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Konstantin Wecker: „Auch wenn du der Rose 20 Euro gibst, sie blüht darum nicht schöner!“

Daniela Toth, 01.01.2016 13:34

GMUNDEN. Konstantin Wecker ist am Samstag, 12. März, in der Stadthalle Gmunden zu Gast. Tips sprach mit dem Künstler über Revolutionen, die Kraft der Poesie – und über seine Zukunftspläne.

Konstantin Wecker kommt mit „Ohne Warum“ nach Gmunden. Foto: www.thomaskarstenPhotography.com

Tips: Ihre neue CD heißt „Ohne Warum“. Wie ist dieser Titel entstanden?

Wecker: Der Titel entstammt einem Gedicht, das ich als 15-Jähriger gelesen habe von Angelus Silesius: „Die Rose ist ohne Warum. Sie blühet, weil sie blühet. Sie achtet nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet.“ So verstehe ich Kunst: Was sich in einem formuliert hat, möchte nach draußen. Dazu braucht es keinen Grund, kein „Warum“. Vor über 40 Jahren habe ich ein Lied geschrieben, das das eigentlich vorweg nimmt: „Ich singe, weil ich ein Lied hab“ bedeutet dasselbe wie „Ich singe ohne Warum“.

Tips: Themen der neuen CD sind Krieg und Gewalt, in einem Lied fordern Sie eine „Revolution“. Wie ernst ist es Ihnen damit?

Wecker: Sehr ernst. Ich habe wirklich Bedenken, dass Europa einen gefährlichen, fast faschistoiden Kurs nehmen könnte: Wenn man sich ansieht, was in Frankreich passiert, in Ungarn, Polen – oder auch in Österreich. Man hat das Gefühl, die Faschisten machen sich breit. Und da sehe ich die Gefahr eines rechten Putschs. Ein Putsch kommt immer eher von rechts, eine Revolution von linken Freiheitsbewegungen. Daher spreche ich von einer Revolution. Ich spreche aber auch davon, dass wir uns mehr engagieren, mehr vernetzen müssen. Und schließlich: Warum soll man das Wort „Revolution“ nicht verwenden? Es ist ein schönes Wort.

Tips: Stand für Sie jemals im Raum, Politiker zu werden?

Wecker: Dazu wäre ich viel zu sensibel. Ich würde schon im ersten Jahr die Machtkämpfe im Kreisverband nicht durchstehen. Ich glaube, meine Begabung ist eher dieses Mystische: dass ich in mich hineinhorchen kann, dass ich Dinge schreiben kann, die ich selber noch nicht so genau weiß. Mit einer gewissen Sensibilität als Künstler kann man Dinge voraussehen, weil sie schon im Raum stehen. Das Lied „Vaterland“ aus dem Jahr 1979 beschäftigt sich zum Beispiel mit Neonazis – die gab es zu der Zeit noch gar nicht. Ein paar Jahre später sind dann die ersten aufgetaucht.

Die Rechten haben im Moment Oberwasser, weil sie mit den Ängsten der Menschen punkten. Es gibt Millionen, die sich freiwillig engagieren für Flüchtlinge. Diese Willkommenskultur gibt es immer noch, ich spüre das. Ich bekomme viele Anfragen für Konzerte, für Unterstützung. Meine Aufgabe als Künstler ist es, jenen Mut zu machen, die schwanken. Das ist überhaupt die Aufgabe der Kunst: den Menschen Mut zu machen.

Tips: Sie singen jetzt seit über 40 Jahre gegen Faschismus, Ungleichheit und Unmenschlichkeit. Was kann Musik bewirken?

Wecker: Ich habe vor zwei Jahren bei einem Konzert gesagt: „Wenn ich mit 19 angetreten bin, die Welt zu verändern, und sie mir heute anschaue, dann muss ich sagen: Ich war das nicht!“ Aber da kommen wir wieder auf das zurück, was ich vorher gesagt habe: Musik kann Mut machen, auch die Poesie. Man findet sich in Gedichten wieder – auch in denen von anderen Menschen. Das ist eine große Chance: die Menschen zum Nachdenken zu bringen, dazu, tiefer in sich hineinzugehen. Das ist heute ganz wichtig.

Tips: Sie haben viele treue Fans. Gibt es Versuche, auch ein jüngeres Publikum anzusprechen?

Wecker: So etwas wie eine Zielgruppe war bei mir nie im Fokus: In den 70ern hat jemand gesagt: „Da waren zwei Leute im Anzug bei dir – das geht ja gar nicht!“ Aber mir war immer schon klar: Ich habe Fans aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft, manchmal sind es nur einzelne. Der größte Verbreitungsgrad bei den Jüngeren geht bei mir über die Eltern und Lehrer. Viel passiert in den letzten Jahren über politische Internet-Posts. Die schreiben dann zum Beispiel: „Die Texte gefallen mir, aber die Musik ist nicht so meins.“ Aber, wenn sie dann ins Konzert kommen, kriege ich sie meistens. (schmunzelt)

Ich habe auf der Tour mit Cynthia Nickschas auch eine junge Sängerin mit – die gibt schon Gas. Das ist für mich mit 68 Jahren auch ein leichter Verjüngungsfaktor auf der Bühne: Wenn meine Stimme an die Belastungsgrenze kommt, lasse ich manchmal sie schreien. (schmunzelt)

Tips: Aber ein Rückzug ins Privatleben steht – trotz langer Karriere – noch lange nicht im Plan?

Wecker: Ich versuche, nicht zu den Künstlern zu gehören, die ihr Abschlusskonzert ankündigen und drei Jahre später rückfällig werden. Im Moment habe ich das Gefühl, dass es wichtig ist, seine Stimme zu erheben. Das macht auch Mut, wenn ich 1000 Leute vor mir habe, und ich sehe, ich bin mit meiner Meinung nicht allein. Wir stärken uns da gegenseitig, mein Publikum und ich.

Konzertinfos:

  • Termin: Samstag, 12. März, 20 Uhr (Einlass: 18 Uhr), Sporthalle
  • Karten: Infobüro Ferienregion Traunsee, Bürgerservicestelle Gmunden, Raiffeisenbanken, Volksbanken, Librofilialen, über Öticket; Zusendung per Post unter 0664/2119204; Online: www.aufgeigen.at

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