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BEZIRK BRAUNAU. Über ein Jahr Pandemie hat auch die Arbeit der Feuerwehren nachhaltig verändert. Für große Aufregung sorgte zuletzt die Zurückreihung der Feuerwehrler bei der Impfkampagne. Auch sonst müssen die Kameraden weiter mit vielen Einschränkungen leben und Ausfälle verkraften. Der Bezirksfeuerwehrkommandant Josef Kaiser nimmt im Tips-Interview Stellung zu den aktuell wichtigsten Themenfeldern.

Bezirkfeuerwehrkommandant Josef Kaiser Foto: Manfred Fesl
Bezirkfeuerwehrkommandant Josef Kaiser Foto: Manfred Fesl

Tips:Über ein Jahr Corona - wie geht es den Feuerwehren im Bezirk Braunau derzeit?

Josef Kaiser: Das große fehlende in den Mannschaften ist die kameradschaftliche Komponente, die immer im Zusammenhang mit Schulungen, Ausbildungen und Übungen entsteht. Das heißt ein wichtiger Faktor, der neben dem Helfen von in Not geratenen Mitbürgern, als wichtig eingeschätzt wird. Motivations- und Bindungsfaktoren für unsere sehr wichtige Feuerwehrtätigkeit erfahren dadurch keinen Steigerungseffekt. Viele unserer Führungskräfte wie Feuerwehrkommandanten, Zugs- und Gruppenkommandanten, Jugendbetreuer haben sich mit großer Sorgfalt auf die neuen Risiken, ausgelöst durch das Virus, umgestellt. Wir haben gewaltige Schritte in der Online Aus- und Fortbildung gemacht. Zudem wurde auf Grund der wesentlich erhöhten Anforderungen an Hygienemaßnahmen im täglichen Einsatzgeschehen, die Ausbildungs- und Übungssequenzen kurzfristig den Anforderungen angepasst. Aus den Statistiken des Jahres 2021 ist bei der Jugend eine markante Abnahme der Eintritte in die Feuerwehrjugend zu verzeichnen. Das wirkt sich in den nächsten Jahren, ja vielleicht Jahrzehnten hindurch aus. Die Friedenslichtübergabe unter dem Motto: „Das Licht ist stärker als das Virus“ war ein Highlight zum Jahresabschluss 2020. Auch wenn es nur in kleinstem Kreis an den Brücken zu unseren Nachbarn und Feuerwehrkameraden nach Bayern übergeben werden konnte, so war es ein klares Sinnbild für die Gemeinsame Welt der Zukunft. Für heuer stehen Leistungsprüfungen in Kleingruppen (bis zu neun Teilnehmer) im Fokus um das Ausbildungsniveau und die Motivation hochhalten zu können.

Tips:Seit wann dürfen wieder Schulungen stattfinden?

Kaiser: Übungen und Schulungen sind eine unserer wichtigsten substanziellen Grundlagen um Einsätze zum Wohle unserer Angehörigen, Freunde, Bekannte und aller Mitbürger leisten zu können. In Kleingruppen mit bis zu neun Feuerwehrkameraden können wir unter Einhaltung strengster Hygienemaßnahmen in vielen Zeitabschnitten den Ausbildungs- und Übungsbetrieb aufrechterhalten. Allerdings gerade in Zeiten von kritischer Inzidenzentwicklung in unserem Bezirk wurden von den Feuerwehren keine Ausbildungstermine durchgeführt.

Tips:Ist die Zahl der Einsätze im Bezirk im Vergleich zurück gegangen oder gleich geblieben?

Kaiser: Die Einsatzzahlen sind im Jahr 2020 in Summe um etwa elf Prozent zurückgegangen. Der Rückgang ist bei Bränden stärker als bei den Verkehrsunfällen. Ganz beachtenswert ist, das im Jahressschnitt alle 3,5 Stunden eine Feuerwehr in unserem Bezirk zu Notfällen oder zur Katastrophenhilfe alarmiert wurde. In allen Feuerwehren leisten diese Einsätze die Feuerwehrler ausschließlich als freiwillige Kräfte und nicht in beruflicher Ausübung.

Tips:Stichwort Covid-19-Impfung: Die Feuerwehren wurden bei der Impfung wieder zurück gereiht. Wie habt ihr auf diese Nachricht reagiert?

Kaiser: Es war und bleibt ein schwerer Schlag, den die Bundesregierung den Einsatzkräften hier auferlegt hat. Es wäre hier ausschließlich Einsatzpersonal geimpft worden, die sich gerade tagtäglich zur freiwilligen Hilfeleistung bereiterklären, um etwa verunfallte Mitbürger aus den Fahrzeugen zu befreien. Dies sind Situationen, die sehr viel Nähe zu den Verunfallten erfordert und hierbei natürlich ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht. Dankenswerter Weise können wir nun auf Grund von ausbleibendem Impfinteressenten in unserem Bezirk sogenannte „Restdosen“ als Impfmöglichkeiten in Anspruch nehmen und wir sind höchst motiviert „jeden Stich“ zu nutzen, um wieder in eine gewisse „Normalität“ zurückkehren zu können. Jede freie Impfdose wird genutzt, hierbei unterstützt uns das Rote Kreuz bestens und wir sagen ihnen und unserem Bezirkshauptmann Gerald Kronberger herzlichen Dank für diese Entwicklungsphase.

Tips: Wie sieht es mit den Jahreshauptversammlungen aus?

Kaiser: Jahreshauptversammlungen und die Bezirks-Feuerwehrtagung müssen im Regelfall jährlich ausgeführt werden. Wir haben für das Jahr 2020 und voraussichtlich auch 2021 per Verordnung des Landes OÖ eine Ausnahmeregelung, um keine dieser Veranstaltungen abhalten zu müssen. In dieser Notsituation wurden durch innovative Schritte diese teilweise als Onlineveranstaltungen abgehalten. Diese Veranstaltungen als Videokonferenz sind in der aktuellen Situation eine gute Möglichkeit Kontakt zu halten, jeder sehnt sich allerdings wieder nach Präsenzveranstaltungen.

Tips: Wie geht es den einzelnen Feuerwehren finanziell, denn Feuerwehrfeste dürfen ja seit über einem Jahr ebenso nicht stattfinden?

Kaiser: Das Feste, Veranstaltungen und Feierlichkeiten nicht abgehalten werden können wirkt sich markant negativ auf das Feuerwehrwesen aus. Finanzielle Einnahmen, die aus Veranstaltungen erarbeitet werden konnten, wurden in vollem Umfang wieder den Mitbürgern in Form von Anschaffungen im Sinne der kontinuierlichen Stärkung der Einsatzabwicklung eingebracht. Die Eigenleistungen werden in Zukunft wesentlich rückläufig sein, das heißt aber auch das zur Erhaltung der Schlagkraft einer Feuerwehr unsere Gemeinden, Städte und das Land OÖ vermehrt Aufwendungen dazu vorhalten müssen.

Tips:Die Jugendgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Aching konnte beim österreichweiten „Help mobile FF Award“ den hervorragenden zweiten Platz gewinnen. Was sagst du zu diesem tollen Erfolg?

Kaiser: Teilgenommen hatten 32 Feuerwehren aus ganz Österreich, die Siegerehrung fand coronabedingt virtuell statt. Hierbei konnte von Andrea Pichler, Geschäftsführerin von HELP mobile und dem Präsidenten des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes Albert Kern an Kommandant Österbauer ein Preisgeld von 1.500 Euro sowie ein gläserner Pokal überreicht werden. Wir gratulieren insbesondere der Jugendgruppe der FF Aching zu diesem tollen Erfolg.


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