Leserbrief aus Bad Ischl zur Diskussion Kinderbetreuungsarbeit
BAD ISCHL. Kurt Waldhör aus Bad Ischl findet, „zum Thema Kinderbetreuungsarbeit und Entgelt sollte vertiefend diskutiert werden und nicht reflexartig, ohne zuzuhören.“ Darum hat er Tips folgenden Leserbrief zukommen lassen:

„Kinderbetreuungsarbeit ohne Sonntagszuschlag, ohne Wochenende, ohne bezahlten Urlaub?
Warum wird nicht diese Fragestellung kritisch gewürdigt, sondern setzt unmittelbar nach einer – im Sinne des Selbstverständnisses der ÖVP – richtigen Beantwortung des Herrn Bundeskanzlers
(O-Ton, Bundeskanzler, entnommen aus www.krone.at/4247896: „Kinderbetreuung ist für mich keine unbezahlte Arbeit, weil Kinderbetreuung würde ich nicht als Arbeit sehen. Familie ist nicht in bezahlter Arbeit zu rechnen. Wenn wir Familien als Business Case sehen, wenn wir Familien als Rechenbeispiel begreifen, dann ist das ein anderes Familienbild als das, das ich habe. Familie ist Verantwortung für einander, Familie ist Ja zueinander zu sagen, Familie ist etwas zu tun, ohne etwas dafür zu bekommen. …l“)
eine hysterische Aufgeregtheit ein?“
„Niemand hat die Fragestellerin hinterfragt“
„Meiner Meinung nach hat dies federführend der ORF, der einen Informationsauftrag, jedoch keinen Meinungsauftrag hat, eingeleitet und dann sind alle anderen politischen Parteien über ihre Parteimedien auf „diesen Zug“ aufgesprungen.
Reflexartig wurde kommentiert, was so niemand gesagt hat, und niemand hat die Fragestellerin hinterfragt. Wenn jemand die Kinderbetreuung als „Arbeit“ ohne Zuschläge und Urlaube betrachtet (dass es um Erwerbsarbeit und um nichts anderes geht, hat auch die Präsidentin der AK verstanden, denn die AK vertritt definitionsgemäß gemäß § 1 des AKG die Arbeitnehmerinnen und nicht die, die unentgeltliche „Arbeit“ leisten.), sollte überlegt werden, welches Verständnis die Fragestellerin über Kindererziehung hat.“
„72 Stunden fehlen“
„In ihren weiteren Ausführungen hat die Fragestellerin auch die geleisteten Wochenstunden mit 96 Stunden pro Woche beschrieben. Eine Woche hat aber insgesamt 168 Stunden; es fehlen also 72 Stunden.
Wer kümmert sich in diesen verbleibenden Stunden um die Kinder? Werden diese 72 Stunden bezahlt? Das von der Fragestellerin und allen Kommentatoren gezeichnete Familienbild ist genau der Grund, warum die Geburtenrate so stark rückläufig ist. Dass Kinder trotz aller Mühen des Großwerdens ein unbezahlbares Geschenk sind, verstehen offensichtlich viele nicht und insbesondere die nicht, die sich bemüßigt fühlten, die richtigen Worte des Herrn Bundeskanzlers zu kritisieren.
Kindererziehung ist genauso mühsam, wie auf Antworten des Gegenübers zu hören und dem Gehörten den richtigen Wortsinn beizugeben. Nur weil jemand ein Wort verwendet, folgt nicht automatisch das nächste, und schon gar nicht, wenn es nie gesagt wurde, sondern der andere meint, es gehört zu haben, weil er es hören wollte.“
„si tacuisses, philosophus mansisses“
„Es wäre klug gewesen, die Fragen der Frau und die Antworten des Herrn Bundeskanzler unkommentiert zu lassen. Dazu gibt es ein altes lateinisches Sprichwort: „si tacuisses, philosophus mansisses“ (übersetzt: wenn du geschwiegen hättest, wärst du Philosoph geblieben).
Jeder soll sich sein eigenes Bild machen. Es bestand kein Grund, dass sich der Herr Bundeskanzler für eine Selbstverständlichkeit entschuldigt.“
von Kurt Waldhör, Bad Ischl








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