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Für Fledermäuse, Wildbienen, Kröten und Co.: Schutzprojekte im Bezirk Braunau

Theresa Senzenberger, 18.07.2023 18:33

BEZIRK BRAUNAU. Bekassinen im Ibmer Moor, Fledermäuse in der Wallfahrtskirche Maria Schmolln oder Waldrappen im benachbarten Burghausen: All diese Tierarten stehen in der Region unter Schutz. Doch der Artenschutz umfasst im Bezirk Braunau sehr viel mehr, wie Gerald Neubacher von der Abteilung Naturschutz des Landes Oberösterreich berichtet.

Ein seltenes Insekt: die im Ibmer Moor heimische Sumpfschrecke (Foto: Eileen KUmpf/stock.adobe.com)
Ein seltenes Insekt: die im Ibmer Moor heimische Sumpfschrecke (Foto: Eileen KUmpf/stock.adobe.com)

Im Bezirk laufen viele Artenschutzprojekte. So wurden oder werden vom Land OÖ unter anderem folgende Tiere geschützt: Fledermäuse, Edelkrebse sowie verschiedene Vögel, Amphibien, Kleinsäuger, Kleinfische und Rundmäuler. Im Reich der Insekten sind diverse Käfer, Heuschrecken, Tag- und Nachtfalter, Kamelhalsfliegen und Libellen geschützt. Aber auch Farn- und Gefäßpflanzen, Flechten und Moose stehen unter Schutz. „Aktuell befinden sich noch die Projekte Heuschrecken und Pilze in Bearbeitung“, erklären die Experten der Naturschutzabteilung.

Schutzgebiete und Betreuung

Wie läuft nun ein Artenschutzprojekt ab? In zwei Etappen: Zuerst werden jene Flächen in der freien Natur gesucht, in denen die am stärksten gefährdeten Arten vermutet werden. „Je nach Ausgangslage wird dann versucht, diese vertraglich zu sichern, bestehendes Management zu optimieren oder es werden in seltenen Fällen auch Schutzgebiete angestrebt – alles im Einvernehmen mit dem Grundbesitzer“, sagt Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ).

Die zweite Etappe sind die laufenden Maßnahmen. Ein Großteil der gefährdeten Arten befindet sich auf Wiesen, Weiden, Waldrändern, kleinen Stillgewässern und auch auf Äckern. Vor allem die ersten drei benötigen eine laufende Bewirtschaftung, beispielsweise durch Beweidung, und Betreuung. Hierzu stellt die Naturschutzabteilung Naturraummanager zur Verfügung.

Für die Naturschutzexperten sind alle Arten gleich wichtig und schützenswert. „Hervorzuheben ist sicher der Umstand, dass Oberösterreich, im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern, als einziges Bundesland eine umfassende Artenschutzstrategie, die nahezu alle Artengruppen umfasst, entwickelt hat und seit dem Jahr 2010 konsequent umsetzt.“ Seitdem wurden in 2.827 Ökoflächen Zielarten erfasst. „Der Großteil dieser Flächen wird in der einen oder anderen Weise vom Naturschutz betreut oder steht zumindest unter ‚Beobachtung‘.“

6.000 Kröten gesammelt

Eine Besonderheit im Bezirk Braunau sind zum Beispiel die vielen Helfer, die sich zum Schutz von Kröten einsetzen. Heuer wurden im Bezirk rund 6.000 Kröten gesammelt und über die Straße zu einem Gewässer getragen. In sieben Gemeinden holten sich dazu Freiwillige Amphibienzäune von der Bezirkshauptmannschaft, um die Tiere damit abzufangen. In der Gemeinde Lengau gibt es dazu sogar eine aktive Gruppe, die sich für den Krötenschutz stark macht.

Wer ebenfalls mithelfen möchte, kann sich bei der Abteilung Naturschutz beraten lassen. Wenn ein Schutz bei Problemstrecken erforderlich ist, werden die Kosten von Material, insbesondere der Zäune, übernommen. „Die Betreuung ist hier durch die Bezirkshauptmannschaft und Johann Reschenhober vorbildhaft“, lobt Haimbuchner.

Nur wenige Restflächen

Der Artenschutz ist auch notwendig. Denn: „Es gibt in praktisch allen Gruppen, ob Tier, Pflanze oder Pilz, Arten, die aufgrund enormer Lebensraumverluste während der letzten Jahrzehnte akut vom Aussterben bedroht sind“, so Neubacher. Zwar gelinge es dem Land, für fast alle wichtigen Flächen mit Vorkommen bedrohter Arten Verträge mit den Besitzern zu machen oder andere Möglichkeiten zu finden, um die dortigen Arten zu sichern.

„Doch Vorsicht bei Aussagen wie ‚na dann ist ja eh alles in Ordnung‘: Dass es uns so halbwegs gelingt, die vorhandenen Flächen mit seltenen Arten vorläufig zu sichern, hängt vor allem damit zusammen, dass wir in den vergangenen 70 Jahren mindestens 95 Prozent ihrer Vorkommen verloren haben. Mittlerweile gibt es so wenige davon, dass es relativ einfach ist, diese Restflächen im Blick zu haben.“

Für die Zukunft geplant ist daher eine dauerhafte Fortführung des Naturraum-Managements. Ob es für weitere Artengruppen, wie Wanzen, Spinnen und Weichtiere, konkrete Projekte zur Nachsuche geben wird, ist derzeit noch offen.

Pro Tag sterben 150 Arten aus

Obwohl schon viel für den Artenschutz getan wird, ist weiteres Engagement unumgänglich. Denn: „Biodiversität, als Artenvielfalt, garantiert nicht nur das Überleben von Tier-, Pilz- und Pflanzenarten, die in Lebensgemeinschaften teilweise sehr eng aufeinander angewiesen sind, sondern diese Artenvielfalt liefert auch die Lebensgrundlage für uns Menschen.“

Dennoch sterben laut einer WWF-Studie täglich global 150 Arten aus. „Viele dieser Arten kennen wir nicht einmal und wir wissen oft nicht, welche Aufgaben sie in ihren Ökosystemen haben. Nahezu alle Pflanzen, Pilze und Tiere leben in Abhängigkeit von und Wechselwirkung mit anderen Arten. Letztendlich auch der Mensch, der in und von der Natur lebt.“ Eines der bekanntesten Beispiele hierfür sind wohl bestäubende Insekten, auf die viele Pflanzen angewiesen sind. „Auch wenn es so etwas wie natürliches Artensterben gibt, müssen wir das vom Menschen verursachte Artensterben reduzieren beziehungsweise verhindern, weil wir nicht genau wissen, welche negativen Folgen dies für unsere eigenen Lebensgrundlagen und langfristig auch für spätere Generationen haben könnte.“


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