Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

WAIZENKIRCHEN. Denkmal oder Soldatengrab, Geschichtsverfälschung oder unpolitisches Totengedenken - Die Diskussion um die Grabstätte für 13 Waffen-SS-Soldaten in der Waizenkirchner Ortschaft Stillfüssing zog seine Kreise bis ins österreichische Parlament. SPÖ-Abgeordnete Sabine Schatz stellte eine Anfrage an Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) – seine Antwort liegt nun vor.

Eine rege Diskussion ist um das Soldatengrab in Stillfüssing entbrannt. Foto: LangS
Eine rege Diskussion ist um das Soldatengrab in Stillfüssing entbrannt. Foto: LangS

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs kamen 13 Waffen-SS-Männer in der Ortschaft Stillfüssing durch den Angriff amerikanischer Truppen ums Leben. Ihnen wurde ein Grab gewidmet. Um dieses ist in den vergangenen Monaten erneut eine rege Diskussion entbrannt.

Grab statt Denkmal

Durch eine parlamentarische Anfrage von SPÖ-Gedenksprecherin Sabine Schatz an Innenminister Nehammer beschäftigte das Thema auch das österreichische Parlament. Schatz wollte von Nehammer wissen, was er unternehmen werde, das stattfindende Gedenken an die Waffen-SS in Stillfüssing zu beenden und ob dem Innenministerium Veranstaltungen und Kundgebungen mit rechtsextremen Hintergrund in Stillfüssing bekannt seien. Vom Innenminister hieß es daraufhin, dass es sich beim Grab in Stillfüssing nicht um ein Denkmal handle sondern um ein Soldatengrab im Sinne des Kriegsgräberfürsorgegesetzes von 1948. Dabei hat das Ministerium die Fürsorge und den Schutz der Kriegsgräber und -denkmäler aus dem Zweiten Weltkrieg für Angehörige der Allierten, Vereinten Nationen und für Opfer des Kampfes um ein freies demokratisches Österreicher und Opfer politischer Verfolgung auf österreichischem Bundesgebiet Sorge zu tragen. Kriegergräber dürfen unter keinen Umständen entfernt oder aufgelassen werden. Seit 2014 gäbe es zudem keine Versammlungen in Stillfüssing, die auf rechtsextreme Hintergründe zurückzuführen wären. Grundsätzlich erklärt Nehammer: „Im Sinne des gelebten Kampfes gegen Rechtsextremismus wird jedoch - auch mit Unterstützung des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung - gegen jegliche Art von Verherrlichung und Verbreitung nationalsozialistischen Gedankengutes im Sinne des Verbotsgesetzes vorgegangen“. Unzureichend ist diese Antwort für Schatz: „Es ist nicht die Frage, ob das Grab zu erhalten ist, sondern wie es kontextualisiert wird. Wir können uns nicht darauf zurückziehen, dass es die Aufgabe ist, das Grab zu erhalten, wenn es als 'Denkmal' verwendet wird. Schließlich diente es jahrzehntelang als Pilgerstätte für die militant rechtsextreme Kameradschaft IV“4. Dementsprechend muss es in einen neuen Kontext gebracht werden“.

Nicht als Kriegsgrab abgetan

Auch Robert Eiter vom Mauthausen Komitee wünscht sich mehr Auseinandersetzung mit der Thematik von Seiten der Politik: „Es ist unbestritten, dass es ein Kriegsgrab ist. Das ist aber nicht der Punkt. Es wurde genutzt um eine Glorifizierung der Waffen-SS zu vermitteln, daher sollte es nicht damit abgetan sein, dass es ein Kriegsgrab ist“. Für Eiter müsste sich das Innenministerium damit auseinandersetzen aber „es war zu befürchten, dass man sich auf rein formale Inhalte zurückzieht“, so Eiter. Das Mauthausen Komitee werden jedenfalls an dem Thema dran bleiben.

Gemeinderat für Zusatztafel

Im Waizenkirchner Gemeinderat entschied man sich indes einstimmig dafür beim Ministerium um Erlaubnis zu bitten eine Zusatztafel anbringen zu dürfen. Die Zuständigkeit hierfür liege voll und ganz beim Innenministerium. Laut Bürgermeister Fabian Grüneis warte man derzeit auf die Antwort des Ministeriums, ob und mit welchem Text eine Tafel aufgestellt werden darf. Zudem bekräftigt Grüneis, dass es sich klar um ein Kriegergrab und keinenfalls um ein Denkmal handle. In manchen Reiseführern oder Berichten werde das oft falsch vermittelt, meint der Bürgermeister. Dies ließ sich auf Tips-Recherchen bestätigen: Auf der offiziellen Homepage des Oberösterreich Tourismus wird die Stätte als Kriegerdenkmal und als Ausflugsziel beschrieben.<


Mehr zum Thema


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Kinderartikelbasar lockte zahlreiche Familien nach Waizenkirchen

Kinderartikelbasar lockte zahlreiche Familien nach Waizenkirchen

WAIZENKIRCHEN. Zahlreiche Eltern mit ihren Kindern besuchten den Kinderartikelbasar des Vereins „Spiegel“ im Pfarrsaal

Tips - total regionalHelmuth Wimmer
Mehr Verkehrssicherheit durch neuen Gehsteig in Unterstetten

Mehr Verkehrssicherheit durch neuen Gehsteig in Unterstetten

TOLLET. In Unterstetten sind der neue Gehsteig und die sanierte Landesstraße L528 fertiggestellt. Mit der offiziellen Eröffnung wurde das Projekt ...

Tips - total regionalHelmuth Wimmer
„Kallham von oben“: Paul Wimmer zeigt Gemeinde aus der Luft

„Kallham von oben“: Paul Wimmer zeigt Gemeinde aus der Luft

KALLHAM/NEUMARKT. Der Neumarkter Filmemacher Paul Wimmer hat nach „Pötting von oben“ und „Neumarkt von oben“ einen weiteren Film aus ...

Tips - total regionalHelmuth Wimmer
Neues Pfarrheim in Michaelnbach feierlich eröffnet

Neues Pfarrheim in Michaelnbach feierlich eröffnet

MICHAELNBACH. Das neue Pfarrheim wurde eingeweiht und feierlich eröffnet.

Tips - total regionalHelmuth Wimmer
Flohmarkt im Pfarrsaal Waizenkirchen

Flohmarkt im Pfarrsaal Waizenkirchen

WAIZENKIRCHEN. Die Pfarrkirche und die Bibliothek Waizenkirchen veranstalten am Freitag, 18. September, und Samstag, 19. September , im Pfarrsaal ...

Tips - total regionalHelmuth Wimmer
Gföllner bietet erstmals Ferienbetreuung für Mitarbeiterkinder

Gföllner bietet erstmals Ferienbetreuung für Mitarbeiterkinder

ST. GEORGEN BEI GRIESKIRCHEN. 38 Kinder nahmen heuer erstmals an der Ferienbetreuung für Mitarbeiterkinder der Firma Gföllner Fahrzeugbau und ...

Tips - total regionalHelmuth Wimmer
Weitere Beiträge