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Bezirksbauernkammer-Obmann Dammayr über aktuelle Herausforderungen in der Landwirtschaft

Gertrude Paltinger, BSc, 19.03.2024 19:00

BEZIRK GRIESKIRCHEN. Gesetzgeber und der Handel machen Vorgaben, die Landwirtschaft soll aber möglichst billig und auch noch in bester Qualität produzieren. Tips sprach mit Bezirksbauernkammer-Obmann Martin Dammayr darüber, was Landwirte derzeit bewegt.

Bezirksbauernkammer-Obmann Martin Dammayr. Selbst führt er einen Rinder-Jungvieh-Betrieb in Michaelnbach. (Foto: Silvia Zellinger)

„Von uns Landwirten wird verlangt, dass wir die heile Welt, aber dafür zu Weltmarktpreisen produzieren“, beschreibt Martin Dammayr die Diskrepanz, die sich in der landwirtschaftlichen Lebensmittelproduktion auftut.

Starke Schweineproduktion

Der Bezirk Grieskirchen ist neben den Bezirken Wels-Land und Kirchdorf einer der oberösterreichischen Bezirke mit starker Schweineproduktion, im Norden gibt es auch viel Rinderhaltung. Ansonsten zeigt sich die Landwirtschaft im Bezirk bunt. Es gibt Pferde, Geflügel, Schafe, Ziegen, Obstbau, viel Direktvermarktung und natürlich verschiedenste Ackerfrüchte, beschreibt Bezirksbauernkammer-Obmann Martin Dammayr den Bezirk Grieskirchen. Es kämen auch viele junge Hofübernehmer mit kreativen Ideen nach. Auch werde in mehreren „Food Koops“ das landwirtschaftliche Produkt direkt an die Konsumenten weitergereicht, ist der Landwirte-Vertreter begeistert.

Stark geprägt ist der Landwirtschafts-Bezirk aber auch vom Nebenerwerb: Landwirten, die neben der Führung des Betriebes einer anderen Tätigkeit nachgehen müssen, um ein gesichertes Einkommen zu erzielen.

Aktuelle Herausforderungen

Aufgrund der Struktur im Bezirk ist die gerade passierte Aufhebung der Übergangsfrist für Vollspaltenböden in der Schweinehaltung ein wichtiges Thema. „Das verursacht viel Verunsicherung unter den Landwirten. Viele haben hohe Investitionen getätigt und bis 2040 kalkuliert“, beschreibt Dammayr die Sorgen der Schweinebauern wie sie Stallumbauten finanzieren sollen. Wenn die Gesellschaft keine Vollspalten wolle, höhere Preise für das Fleisch aber auch nicht bezahlen will und die Bauern den Umbau der Ställe finanzieren müssen, dann passe das nicht zusammen, meint Dammayr: „Bei billigem Importfleisch wird weit nicht so hinterfragt ob die Schweine auf Vollspalten stehen oder nicht.“

Neben dem Thema Vollspalten ist es die Herkunftskennzeichnung, die gerade in aller Munde ist. Man versuche zum Beispiel ein AMA-Gütesiegel für Getreide aufzubauen. Denn derzeit wird Mehl mit dem Land gekennzeichnet wo das Getreide durch die Mühle fällt, unabhängig davon wo das Getreide angebaut wurde.

Für Landwirte, die Milch nach Deutschland liefern, ist eine neue Vorgabe des deutschen Handels relevant. Derzeit versucht man ein heimisches vierstufiges AMA-Gütesiegel mit der neuen deutschen Haltungsformkennzeichnung abzustimmen. Aber auch hier sei es wichtig, dass der Mehraufwand für die Tierhalter abgegolten wird.

„Die Zukunft der Landwirtschaft wird im Supermarkt entschieden. Es ist bedenklich, wenn die wichtigste Lebensmittelkennzeichnung der Rabatt beim Preis ist“, findet Dammayr klare Worte: „Wir Bauern müssen immer auf die Fairness der anderen vertrauen. Der Handel macht die Spielregeln, die Gesellschaft gibt vor wie sie sich die Produktion vorstellt. Die Natur gibt aber vor, was überhaupt möglich ist.“ Dazwischen müssen die landwirtschaftlichen Betriebe überleben.


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