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HIRSCHBACH. Wer glaubt, auf dem Hof von Familie Wiesinger wird viel gemeckert, der irrt. Und dass, obwohl 134 schneeweiße Saane-Milchziegen im Stall stehen. 

Samuel ist der "erste Stallknecht" auf dem Hof seiner Eltern.
  1 / 3   Samuel ist der "erste Stallknecht" auf dem Hof seiner Eltern.

Als Landwirt Klaus Wiesinger 2010 den Entschluss fasste, den elterlichen Betrieb in Vorwald von Kuh- auf biologische Ziegenhaltung im Vollerwerb umzustellen, erntete der gelernte Fliesenleger viel Spott und Hohn. Heute, sechs Jahre später, belächelt den 37-Jährigen niemand mehr. Denn der Erfolg gibt ihm Recht. Seit 2012 stehen Saane-Milchziegen im umgebauten Stall. Zu meckern hat keine etwas, im Stall ist es ganz ruhig und es „goaßelt“ auch überhaupt nicht. 1000 Liter Milchleistung im Jahr bringt jede der 134 vierbeinigen „Mitarbeiterinnen“, von denen übrigens jede einen Namen hat. Damit ist der Grünauer-Hof, so der Hausname, oberösterreichischer Spitzenbetrieb. Die Milch liefert Wiesinger an die Bio-Genossenschaft Schlierbach, die daraus für die Bio-Marke „Ja! Natürlich“ Ziegenfrischkäse und Ziegenheumilch-Camembert käst.

Die ganze Familie steht hinter dem Betrieb und hilft mit. Dazu gehören Lebensgefährtin Pamela und die beiden Kinder Fabio (11) und Samuel (fast 2) sowie die Eltern, Bürgermeister a.D. Stefan und seine Frau Christine Wiesinger. „Mit den Ziegen haben wir mehr Arbeit als mit den Kühen, aber die Arbeit ist einfacher“, erklärt Klaus Wiesinger, der seinen mutigen Schritt zur Umstellung noch keine Sekunde bereut hat. „Ich kann das Bestmögliche aus meinem Betrieb rausholen.“

Gefüttert wird nur Heu

Bewirtschaftet werden insgesamt 19 Hektar Grund, von denen auch das Heu für die Ziegen kommt. Als Bio-Betrieb verzichtet der Grünauer-Hof gänzlich auf Silage und füttert nur Heu. Einen besonderen Leckerbissen bekommen die Geißen, wenn sie morgens und abends gemolken werden. Im Melkstand wartet auf jede Ziege Kraftfutter, weshalb sich die schneeweißen Damen zur Melkzeit auch schon ungeduldig anstellen. 24 Ziegen auf einmal können gemolken werden, in eineinhalb Stunden ist die Arbeit erledigt.

Einziges Problem ist die Vermarktung der männlichen Kitze. „Das ist ein Verlustgeschäft“, seufzt Klaus Wiesinger. Mit zehn Wochen werden die Kitze geschlachtet, doch es ist nicht leicht, Abnehmer für das Fleisch zu finden. Dabei schmecke es ausgezeichnet. „Das muss den Konsumenten noch viel mehr schmackhaft gemacht werden“, sagt auch der Seniorchef.


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