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GMUNDEN. Regionale Künstler fühlen sich zurzeit wenig geschätzt. Nicht nur die drohenden Einsparungen seitens der Landesregierung, auch das als desinteressiert wahrgenommene Verhalten kommunaler Entscheidungsträger verärgern Kulturschaffende wie Michaela Schausberger.

Sängerin und Perfomancekünstlerin Michaela Schausberger kann das Gmundner Desinteresse an der lokalen Kunst nicht verstehen. Foto: bysahlia

Die Gmundner Sängerin, Performancekünstlerin und Komponistin macht sich mit einem Leserbrief Luft (siehe Seite 4). Besonders verärgert ist sie, dass der finanziell ums Überleben kämpfende Kunst:Raum Gmunden seitens der Stadtgemeinde kaum Unterstützung erfahre. Dieser macht als Plattform die Aktivitäten regionaler Künstler bekannt, fördert diese, indem er sie bei der Suche nach Auftrittsmöglichkeiten unterstützt und miteinander vernetzt.

Kunst:Raum als Hilfe für regionale Kunstszene

„Ich selbst habe erfahren wie wertvoll die Arbeit des Kunst:Raum-Teams ist und wie sachkundig und empathisch es sich seiner Aufgabe widmet“, sagt Schausberger. Seit sich die ehemalige Musikschullehrerin vor eineinhalb Jahren selbständig gemacht hat, habe der Kunst:Raum mindestens fünf Mal geholfen, Auftritte zu ermöglichen. Eine Anlaufstelle wie der Kunst:Raum Gmunden werde gerade zu Beginn der Künstlerkarriere zur wertvollen Hilfe. Wie ihr ginge es vielen regionalen Künstlern. „Mir tut das Herz weh, wenn ich daran denke, wenn sie nicht mehr da sind. Da würde extrem viel Atmosphäre, Knowhow und Engagement verloren gehen“, so Schausberger.

Kaum Unterstützung von der Stadtgemeinde

Die Kosten für das Leader-Projekt betragen 225.000 Euro, 180.000 davon werden durch öffentliche Mittel (vor allem EU) gedeckt, für die restlichen 45.000 Euro sind die Projektträger selbst verantwortlich. Ein Betrag, der zunächst nicht klein erscheint, aber nur rund 0,1 Prozent des Gmundner Budgets ausmacht. Dennoch blieb die finanzielle Unterstützung durch die Stadt großteils aus. Mündlichen Zusagen und Bekundungen, sich „um Lösungen zu bemühen“, folgten kaum Taten. „Von der Stadt Gmunden haben wir seit Projektbeginn wie alle anderen Unternehmen in der Innenstadt eine Neugründung/Mietförderung bekommen. Heuer hat die Stadt ca. 700 Euro für den Veranstaltungskalender beigesteuert sowie zweimal die Versandkosten für den Veranstaltungskalender, der via Tourismusbüro verschickt wird“, so Kunst:Raum-Protagonistin Heidi Zednik.

Crowdfunding-Aktion als Ausweg

Die Kunstaktivisten haben daher eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen. Mit diversen Aktivitäten wie Privatkonzerten, Treffen mit Künstlern und Kunstwanderungen versuchte man zusätzliche Geldmittel zu lukrieren. Der Erfolg ist jedoch überschaubar. Von den angepeilten 20.000 Euro erreichte man trotz aller Bemühungen schlussendlich nicht einmal die Hälfte.

Kulturausgaben führen zu Wirtschaftswachstum

„Gmunden will sich als Kulturstadt positionieren und Teil der „Europäische Kulturhauptstadt 2024“-Bewerbung des Salzkammergutes sein, gleichzeitig tut man kaum was für die lokale Kunstszene – das ist für mich ein gewaltiger Widerspruch“, sagt Schausberger, die auf eine aktuelle regionalwirtschaftliche Analyse der Umwegrentabilita¨t der Kulturausgaben verweist. Die Studie habe ergeben, dass Kulturausgaben zu höherem Wirtschaftswachstum führe. Dafür ist die Künstlerin selbst ein gutes Beispiel: „Ich bin nach Gmunden gezogen, arbeite hier, zahle Steuern und Abgaben und fördere mit meinem Einkaufsverhalten die lokale Wirtschaft.“ Auch letztere sei gefordert, den „Kunst:Raum“ zu unterstützen, weil sie von zahlreichen zusätzlichen Veranstaltungen mitprofitiere.

Dass sie sich mit ihrem öffentlichen Ärger nicht nur Freunde machen könnte, ist Schausberger bewusst: „Ich nehme es in Kauf, vielleicht zu einer „persona non grata“ zu werden, aber mich ärgert einfach, dass das Potential der regionalen Kunstszene nicht erkannt wird.“ Ihre Wünsche ans Christkind werden wohl kaum in Erfüllung gehen. In der Vorwoche beschloss die Mehrheit im Gemeinderat das Budget 2018, das flächendeckend (außer im Sozialbereich) Einsparungen in allen Bereichen des Vereinswesens vorsieht.


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