Grünland-Bauern erleben in Sachen Ernte ein echtes Katastrophenjahr
BEZIRK FREISTADT. „Der Großteil der Bauern in der Region hat ein Katastrophenjahr hinter sich“, bringt es Johannes Gahleitner, Leiter der Bezirksbauernkammer Freistadt, auf den Punkt. Die Folgen der extremen Trockenheit des heurigen Sommers: Ernteertragseinbußen, Futterknappheit und erste Notverkäufe beim Vieh.

Mit 110 Millionen Euro (Stand Anfang September) beziffert die Hagelversicherung, die auch Dürreschäden abdeckt, den Gesamtschaden für die oberösterreichische Landwirtschaft bedingt durch die Dürre. Hinter dieser nüchternen Zahl verbergen sich zahllose Einzelschicksale betroffener Bauern. „Der nordöstliche Teil des Bezirks hat ein wenig mehr Regen abgekriegt als der Rest, für den Großteil der Bauern ist die Trockenheit aber katastrophal“, weiß Johannes Gahleitner. Während die Waldbesitzer mit dem Borkenkäfer kämpfen, verbuchen gerade Grünlandbetriebe mit vielen südseitig ausgerichteten Wirtschaftsflächen extreme Ernteausfälle.
Halbe Ernte verloren
„Dabei sprechen wir von 50 Prozent oder mehr, weil es bei schlechter Bodenbonität (Ertragsfähigkeit, Anm. d. Red.) schon beim ersten Aufwuchs Ausfälle gegeben hat. Bei Biobetrieben hat die Trockenheit wegen des Handelsdüngerverzichts noch gravierendere Folgen.“ Zahlreiche der rund 2.500 Mehrfachantragsteller im Bezirk sind dürreversichert. Wie sich im Vorjahr gezeigt hat (Tips hat berichtet), dürfte das Berechnungsmodell für die Versicherungsleistung jedoch noch nicht ausgegoren sein. Gahleitner: „Es gibt sicher eine Notwendigkeit, die Versicherung für den Grünlandbereich anzupassen.“ Eine Aussage, die Johann Hüttmannsberger, Ortsbauernobmann von Königswiesen, unterstreichen kann. „Voriges Jahr sind wir trotz ähnlicher Trockenheit aus der Hagelversicherung herausgefallen, heuer müssen wir erst die Berechnung der Langzeitperiode abwarten. Uns fehlt aber ein Gutteil der Ernte, auch deshalb, weil wir weniger oft gemäht haben, um den Boden vor der Sonne zu schützen. Wo Tiere auf der Weide waren, ist die Grasnarbe verbrannt.“
Trockenheit schädigt gleich mehrfach
Der fehlenden Erntemenge an Heu, Silage oder auch Silomais begegnen manche Landwirte bereits durch eine Reduzierung des Viehbestands oder durch Ankauf von Futtermitteln von weit her, deren Preise schon anziehen. „Die Trockenheit schädigt die Bauern also nicht nur in Form von weniger Ernteertrag. Der Verkauf von Vieh bedingt einen Preisverfall, Futterankauf wird teurer, und im Folgejahr muss für neue Tiere mehr bezahlt werden“, weiß Johannes Gahleitner.
Nächste Plage: Engerlinge
Als wäre das nicht genug, kündigt sich jetzt eine Engerling-Plage an. Die Larven des Maikäfers fressen Pflanzenwurzeln und lassen große Wiesenbereiche absterben. Es gibt zwar Versuche, den gefräßigen Bodenbewohnern mit Pilzgerste zu Leibe zu rücken, wirklich effektiv ist aber nur die mechanische Bekämpfung mit Fräse oder Kreisel-egge, die den Bauern dringend ans Herz gelegt wird. „Sonst haben wir 2019 eine noch größere Engerlingplage“, weiß der Leiter der Bezirksbauernkammer.


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