekommen. Diese Idee sollte auf jeden Fall weiter diskutiert werden“.



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