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ALMTAL/GRÜNAU. Tourismus-Pionier Hermann Hüthmayr „reißt die Geduld“. Er hat 50.000 Euro in ein Corona-sicheres „Schi-Drive-in“ auf der Kasbergalm investiert – und durfte es den ganzen Winter über nicht aufmachen.

Hermann Hüthmayr Foto: ©Waldness
  1 / 2   Hermann Hüthmayr Foto: ©Waldness

Gleich zum Start des zweiten Lockdowns im November hat Hüthmayr losgelegt: ein „Schi-Drive-in“, mit drei Fenstern zum Bestellen, Zahlen und für die Ausgabe. Es gab Picknick-Boxen, eine ökologische Entsorgung und ein umfassendes Corona-Sicherheitskonzept mit Abstand, Maskenpflicht und extra modellierten Essplätzen – alles wie vorgeschrieben mindestens 50 Meter entfernt von der Hütte. Dazu organisierte Hüthmayr noch eine „Take-Away-Base“ mit Lenkungssystem über die Toiletten hinaus im Hochberghaus.

„Sogar Menüs hätte man punktgenau schon aus der Gondel heraus im Hochberghaus bestellen können,“ erzählt Hermann Hüthmayr. Doch obwohl die großen Fastfood-Ketten im Tal ihre Gäste genau auf diese Art bewirten dürfen, kam bei ihm ein „leider Nein“.

„Habe mich auf die Aussagen der Verantwortlichen verlassen“

„Es war als eine echte Innovation und als Vorzeigeprojekt für alle Skigebiete in Österreich gedacht. Dazu noch eine Investition von knapp 50.000 Euro,“ ist Hermann Hüthmayr schwer enttäuscht und fühlt ich gegenüber der Sytemgastronomie benachteiligt.

„Jetzt ist die Luft draußen bei mir. Seit 26. Oktober habe ich keinen Cent Umsatz mehr gemacht, keine Mitarbeiterin und keinen Mitarbeiter mehr gesehen. Keiner, weder die Politik noch unsere Standesvertretung in der Wirtschaftskammer, hat sich jemals die Mühe gemacht, die Praktiker über mögliche Vorgehensweisen bzw. machbare Umsetzung zu fragen“, schimpft Hüthmayr. „Ich habe mich auch auf die Frau Minister verlassen, als sie sagte, das „Take-Away“ sowohl im Tal wie auch am Bergerlaubt sein wird. Darauf habe ich meine Hoffnungen, meine positiven Aussagen gegenüber meinen Mitarbeitern und meine Investitionen ausgerichtet.“ Leider steht alles seit vier Monaten still – frischgebaut und organisiert. Und es wird auch in diesem Winter nicht mehr in Betrieb gehen. Davon ist Hermann überzeugt. „Ich sperre sicher nicht mehr auf bis März!“

„Spielwald“ wird als Toilette missbraucht

Hermann Hüthmayr (66) ist jetzt aber auch wütend! Nicht, weil sich die Skifahrer am Kasberg trotzdem bei seiner Hütte und beim Hochberghaus einfinden. „Bis zu 50 Personen an den Tischen im Freien sitzen unorganisiert zusammen – ohne Masken – und aus ihren Rucksäcken Mitgebrachtes in der Sonne essen und trinken. Wo sollen die auch hin? Auf der Terrasse läuft alles wenigstens ordentlich ab. In den von mir extra aufgestellten Mülleimern wird entsorgt.“ Aber: „Ihre Notdurft verrichten die Skigäste dann mangels Alternativen hinter dem Haus – in unserem Spielwald!“

„Wo bleiben die Praktiker unter den Politikern?“

Nun fragt sich Hüthmayr: „Wo sind die Praktiker unter den Politikern? Wo sollen die Menschen in den Skigebieten ihre menschlichen Bedürfnisse „erledigen“?“ Er wird jedenfalls nicht aufgeben, seinen Corona-gerechten „Grillwald“ wieder sauber bekommen und möglichst bald im Frühling wieder aufsperren – wenn erlaubt. Was ihm aber wichtig ist: dass sich jene, die Gesetze, Verordnungen und vor allem die Unterschiede machen, vorher mit den Praktikern besprechen, Innovationen zulassen und nicht uniform über alle drüberfahren.


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