Martins Adventkalender geht weiter: 24 Textteile werden zu einer Geschichte
ARNREIT. Nicht nur mit Schokolade kann man einen Adventkalender füllen, sondern auch mit Worten. Genau das macht Maria Köchler, Studentin der Linguistik an der Uni Salzburg: Sie verkürzt bereits zum dritten Mal mit „Martins Adventkalender“ die Wartezeit bis Weihnachten - wobei sich heuer 24 Textteile zu einem Ganzen zusammenfügen.

Das Schreiben und das Spielen mit Worten macht der jungen Arnreiterin einfach Freude. Mit ihrem Online-Adventkalender möchte sie diese Freude teilen und sich gleichzeitig der Kritik der Leser stellen. Begonnen hat sie damit vor drei Jahren mit Geschichten vom Buben Martin, die speziell für Kinder gedacht waren. Ein Jahr später erschloss sich Maria Köchler mit experimentellen, tiefgehenden Gedichten eine neue Leserschar. Und heuer widmet sie sich ganz der Prosa. „Unter dem Titel 'Seelenfeuer' wird in den 24 Tagen bis Weihnachten auf meinem Blog jeden Tag ein Teil einer Geschichte zu lesen sein“, lädt sie zum Mitlesen ein.
Thematisch spielt Seelenfeuer mit dem Übergang zwischen Realität und Fiktion, Übersinnlichem und Wirklichkeit. Der erste Beginn des Textes liegt schon einige Jahre zurück, verrät Maria: „In meiner Gymnasialzeit in Rohrbach habe ich den Kern der Geschichte erfunden und seither immer wieder daran gearbeitet.“ Für den diesjährigen Online-Kalender hat sie die Geschichten erneut überarbeitet und ihr den vorerst letzten Schiff gegeben.
Gähnend streckte sie sich genüsslich und drehte sich auf die andere Seite, bereit, noch einmal einzuschlafen und erneut ins Reich der Träume zu gleiten. Doch irgendetwas hinderte sie daran. Das Bild vor Lauras Augen verschwamm, an seine Stelle trat eine verzerrte Landschaft, geisterhaft und nicht klar zu erkennen. Ergeben richtete sie sich auf und schüttelte ihren Kopf um sich der Realität zu stellen. Das Wochenende war vorbei und eine neue Woche lag noch unberührt vor ihr. Wohl oder übel musste sie zurück in den Studienalltag, der ihr Freude bereitete, im jetzigen Moment jedoch zuwider war, wollte sie ihren Schlaf doch noch länger genießen. Nach einem weiteren Gähnen schlug Laura die Bettdecke zurück und glitt mit ihren Füßen in die weichen Hauspantoffel, die vor dem Bett bereit standen, bevor sie an das kleine Fenster trat, das ihr eine herrliche Aussicht auf die Außenwelt bot. Heute war nicht sehr viel zu sehen, denn über die Schneelandschaft hatte sich feuchter Nebel gelegt, nur die Spitzen der Tannen des Waldes, den sie seit ihrer Kindheit geheimnisvoll und anziehend gefunden hatte, ragten hervor. Ein kleines Lächeln umspielte ihre Lippen, denn sie liebte es, aus diesem Fenster zu sehen und zu beobachten, selbst wenn es nichts zu beobachten gab; in ihr weckte es jeden Morgen neu das Gefühl, träumen zu dürfen, ohne Rechtfertigung ablegen oder sich eingestehen zu müssen, dass sie sich selbst nur etwas vormachte...
So beginnt der erste Teil von Maria Köchlers Geschichte „Seelenfeuer“, die seit gestern im Netz zu finden ist. Wer von der spannenden Geschichte durch den Advent begleitet werden will, kann diese auf martinsadventkalender.wordpress.com abrufen. Die junge Schriftsteller freut sich nicht nur über viele Leser, sondern auch über Rückmeldungen und Kommentare.
Warum das Ganze übrigens Martins Adventkalender heißt, liegt in Marias Kindheit: Ihr Vater hat sich für Maria und ihre beiden Geschwister Gute-Nacht-Geschichten rund um den Buben Martin ausgedacht und daran wollte sie anschließen.


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