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BRAUNAU. Hannes Waidbacher sen. prägte jahrzehntelang das Braunauer Stadtgeschehen. So schrieb er als „Roaser“ wöchentlich die Kolumne „Standlroas“. Zu seinem 85. Geburtstag ging er in die Standlroas-Pension.

Hannes Waidbacher schrieb jahrelang über die Braunauer Märkte. (Foto: Tips/Senzenberger)
Hannes Waidbacher schrieb jahrelang über die Braunauer Märkte. (Foto: Tips/Senzenberger)

„Jo grias di Hannes“, hört man von allen Seiten, wenn man mit Hannes Waidbacher in der Stadt unterwegs ist. Vor allem auf den Braunauer Märkten ist er allseits bekannt, denn nicht nur schrieb er fleißig über die „Standler“, sondern war auch an der Gründung des Bauernmarktes maßgeblich beteiligt. Mit den meisten Kundschaften ist er per Du, mit den Standlern und Bauern sowieso. Mit vielen entwickelte sich in all den Jahren eine gute Freundschaft.

1989 wurde der Braunauer Bauernmarkt gegründet. Gründungsmitglieder waren einige bekannte Bauern, darunter auch ehemalige Schüler von Waidbacher, der vor seiner „Standlroas-Karriere“ Lehrer an der Landwirtschaftlichen Fachschule Burgkirchen war. „Sie fragten mich um Hilfe. Daraufhin beschloss ich, jede Woche einen Artikel über den Markt zu schreiben“, erklärt Waidbacher. Er wurde Gründer und Geschäftsführer des Marktes und es entwickelte sich die „Standlroas“.

Das Schreiben war schon immer etwas, dem er gerne nachging. „Schon während des Studiums schrieb ich zum Leidwesen der Professoren viel mehr, als verlangt wurde“, erzählt Waidbacher. Sein Onkel versorgte ihn mit Büchern. „Mit elf Jahren habe ich schon die Arbeiterzeitung gelesen – ich habe alles gelesen, was mir unter die Finger kam.“ Noch jetzt hat er zahlreiche Bücher auf seinem Nachttisch liegen und schreibt für die Absolventenzeitung der Fachschule.

Vielfach gefragt

Prägend für sein Leben waren neben dem Schreiben auch seine vielen Freundschaften. Sie führten immer wieder zu neuen Tätigkeiten, denn seine Hilfe war gefragt. So kam es dazu, dass er eingeladen wurde, bei der Gruppe „Braunau kreativ“ mitzumachen. Feste wurden organisiert, der Christkindlmarkt am Kirchenplatz und das Stadtfest wiederbelebt und er wurde Obmann des Braunauer Veranstaltungsvereins.

Steile Karriere

Auch in anderen Bereichen legte er eine steile Karriere hin. Eines ergab das andere, er wurde Mitglied des Vereins für Zeitgeschichte und wurde in den Vorstand aufgenommen. Er war Geschäftsführer des Absolventenverbands der Fachschule Burgkirchen und Vorstandsmitglied des Museumsvereins. Außerdem wurde er Obmann des Finanzausschusses der Pfarre Braunau. Dieser Job war mit vielen Baumaßnahmen in der Stadtpfarrkirche und Martinskirche verbunden. Wie er so ist, packte er immer selber mit an. „Mir ist wohl der schlechte Ruf vorausgeeilt, dass ich auch wirklich daran arbeite, das umzusetzen, was ich mir vornehme“, schmunzelt er. Für seinen langjährigen Einsatz wurde er unter anderem mit der Severin-Medaille ausgezeichnet.

Die Begegnung auf Augenhöhe war ihm immer wichtig – auch als Lehrer. „Ein gutes Verhältnis zu den Schülern ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Dieser Zugang zu den Schülern half ihm nicht nur einmal, dass so manche Schülerstreiche wie gestohlene Maibäume oder Schneestangen doch noch in Wohlgefallen aufgelöst werden konnten. Dabei lehrte er nicht nur an der Fachschule. Er war auch Skilehrwart und brachte in seiner Freizeit unzähligen Menschen das Schwimmen bei.

Improvisationstalent

Dass Waidbacher seine zahlreichen Tätigkeiten und Funktionen unter einen Hut bringen konnte, liegt ihm zufolge an seiner Risikobereitschaft und seinem Improvisationstalent: „Ich habe immer relativ strukturiert gearbeitet – und wenn der Druck größer wurde, wurde meine Arbeit immer besser.“ Entscheidend waren für ihn aber immer auch die Unterstützung und das Verständnis seiner Familie. Für ihn ist eines klar: „Wichtiger sind Tage voller Leben als ein Leben voller Tage.“


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