Sensible Lehrer: Tiere helfen Kindern beim Lernen fürs Leben

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Regina Wiesinger Regina Wiesinger, Tips Redaktion, 26.06.2018 18:00 Uhr

GUTAU. Die Freude an der Natur und an der Arbeit mit den Tieren möchte die Sozialkindergartenpädagogin Christina Gutenbrunner Kindern vermitteln. Am Dambachlerhof in Gutau können die Kleinen wachsen und lernen.

Die 23-Jährige bietet tiergestützte Pädagogik am Bauernhof an. Ihre Zielgruppe sind Kinder zwischen drei und sechs Jahren, mit oder ohne Beeinträchtigung. „Vor allem schüchterne und ängstliche Kinder sprechen sehr gut auf die Spielereien und Arbeiten am Bauernhof an“, berichtet Christina Gutenbrunner, die im November ihre Ausbildung beendet hat.

Selbstbewusstsein der Kinder wächst

Vor allem die Esel, Ziegen, Hühner, Kaninchen und Kühe sowie zwei Achatschnecken helfen Gutenbrunner mit den Kindern. Im Rahmen ihrer Abschlussarbeit durfte die Pädagogin bereits einen Buben beim Lernen am Bauernhof begleiten. „Es war wunderschön zum Anschauen, was aus ihm geworden ist. Sein Selbstbewusstsein ist enorm gewachsen und am Ende seiner Zeit bei mir führte er schon seine Kindergartengruppe am Hof herum und erklärte ihnen alles“, staunt selbst die junge Sozialkindergartenpädagogin.

Motorik und Selbstvertrauen

Eine Einheit mit dem Kind beträgt rund eine Stunde und findet ohne Eltern am Dambachlerhof statt. Empfohlen werden rund zehn Einheiten, mehr oder weniger je nach Kind. Geübt und aufgebaut werden zum Beispiel motorische Fähigkeiten, Fingerfertigkeit oder Selbstbewusstsein. Die Arbeiten und Spielereien mit und rund um die Tiere, wie Futter schneiden für die Hasen oder die Hühner und Kaninchen streicheln, helfen dabei.

Tiere als Lehrer

Die sensiblen Eseln fördern das Selbstvertrauen und die Willensstärke der Kinder. „Die Tiere spüren die innere Ruhe und Gelassenheit der Kleinen und reagieren darauf“, erzählt Gutenbrunner, die durch ihr Praktikum auf einem Betrieb mit heilpädagogischem Reiten auf die Esel gekommen ist.

Ihre fünf lustigen Ziegen lieben es, wenn ihnen die Kinder einen Parcours aufbauen und der Umgang mit ihnen erfordert großen Mut.

Auf die Kaninchen sprechen die jungen Besucher am ehesten an, vor allem die schüchternen. „Die Tiere sind leicht zugänglich und mögen Futterspiele. Dadurch fördern wir die Feinmotorik der Kinder beim Basteln und Futterschneiden.“

Die zwei Hühner und zwei Küken, die noch nicht lange am Hof leben, eignen sich besonders gut für eine Hühnermassage. „Wir streuen uns Körner auf die Beine und lassen die Hühner drüberlaufen. Das ist immer sehr faszinierend“, erzählt die Kindergärtnerin, die drei Tage in der Woche im Lebenshilfe-Kindergarten Freistadt arbeitet.

Die Rinder, die in Mutter-Kuh-Herden gehalten werden, dienen vor allem als Beobachtungstiere anhand derer die Kinder mehr über die Landwirtschaft und Rinderhaltung lernen können. Aber auch Arbeiten rund um die Tiere werden gemeinsam durchgeführt. „Die Themen Landwirtschaft, Natur, Tierhaltung laufen bei meinen Stunden mit den Kindern nebenbei mit. Mir ist es wichtig, ihnen die Grundkenntnisse darüber zu vermitteln.“

Die Pädagoging ist selbst auf einem Bauernhof groß geworden. „Ein Bauernhof bietet viele Möglichkeiten für Kinder mit großem Forscherdrang.“Ganz besonders viel Mut erfordern die zwei Achatschnecken, deren Häuser handflächengroß sind. „Die Vibrationen der Schnecken, die man auf der Haut spürt, beruhigen vor allem hyperaktive Kinder.“ Und dann gibt es natürlich noch die obligatorischen Bauernhofkatzen.

Hof mit vielen Möglichkeiten

Seit vier Jahren lebt Christina Gutenbrunner am Hof ihres Freundes Lukas Prückl, der sie und ihre Idee von Beginn an unterstützt hat. Prückl führt den Hof in Vollerwerb, die Mutter-Kuh-Haltung und die Vermarktung von Bio-Rindfleisch sind das Hauptstandbein des Hofs. Bruder Florien Prückl bietet die bekannten Schnäpse und Liköre der Dambachler-Brennerei an. Den Hof zu dem gemacht, was er jetzt ist, haben die Schwiegereltern von Christina Gutenbrunner. „Früher wurde Urlaub am Bauernhof angeboten, die Infrastruktur am Hof kann ich jetzt sehr gut für meine Arbeit mit den Kindern verwenden“, sagt Gutenbrunner, die sich für die kommenden Jahre viel vorgenommen hat. „Mein Ziel ist es, dass die tiergestützte Pädagogik nun gut anläuft und dass es viele Kinder in Anspruch nehmen. Auch Kindergartengruppen sind für Tagesausflüge gerne willkommen. Geplant ist auch, dass der Tierbestand noch wächst, aber alles Schritt für Schritt!“

 

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