„Super, dass das endlich mal eine Frau macht“
ALLHAMING. Seit 2019 ist Jutta Enzinger Bürgermeisterin in Allhaming. Damit ist sie in dieser Position eine von nur zwei Frauen im Bezirk Linz-Land. Was sich im letzten Jahr in der Gemeinde getan hat, erzählt sie im Gespräch mit Tips.

Vor allem das gemeinschaftliche Leben in Allhaming war von der Pandemie im letzten Jahr stark betroffen. Die Vereine konnten keine Feste veranstalten, die Musikkapelle nicht aufspielen. Auch Jutta Enzinger fehlte der persönliche Kontakt: „Das Dorfleben hat schon enorm darunter gelitten. Wir sind ein Ort, der vom Zusammenkommen lebt und das war ganz schlimm, dass es da keine Veranstaltungen mehr gab und man keine Leute mehr gesehen hat. Das hat mich persönlich belastet, auch deswegen, weil man gewusst hat, dass die Leute allein daheim sitzen und sich mit niemandem unterhalten können.“ Umso mehr freut sich die Bürgermeisterin über die nun wieder möglichen Hausbesuche und auf Zusammenkünfte, wie das Familienfest der ÖVP am 11.September.
Sichere Straßenquerung
Wer in den Ort fährt, bemerkt vermutlich gleich zu Beginn eine große Baustelle. „Das ist derzeit unser größtes Projekt, nämlich die Straßenverlegung beim Kindergarten und der Schule“, so Bürgermeisterin Enzinger. Der Eingang dieser Einrichtungen soll nach hinten verlegt sowie weitere Parkplätze geschaffen werden. Vor allem die Sicherheit der Schüler steht für sie bei diesem Bauvorhaben im Vordergrund: „Wir haben das Problem, dass bei uns durch den Ort ja die Landesstraße ziemlich stark befahren ist, weswegen wir auch den Schülerlotsendienst mit Freiwilligen auf die Beine gestellt haben. Da kommt jetzt eine Unterführung dazu, damit man wirklich die Kinder und Erwachsenen sicher queren lassen kann.“ Bis Juni 2022 soll das gesamte Projekt fertiggestellt werden. Die starke Verkehrsfrequenz ist wohl auch dem Mangel an öffentlichen Verkehrsalternativen geschuldet, wie die Bürgermeisterin erläutert: „Bei uns in Allhaming ist man sehr stark auf ein Auto angewiesen, so ist das – man brauchtes eigentlich für alles. Ich bräuchte zum Trauner Gericht öffentlich eineinhalb Stunden – für 15 Kilometer.“ Zwar begrüßt sie das neue Klimaticket, sieht aber woanders die Herausforderung: „Es mangelt einfach am Ausbau des Verkehrsnetzes. Und das wird schwer realisierbar sein, dass man wirklich jeden einzelnen Ort gut getaktet an den öffentlichen Verkehr anbinden kann.“
475 Hausbesuche
Im Bezirk Linz-Land gibt es im Moment nur zwei Bürgermeisterinnen, nämlich Sabine Naderer-Jelinek in Leonding und Jutta Enzinger in Allhaming. „Ich habe jetzt selbst die Erfahrung gemacht, weil ich ja im Moment alle Haushalte besuche, dass von vielen gesagt wird: „Super, dass das jetzt endlich mal eine Frau macht!“ Weil viele denke ich das Gefühl haben, dass Frauen einen anderen Zugang haben und mit den Leuten anders können wie Männer“, so die Bürgermeisterin, der nur noch einige wenige Haushalte in der Gemeinde im Rahmen der Hausbesuche fehlen. Denn ihr Ziel ist es, sich bei allen 475 Haushalten vorzustellen und mit den Leuten persönlich ins Gespräch zu kommen.
Ausgewogene Verteilung
Unter der Bevölkerung der Gemeinde Allhaming herrscht im Übrigen ein fast ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern: Die fast halbe-halbe Verteilung, hier von 680 zu 672 Personen, wäre für Jutta Enzinger auch in der Politik wünschenswert: „Man merkt schon, dass viele Frauen, auch mit Familie daheim, etwas bewirken und machen wollen. Ich gehe auch davon aus, dass das mehr werden wird – ich hoffe es zumindest.“


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