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Bad Zeller Forscher macht aus Klimakiller wertvollen Rohstoff 

Mag. Claudia Greindl, 08.04.2026 14:57

BAD ZELL/LINZ. Wenn vom globalen Treibhauseffekt die Rede ist, wird unweigerlich Kohlendioxid (CO2) als Sündenbock genannt. Der Wissenschaftler Wolfgang Schöfberger, er stammt aus Bad Zell, erforscht an der Linzer Kepler Uni, wie der Klimakiller CO2 in wertvolle, wiederverwendbare Rohstoffe zerlegt werden kann ganz unter dem Motto „Nur noch kurz die Welt retten“.

  1 / 2   Der gebürtige Bad Zeller Wolfgang Schöfberger (l., mit einem CO2-Modell) hielt auf Einladung der Unabhängigen Bürgerliste Bad Zell (UBBZ) einen Vortrag in Bad Zell. Rechts Manfred Hofko, Fraktionsobmann der Bürgerliste UBBZ (Foto: Claudia Greindl)

Um sein hochkomplexes Forschungsgebiet allgemein verständlich zu machen, holt Schöfberger weit aus. „Der Treibhauseffekt spielt sich in der untersten Schicht der Atmosphäre, der etwa zwölf Kilometer hohen Troposphäre ab“, so der Forscher. CO2 und andere Treibhausgase sammeln sich dort und absorbieren die Sonneneinstrahlung. Je mehr Treibhausgase vorhanden sind, umso weniger Wärme kann ins All abgestrahlt werden, die Temperatur steigt. „Wenn wir uns die Troposphäre als Badewanne vorstellen, die immer voller wird, hat nur noch eine gewisse Menge an CO2 dort Platz.“

Die Wanne geht über

Noch mehr Kohlendioxid lässt die Wanne quasi übergehen, das Pariser Klimaziel der Erderwärmung von maximal 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter kann nicht eingehalten werden. „Wir müssen also schleunigst was tun, um die erneuerbaren Energieträger hochzufahren“, so Schöfberger, der auch den Scientists for Future angehört. 

Photosynthese als Vorbild

Die Herausforderung, der sich der Wissenschafter mit seinem Team im Schöfberger Lab schon seit mehr als zehn Jahren stellt, ist die Umwandlung von CO2 in sinnvoll verwertbare Stoffe. Als Vorbild dient ihm dabei die Natur, konkret die Photosynthese der Pflanzen. Sie bilden, vereinfacht ausgedrückt, aus Wasser und CO2 mit Hilfe von Lichtenergie Glukose und Sauerstoff.

CO2 an der Quelle auffangen

Das Herausfiltern des Treibhausgases aus der Luft ist für menschliche Dimensionen allerdings nicht umsetzbar. „Obwohl es den Treibhauseffekt so stark anfeuert, ist CO2 in der Luft nur mit einer Konzentration von rund 400 parts per million enthalten, es wäre viel zu aufwendig, es herauszufiltern.“ Schöfberger und sein Team haben sich daher darauf spezialisiert, Kohlendioxid schon dort aufzufangen, wo es in großen Mengen entsteht, etwa bei den großen Emittenten in der Stahl- oder Zementindustrie.

Zerlegung in Kohlenstoffverbindungen

„Wir befeuchten das CO2 und führen Strom zu, es wird in elektrochemisch wertvolle, nutzbare Kohlenstoffverbindungen zerlegt“, erklärt der Forscher den Prozess für Laien. Die dazu notwendige Energie soll sinnvollerweise aus erneuerbaren Quellen stammen. Unter anderem entstehen bei diesem Prozess Methanol, Kohlenmonoxid, Ameisensäure oder Essigsäure. „Die Produkte der elektrokatalytischen Behandlung kann man in der chemischen Industrie weiterverwenden, als langfristigen Energiespeicher verwenden, als Kraftstoff oder für Biotechnologie“, erklärt Schöfberger.

Nur noch kurz die Welt retten ist unser aller Aufgabe

In seinem Labor funktioniert die Technologie, zu deren kostenintensiver Erforschung der österreichische Klima- und Energiefonds Mittel bereitstellt, mittlerweile einwandfrei. Partner aus der Wirtschaft sind sehr interessiert. Und doch: Wann das Verfahren industriell zum Einsatz kommen wird, darüber traut sich der Forscher keine Prognose abzugeben. Er appellierte jedoch an jeden einzelnen Besucher seines Vortrags, alles zu unternehmen, um das Klima zu schützen. „Nur noch kurz die Welt retten“ ist nämlich nicht nur Aufgabe der Wissenschaft, sondern zweifellos von uns allen.

Wolfgang Schöfberger 
besuchte nach der Pflichtschule in Bad Zell die HTL Wels und studierte danach Technische Chemie an der TU Graz. 2002 promovierte er am Institut für Chemische Technologie Organischer Stoffe. Nach Zwischenstationen in New York und in Nové Hrady (Südböhmen) habilitierte er sich 2012 im Fach Bioorganische Chemie. Er lehrt und forscht am Institut für Organische Chemie der Johannes Kepler Universität Linz. Im September 2021 erhielt sein Team den OÖ Landespreis für Innovation. 


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