Mehr als 2.200 Innviertler traten 2023 aus der katholischen Kirche aus
INNVIERTEL. Die katholische Kirche kämpft mit anhaltend hohen Austrittszahlen. 2.252 Innviertler traten 2023 aus der katholischen Kirche aus, davon 980 Personen aus dem Bezirk Braunau. Tips spricht mit Gert Smetanig, Pfarrer der Pfarre Braunau und Michael Münzner, Leiter des Bereichs Kommunikation der Diözese Linz über die Ursachen der Austritte, Maßnahmen gegen den Austrittstrend und über die Auswirkungen auf die kirchlichen Strukturen.

Der anhaltende Rückgang der Katholikenzahl im Bezirk Braunau zeigt sich auch im Jahr 2024 deutlich. Wie Zahlen mit Stichtag 1. Jänner 2024 belegen, zählt die römisch-katholische Kirche im Bezirk Braunau noch 67.299 Mitglieder. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem es noch 68.362 Katholiken waren, sind das 1.063 Gläubige weniger. Besonders auffällig ist die Zahl der Kirchenaustritte: 2023 verließen 980 Personen die katholische Kirche im Bezirk Braunau. Dies stellt zwar einen Rückgang gegenüber 2022 dar, als noch 1.073 Menschen austraten, zeigt aber dennoch, dass die Austrittszahlen weiterhin auf einem hohen Niveau bleiben.
Auf der anderen Seite entschieden sich im vergangenen Jahr 28 Personen, der Kirche wieder oder neu beizutreten. 2022 fanden 39 Personen den Weg zurück in die katholische Kirche. „Wir müssen uns als Pfarre noch mehr überlegen, wie wir als Kirche vor Ort für die Menschen da sein können. Wir müssen noch mutiger sein, neue Wege auszuprobieren und Dinge, die vielleicht in den letzten 30 Jahren gut gelaufen sind, wieder loszulassen. Die Wege von gestern müssen nicht die Wege von morgen sein“, sagt Gert Smetanig, Pfarrer der Pfarre Braunau.
Die Ursachen für die Kirchenaustritte sind laut Michael Münzner vielfältig: „Oftmals sind es negative Erfahrungen mit Personen der Kirche, Missverständnisse in Bezug auf kirchliche Positionen oder schlichtweg eine über Jahre lockerer gewordene oder zerbrochene Verbindung zur eigenen Pfarrgemeinde.“ Einen genauen Überblick über die Austrittsmotive gibt es nicht, da der Austritt bei staatlichen Behörden ohne Angabe von Gründen erfolgt. Dennoch lässt sich feststellen, dass die gesellschaftliche Selbstverständlichkeit, Teil der Kirche zu sein, gesunken ist. „Umso mehr gewinnt die bewusste Entscheidung für den christlichen Glauben bei jenen an Bedeutung, die der Kirche treu bleiben“, fügt er hinzu.
Neben gesellschaftlichen Veränderungen spielen auch innerkirchliche Krisen wie Missbrauchsskandale oder das Unverständnis für manche kirchlichen Positionen eine Rolle. Die Kirchenaustritte sind zudem Ausdruck eines größeren gesellschaftlichen Trends. „Menschen wenden sich zunehmend von Institutionen ab“, erläutert Münzner. Hinzu kommen wirtschaftlich schwierige Zeiten, die viele dazu bringen, ihre Ausgaben zu hinterfragen. Der Kirchenbeitrag wird in diesem Kontext immer wieder als Belastung wahrgenommen, obwohl in Gesprächen mit den Kirchenbeitragsstellen oft Lösungen gefunden werden könnten.
Maßnahmen gegen den Austrittstrend
Die Kirche reagiert auf diese Entwicklung mit einer Vielzahl von Maßnahmen, um die Bindung zu den Gläubigen zu stärken und neue Kontaktpunkte zu schaffen. Besonders wichtig ist der Kirche, im Alltag der Menschen präsent zu bleiben. „Die neue Pfarrstruktur zielt darauf ab, dass die Kirche in den Pfarrteilgemeinden lebendig bleibt,“ betont der Kommunikationsverantwortliche. Neben der klassischen Seelsorgearbeit spielt auch die Kinder- und Jugendarbeit eine zentrale Rolle. Über Einrichtungen wie die Telefonseelsorge oder Krisenseelsorge steht die Kirche zudem Menschen in schwierigen Lebenssituationen zur Seite. Um auch jene zu erreichen, die kaum noch Berührungspunkte mit der Kirche haben, wurde das „Grüß Gott!“-Magazin ins Leben gerufen, das zweimal jährlich an alle Haushalte in Oberösterreich verschickt wird. „Mit diesem Magazin wollen wir auf ansprechende Weise vermitteln, was Christsein im Alltag bedeutet“, erklärt Münzner. Auch moderne Formen der Seelsorge, wie etwa die „Festivalseelsorge“, bei der Seelsorger auf Festivals mit Jugendlichen ins Gespräch kommen, sind ein Zeichen für das Bemühen der Kirche, neue Wege zu gehen.
Auswirkungen auf kirchliche Strukturen
Die anhaltend hohen Kirchenaustritte haben auch konkrete Auswirkungen auf die kirchlichen Strukturen. Weniger Einnahmen bedeuten, dass die Kirche Sparmaßnahmen ergreifen muss, wie die Schließungen von Einrichtungen.


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