Mangel an Hausärzten im Bezirk Kirchdorf
BEZIRK KIRCHDORF. Am Sonntag, 7. April, ist Weltgesundheitstag. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) macht heuer auf die Bedeutung einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung aufmerksam. Aus diesem Anlass hat Tips mit Ärzten im Bezirk Kirchdorf über den Mangel an Hausärzten gesprochen.

Grundsätzlich ist die Gesundheitsversorgung im Bezirk Kirchdorf sehr gut, doch der Hausärztemangel macht sich auch hier bemerkbar. Mit 31. März ist beispielsweise Gerhard Schwarz, Hausarzt in Wartberg, in Pension gegangen. Seine Patienten versorgt nun Wolfgang Sperl. Er war zuvor in den Krankenhäusern Wels und Vöcklabruck in der Intensivmedizin beschäftigt, kennt also beide Seiten. „Das ist natürlich High Tech Medizin, mit den Aufgaben als Hausarzt nicht zu vergleichen“, so Sperl. Bereut hat er seinen Schritt weg vom Krankenhaus hin zum Allgemeinmediziner am Land keinesfalls. „Ich wohne in Wartberg und habe gesehen, dass sich sonst keiner als Hausarzt bewerben wird. Das familiäre Arbeiten gefällt mir. Man wohnt dort, wo man arbeitet, kennt die Leute, das ist wirklich sehr nett“, so der Wartberger Hausarzt.
Arbeit mit Kollegen
Auch Thomas Mark, Facharzt für Innere Medizin im Landeskrankenhaus (LKH) Kirchdorf, konnte sich eine Tätigkeit im niedergelassenen Bereich gut vorstellen. Aufgrund der geänderten, familienfreundlicheren Ärztearbeitszeiten entschied er sich jedoch für die Tätigkeit im Krankenhaus. „Zudem gilt mein besonderes Interesse der Notfall- und Intensivmedizin, die vor allem im Krankenhaus stattfindet und ich arbeite sehr gerne mit Kollegen zusammen. Auch das ist natürlich im Krankenhaus täglich gegeben, um beispielsweise komplexere Fälle gemeinsam zu besprechen,“ erklärt Mark seine Entscheidung für die Arbeit im Krankenhaus.
Folgen für die Ambulanzen
Der stellvertretende ärztliche Direktor des LKH Kirchdorf, Helmut Spalt, sieht auch die Folgen des Hausärztemangels für die Krankenhausambulanzen: „Es kommen jetzt schon viele Patienten ohne Akutsymptomatik in unsere Ambulanzen. Viele davon könnten auch vom Hausarzt oder niedergelassenen Facharzt versorgt werden. Leider werden das Krankenhaus und die Notaufnahme im Speziellen sehr oft als Servicestelle rund um die Uhr gesehen. Es fehlt manchmal das Verständnis, sich einen Termin für eine entsprechende Ambulanz zu vereinbaren oder sich mit dem Hausarzt zu besprechen. Ein zunehmender Hausärztemangel würde unsere Krankenhausambulanzen zusätzlich belasten.“
Höhere Hemmschwelle
665 Vertragsarztstellen gibt es in Oberösterreich. 23 davon sind derzeit unbesetzt, bei 12 Stellen davon ist die Nachfolge noch offen. „Wir haben leider ein veritables Nachwuchsproblem bei den Hausärzten“, so Wolfgang Ziegler, stellvertretender Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte bei der Ärztekammer für OÖ, der selbst in Kremsmünster Gemeindearzt ist. Dabei sei Allgemeinmediziner ein „wunderschöner und flexibler Beruf“. Der Ärztenachwuchs kommt jedoch während der Ausbildung fast nur mit der Spitalswelt in Berührung. Daher gäbe es eine höhere Hemmschwelle im niedergelassenen Bereich tätig zu werden.
Nachfolger von Gerhard Schwarz gesucht
Auch in Wartberg gestaltet sich die Suche nach einem Allgemeinmediziner in der geplanten Gruppenpraxis nicht einfach. Ab Oktober 2019 ist die Gründung einer Gruppenpraxis mit einem zusätzlichen Arzt am Standort der Ordination von Wolfgang Sperl mit erweiterten Ordinationszeiten geplant. „Die Bewerbungsphase ist längst angelaufen, bisher hat sich aber noch niemand gemeldet,“ so Wolfgang Sperl, der die Schwierigkeit aber nicht nur auf den ländlichen Raum begrenzt sieht: „In der Stadt bekommt man auch keine Hausärzte.“
Mentoring für Jungmediziner
Um mehr Studierende und Jungärzte für den Beruf des Hausarztes zu gewinnen, soll nun den Studierenden der Medizinischen Fakultät der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz der Beruf des Allgemeinmediziners schmackhaft gemacht werden. Das sogenannte Ärztementoring, finanziert durch OÖGKK und Ärztekammer, beinhaltet ein verpflichtendes vierwöchiges Praktikum sowie Schnuppertage in einer allgemeinmedizinischen Ordination. Auch Seminare zu Themen aus der Hausarztpraxis werden künftig für Studierende und Jungmediziner angeboten. Dabei geht es nicht nur um Medizinisches, sondern auch um Personalführung, wirtschaftliches Know-how, Patientenkommunikation und mehr. Denn sich mit einer eigenen Praxis selbstständig zu machen, bedeutet auch, sich mit Unternehmensführung zu beschäftigen. „Die jungen Kollegen scheuen es“, so Ziegler, der in dem Bereich Informationsbedarf sieht.


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