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HELFENBERG. Javad Mirzayee war in den vergangenen dreieinhalb Jahren Österreichs einziger Weber-Lehrling. Ein steiniger Weg für den jungen Afghanen, der quasi ohne vorherige Schulbildung und zu Beginn auch mit nur wenigen Brocken Deutsch nun die Lehrabschlussprüfung mit Auszeichnung ablegte.

Christoph Kobler (l.) und Geschäftsleiter Johann Kobler (r.) sind stolz auf Javad. Foto: Leinenweberei Vieböck

Nach fünf Jahren auf der Suche nach einem Lehrling hat es für die Helfenberger Leinenweberei Vieböck im September 2016 endlich geklappt: In dem afghanischen Flüchtling Javad habe man einen echten Glücksgriff gemacht, freut sich Webereileiterin Margit Schütz-Eibl: „Javad hat sich von Anfang an enorm geschickt angestellt und es hat vom ersten Tag an gepasst: sowohl menschlich, als auch von der Arbeit her.“

„Margit, ich versteh kein Wort!“

Dabei war es für Javad alles andere als einfach, denn Deutsch konnte der Mittzwanziger am Anfang der Lehrzeit kaum. Alleine die Berufsschule stellte ihn am Anfang vor enorme Herausforderungen. „Beim ersten Turnus hat er mich angerufen und verzweifelt gesagt: „Margit, ich versteh kein Wort!“ Aber er hat sich durchgekämpft und war ein fleißiger, gelehriger und beliebter Schüler“, sagt Margit Schüz-Eibl

.Auch in der Asylfrage sollte sich für den jungen Mann, der mit seiner Frau in Helfenberg wohnt, alles zum Guten wenden, denn im November 2019 – nach vier Jahren in Österreich – konnte das Paar endlich den positiven Asyl-Bescheid in Händen halten.

Prüfer begeistert

Vor wenigen Tagen erst, am 12. Mai, stellte sich Javad nun der großen Herausforderung Lehrabschlussprüfung. „Er durfte sie bei uns in der Firma ablegen, die Prüfer kamen ins Haus. Vor allem aber auch wegen der Corona-Regelungen war das alles gar nicht so einfach“, meint die Webereileiterin, die mit ihrem Schützling mitfieberte: „Wir haben alle gewusst, dass er in der Praxis keine Probleme haben wird. Das Fachgespräch war es, was ihm wegen der Sprache ein wenig Sorgen bereitete, aber er hat es so spitze gemacht, dass auch die Prüfer begeistert waren!“ Er schloss die Prüfung sogar mit Auszeichnung ab.

Javad hat seinen Platz im Team gefunden und wird nun als Weber-Geselle bei Vieböck weiterarbeiten. Das nächste Projekt steht auch schon an: Er will den Führerschein machen.

Sein größter Schatz

Doch was für Javad wichtiger als alles andere ist, weiß Margit Schütz-Eibl: „Das ist sein Reisepass! Er hatte vorher keine Papiere besessen, keine Identität. Jetzt ist er stolz, endlich wer zu sein, wahrgenommen zu werden, endlich auch am Papier zu existieren.“


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